Ein Auszubildender in einer Kfz-Werkstatt.
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Der Beruf des Kfz-Mechatronikers steht zwar auf der Beliebtheitsliste der Ausbildungsberufe ganz oben, die Zahl der Lehrstellen aber ist rückläufig. (Symbolfoto)

Folgen des Lockdowns

Weniger Lehrstellen wegen Corona: Branchen im Kreis Freising schrauben Ausbildungsangebot zurück

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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In den besonders vom Lockdown betroffenen Branchen schrumpft die Zahl der Lehrstellen. Doch von der Freisinger Arbeitsagentur kommen auch positive Signale.

Freising – Corona hat auch Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt. Einige besonders vom Lockdown betroffene Branchen bieten derzeit weniger Lehrstellen an als in den Vorjahren. Das berichtet Harald Brandmeier, Chef der Berufsberatung der Freisinger Arbeitsagentur. Aber auch in der Nachfrage hat die Pandemie zu Veränderungen geführt. „Die Jugendlichen orientieren sich zum Teil um“, sagt der Experte. Seine wichtigste Botschaft aber lautet: „Trotz Corona sieht es auf dem Ausbildungsmarkt alles andere als zappenduster aus. Es gibt immer noch mehr Lehrstellen als Bewerber.“

Einen spürbaren Rückgang der Ausbildungsplätze gibt es vor allem in den Branchen, die am stärksten von corona-bedingten Schließungen betroffen waren, sagt Brandmeier. „Das betrifft etwa Gastronomie und Hotellerie, aber auch Tourismus- und Reisebranche oder Friseure.“

Einzelhandel ein Spiegelbild der Pandemie

Unter den Lehrstellen, die derzeit rückläufig sind, ist aber auch der Beruf dabei, der bei den männlichen Jugendlichen ganz oben auf der Beliebtheitsliste steht: der Kfz-Mechatroniker. Pkw-Werkstätten sind zwar nicht direkt vom Lockdown betroffen, aber auch hier gibt es für Brandmeier einen plausiblen Erklärungsansatz: „Es wird in der Pandemie einfach nicht so viel Auto gefahren.“

Harald Brandmeier: „Nur nicht aufgeben.“

Auch im Einzelhandel ist die Entwicklung bei der Ausbildung ein Spiegelbild der Pandemie. Im Bereich der Lebensmittel, in dem aufgrund geschlossener Gastronomie und weniger Urlaubsreisen oft deutliche Umsatzzunahmen registriert werden können, werden mehr Azubis gesucht. Dort, wo viel geschlossen werden musste – etwa im Bereich der Textilbranche – werden Rückgänge verzeichnet.

Brandmeier glaubt allerdings nicht, dass der Einbruch von Einnahmen hauptsächlich für die Zurückhaltung der Betriebe in der Ausbildung verantwortlich ist. „Der finanzielle Aspekt ist nicht das Entscheidende.“ Denn für Unternehmen, die ihr Engagement nicht minimieren, gibt es in Form von Ausbildungsprämien staatliche Unterstützung. „Ich glaube, die Zurückhaltung resultiert eher daraus, dass die Betriebe eine ordnungsgemäße qualitativ gute Ausbildung in der Pandemie nicht sicherstellen können.“ Stichwort: Lockdown. Stichwort: Homeoffice.

Angebot und Nachfrage: Die Ausbildungs-Top-5

Die beliebtesten Ausbildungsberufe bei Mädchen sind derzeit:

1) Medizinische Fachangestellte

2) Kauffrau – Büromanagement

3) Kauffrau – Spedition/Logistikdienstleistungen

4) Kauffrau im Einzelhandel

5) Tiermedizinische Fachangestellte

Die aktuellen Lieblingsberufe der männlichen Bewerber sind:

1) KFZ-Mechatroniker

2) Kaufmann – Büromanagement

3) Fachinformatiker – Systemintegration

4) Automobilkaufmann

5) Fachinformatiker – Anwendungsentwicklung

Ausbildungsstellen gibt es besonders noch in folgenden Berufen:

1) Kaufmann/-frau im Einzelhandel

2) Kaufmann/-frau – Spedition/Logistikdienstleistungen

3) Fachkraft – Lagerlogistik

4) Verkäufer/-in

5) Kaufmann/-frau – Büromanagement

Quelle: AfA Freising

Corona beeinflusst auch die Nachfrage-Seite. Brandmeier rechnet mit weniger Bewerbern für den kommenden Herbst bzw. für 2022. „Bei vielen Jugendlichen sagen sich die Eltern, dass ein maximaler Verbleib in der Schullaufbahn Sinn macht, um einfach Zeit zu gewinnen.“

Wer dennoch mit einer Ausbildung beginnen will, dem muss nicht bange sein. „Wir haben genügend Plätze“, sagt Brandmeier, der davon ausgeht, dass der Fachkräfte-Bedarf nach der Pandemie eher mehr als weniger wird. Weil corona-bedingt keine Messen stattfinden können, organisiert die Arbeitsagentur Freising virtuelle Veranstaltungen zur Berufsorientierung (siehe Kasten), aber auch individuelle Einzelberatung über Telefon oder Videoplattform ist möglich. Brandmeier rät allen angehenden Schulabgängern, flexibel zu bleiben. „Die Chancen werden besser, je breiter man aufgestellt ist. Nur nicht aufgeben!“

Berufsorientierung rund um die Uhr: Das Online-Angebot der Arbeitsagentur

Berufsorientierungsmessen fallen seit Beginn der Pandemie flach. Die Arbeitsagentur Freising wendet sich aber mit einem umfangreichen Online-Angebot an interessierte Jugendliche:

  • Das Selbsterkundungstool Check U hilft dabei, Berufe und Studiengänge zu finden, die zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passen: www.check-u.de
  • Ausführliche Informationen zu mehr als 3000 Berufen bietet das Internetportal www.berufenet.arbeitsagentur.de.
  • Umfangreiches Material rund um die Themen Ausbildungssuche, Bewerbung und Berufswahl bietet das Portal www.planetberuf.de.
  • Die Arbeitsagentur hilft Jugendlichen auch bei der Studienwahl: www.arbeitsagentur.de/studiensuche
  • Aktuelle Ausbildungsangebote auch für duale Studiengänge gibt es in der Jobbörse der Arbeitsagentur: www.jobboerse.arbeitsagentur.de
  • Informationen über verfügbare Ausbildungsplätze und Tipps für kommende Lehrlinge bietet das aktuelle Magazin „Beruf und Karriere“ des Freisinger Tagblatt: www.merkur.de/berufundkarriere

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