Vergewaltigungsprozess

„Es war wirklich abscheulich“

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Ihre Ehe war am Ende, als der 36-jährige Maurer seine Frau (30) im Juli 2015 vergewaltigte. Das Amtsgericht verurteilte den Mann nun zu zwei Jahren auf Bewährung.

Seiner Reue verdankt der Angeklagte das durchaus moderate Urteil. Mehrfach hatte sich der 36-Jährige bei der mittlerweile im Landkreis Erding lebenden Mutter seiner Kinder entschuldigt. Das Schöffengericht nahm ihm ab, die Tat zu bereuen. „Das was ich getan habe, war wirklich abscheulich“, sagte der 36-Jährige. „Ich schäme mich zutiefst.“

Den vom Gesetzgeber vorgesehen Strafrahmen für Vergewaltigung von zwei bis zwölf Jahren hatte das Gericht zuvor deutlich reduziert. Diese sogenannte „Strafrahmenverschiebung“ begründete Richter Manfred Kastlmeier mit dem Bemühen des Mannes um einen Ausgleich. Keineswegs ausgereicht hätte das von dem Angeklagten gezahlte Schmerzensgeld in, wie es heißt, „namhafter Höhe“. Der Bundesgerichtshof setzt hierfür einen „kommunikativen Prozess“ voraus, der auf einen umfassenden Ausgleich gerichtet sein muss. Offenkundig ist es dem Paar inzwischen gelungen, zu einer Verständigung zu finden. Im Interesse der Kinder akzeptierte die 30-Jährige seine Entschuldigung. Auf keinen Fall wolle sie ihren Kindern den Vater nehmen. „Das wäre eine Katastrophe für sie.“ Die während der Verhandlung mehrfach wiederholte Entschuldigung, seine ausgiebig dargelegte Reue und das Geständnis wirkten glaubhaft. Auf der anderen Seite blieb dem Angeklagten im Grunde keine Wahl. Die Vergewaltigung war für die Ermittler nachvollziehbar auf einer Audio-Datei gespeichert. Vermutlich aus Sorge um das Wohl der Kinder und der vorausgehenden Auseinandersetzungen wegen, hatte sich die 30-Jährige gewappnet. Als ihr Mann in der Nacht auf den 12. Juli von einer Feier heimkehrte und das Paar mal wieder zu streiten begann, drückte sie die Aufnahmetaste ihres Handys. Vor längerer Zeit hatte sie ihrem Mann bereits mitgeteilt, für sich und die Kinder eine Wohnung zu suchen. Das Paar nächtigte in getrennten Schlafzimmern. Ein knappes halbes Jahr vor der Vergewaltigung hatte der Angeklagte seine Frau brutal gewürgt. Während der Tat stand ihr vierjähriger Sohn hinter dem Vater und versuchte, ihn von der Mutter wegzuzerren. Ihr Mann habe seinen Sohn weggestoßen, erinnerte sich die 30-Jährige. Die zunächst ebenfalls angeklagte Körperverletzung ist vom Gericht im Hinblick auf die schwererwiegende Vergewaltigung eingestellt worden. Obwohl sich die 30-Jährige im Interesse der Kinder während des Prozesses „sehr wohlwollend“ über ihren Mann äußerte, wie Kastlmeier sich ausdrückte, belegt ein Sachverständigengutachten „erhebliches Leiden“. Seit der Vergewaltigung hat sich ihr Leben verändert. Die 30-Jährige wagt sich kaum mehr allein aus dem Haus, ist schreckhaft, wirkt in sich gekehrt. Seit mehreren Monaten wird sie von einer Psychologin traumatherapeutisch behandelt.

Rubriklistenbild: © dpa

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