Nigerian Connection

Ziemlich teure Liebesschwüre: Freisingerin um knapp 130.000 Euro geprellt

Er hat als Galan auf Internet-Single-Börsen Frauen abgezockt und unter anderem eine Freisingerin um 130 000 Euro gebracht haben. Seit Mittwoch muss sich deshalb ein 24-jähriger Nigerianer aus München vor dem Landgericht Landshut wegen Betrugs verantworten.

Landshut/Freising – Laut der von Staatsanwältin Jacqueline Wallinger vertretenen Anklage gehörte der 24-Jährige, für den in der Anklageschrift zehn Alias-Namen vermerkt sind, seit Juni 2016 einer international agierenden und arbeitsteilig strukturierten Gruppierung, der sogennannten „Nigeria-Connection“, an. Sein Geschäft sei das so genannte „Romance-Scamming“ gewesen, bei dem er mit gefälschten Profilen in Internet-Singlebörsen Frauen Verliebtheit vorgespielt haben soll, um sie dann gnadenlos abzuzocken. Kontakt mit den Frauen soll er unter anderem als „Alfred Dariel“ oder „Bill Turner“ aufgenommen haben und sie alsbald wegen einer wirtschaftlichen Notsituation um finanzielle Hilfe gebeten haben.

Angeblich hatte er ein prallgefülltes Konto - bei der „Woodforest Bank“

Eines der Opfer war eine Freisingerin, mit der er seit Juni 2017 Kontakt hatte. Ihr gegenüber soll er sich als gut situierter Bauingenieur ausgegeben haben, der sich in sie verliebt habe. Aber schon eine Woche später erhielt die Freisingerin eine „Hiobsbotschaft“: Sein Bankkonto sei gehackt worden und er habe deshalb keinen Zugriff mehr darauf. Deshalb, so forderte er sie auf, solle sie ihm 5000 Euro in die Türkei überweisen, die er für die Reparatur seiner Maschinen brauche. Um Bedanken auszuräumen, übersandte er per E-Mail seine Log-in-Daten für sein angeblich mit 3,9 Millionen Euro oder Dollar prall gefülltes Bankkonto bei der Woodforest Bank.

Die Freisingerin überwies daraufhin die 5000 Euro und in der Folge noch acht Mal Einzelbeträge bis zu 34 000 Euro – insgesamt knapp 130 000 Euro. Die Anklage wirft dem 24-Jährigen banden- und gewerbsmäßigen Betrug in weiteren 15 Fällen vor.

Warum sollte er betrügen, wenn er doch bei Fußballwetten gewinnt?

Zum Prozessauftakt wies der Nigerianer die Vorwürfe weit von sich: „Das stimmt nicht.“ Dabei blieb er auch, als ihm Vorsitzender Richter Ralph Reiter klar machte, dass die Auswertung der sichergestellten Handys, der SIM-Karten und der über WhatsApp gelaufenen Chats mehr als „schlüssig“ die Anklage bestätigten. Die Staatsanwaltschaft, so der Vorsitzende Richter, gehe davon aus, dass er von den Hintermännern, die den großen Reibach gemacht hätten, mit zehn Prozent der erbeuteten Summen entlohnt worden sei. Dafür sprächen Bareinzahlungen in der fraglichen Zeit in Höhe von 13 000 Euro.

Das bestritt der 24-Jährige: „Ich kann mir nicht erklären, wie man auf diese Summe kommt.“ Er habe immerhin als Security bis zu 2000 Euro verdient, sogar noch einen Kredit über 15 000 Euro aufgenommen und last but not least ab und zu bei Fußballwetten gewonnen. Seine Mutter (50) wollte sogar darauf schwören, dass ihr Sohn unschuldig sei.

Die geprellten Frauen werden im August vernommen

Durchaus selbstbewusst zeigte sich der Stiefvater (34) des Angeklagten, der sich nicht nur darüber beschwerte, bei seinen Vernehmungen bei der Staatsanwaltschaft „hart“ angefasst worden zu sein, sondern auch die Vermutung äußerte, dass sein Stiefsohn lediglich wegen seiner Hautfarbe und seiner nigerianischen Herkunft auf der Anklagebank sitze. Eine Bemerkung, die beisitzende Richterin Antonie Beck-Weber als „Unverschämtheit“ zurückwies. Und Staatsanwältin Wallinger machte ihrerseits keinen Hehl daraus, dass der Stiefvater nach wie vor unter Verdacht stehe, in die Betrügereien involviert gewesen zu sein.

Beim Prozessauftakt wurde zudem bekannt, dass bei der Kammer ein weiteres gleichgelagertes Verfahren anhängig ist. Da habe der Angeklagte ein Geständnis – auch hinsichtlich der Strukturen und Vorgehensweise der „Nigeria-Connection“ – abgelegt. Für den Prozess sind bis September drei Verhandlungstage angesetzt. Die betrogenen Frauen sollen am 14. August vernommen werden.


Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa

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