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Guter Polizist, böser Polizist: In einer Kursübung spielt Kripo-Beamter Walter Schollerer (l.) den Übeltäter, Jakob Deischl mimt den Bürger, der couragiert eingreift.

Kurs

Zivilcourage in Freising: Man muss kein Held sein, um bei Gefahr zu helfen

Viele Menschen würden in Notsituationen gerne Zivilcourage zeigen. Wie man sich in brenzligen Situationen verhält, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, das erklärten Walter Schollerer und Jakob Deischl von der Kriminalpolizeiinspektion Erding.

Freising – Die beiden Ermittler waren am Samstag auf Einladung des Treffpunkts Ehrenamt und des Fördervereins Freisinger Raum der Begegnung ins Haus der Vereine gekommen. Deren jeweilige Leiter, Johanna Sticksel und Ulrich Bomme, begrüßten mehr als 20 interessierte Teilnehmer.

Die beiden Hauptkommissare wollten zunächst wissen, welche Situationen man selbst schon erlebt habe, bei denen es einem auf offener Straße mulmig geworden sei. Beim Nachhauseweg sei sie an einer Gruppe Jugendlicher vorbeigekommen, die gerade dabei waren, Mülltonen umzuwerfen, erzählte eine Frau. Was tun? Den Notruf 110 wählen, so die Antwort der Beamten. Denn vom eigenen aktiven Eingreifen in einer Gewaltsituation sei eher abzuraten. Schollerer und Deischl, die seit Jahrzehnten in Sachen Gewaltprävention engagiert sind, rieten dazu, durch selbstbewusstes Auftreten und lautstarkes Ansprechen die Gegenüber einzuschüchtern.

Genau in diese Richtung ging dann auch die erste Übung, die die beiden Kriminalbeamten mit den Teilnehmern durchspielten. Ein Angreifer sollte abgewehrt werden. Dazu wurde eine entsprechende Situation mittels interaktivem Spiel nachgestellt: Ein Mann ist im Begriff, einen anderen anzupöbeln. Dieser duckt sich weg und tritt wortlos den Rückzug an. Teil zwei der nachgestellten Situation: Der angegriffene Mann geht aufrecht einen Schritt auf den Angreifer zu und schreit so laut er kann „Stopp“. Das wurde dann unter den Teilnehmern selbst ausprobiert.

„Erschrecken und aufmerksam machen – da ist die Stimme ein ganz wichtiges Mittel“, ermunterte Schollerer die Anwesenden. „Dem Blick des Gegenübers stand halten“, auch das sei wichtig. Man müsse kein Held sein, um sich oder anderen in Gefahrensituationen wirksam helfen zu können, erklärte Deischl. Mit dem Zivilcourage-Kurs wolle man in erster Linie Mut zum „Sich wehren“ machen. Obwohl man doch in einem relativ sicheren Umfeld lebe, sei es zu spüren, dass Gewaltbereitschaft zunehme, glauben Yarong und Hao, die seit vielen Jahren im Landkreis leben. Das Zivilcourage-Training sei wie ein „Erste-Hilfe-Kurs“.

Im zweiten Teil des Trainings zeigten die Beamten, wie man sich bei Belästigung und Bedrohung in einer Fußgängerunterführung und in öffentlichen Verkehrsmitteln verhält. Dazu wurden auch entsprechende Griffe gezeigt, wie man sich aus einer Umklammerung lösen könne. Aufgrund der großen Resonanz streben Sticksel und Bomme eine Neuauflage des Kurses an.

Maria Martin

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