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Übertrittszahlen machen Angst: Zollinger Rektor funkt SOS - Bildungsminister räumt Lehrermangel ein

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Von: Andreas Beschorner

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Hoher Besuch: Bildungsminister Michael Piazolo (hinten, Mitte) stellte sich an der Mittelschule Zolling den Fragen der Schülerinnen und Schüler.
Hoher Besuch: Bildungsminister Michael Piazolo (hinten, Mitte) stellte sich an der Mittelschule Zolling den Fragen der Schülerinnen und Schüler. © Beschorner

Beim Besuch von Bildungsminister Michael Piazolo hat Zollings Mittelschulrektor auf besorgniserregende Tendenzen hingewiesen. Ein Schüler fragte kritisch nach.

Zolling – 250 000 Auszubildende fehlen dem Handwerk in Bayern. Gründe: Die Akademisierung der Gesellschaft und das nicht gerade hohe Ansehen der Mittelschule in der Gesellschaft. Dem will die FW-Fraktion im Landtag mit ihrer Initiative „Mittelschule Macherschule“ entgegenwirken. Kultusminister Michael Piazolo war am Montag in die Mittelschule nach Zolling gekommen, um diese Botschaft an die Schülerinnen und Schüler zu bringen.

Rektor Thomas Dittmeyer und Konrektorin Regina Elzenbeck schilderten dem Minister zunächst, was man alles für die Berufsorientierung des Nachwuchses tue, um das Handwerk schmackhaft zu machen. Da ist zum Beispiel BereB (Begleitung zur Berufsfindung), das ist eine Berufsberatung durch die Arbeitsagentur. Da ist die Einladung von Firmenvertretern, ein Berufsinfotag, da gibt es Betriebspraktika oder auch den Besuch von Berufsmessen.

Bürgermeister: „Ich weiß nicht, welche Register wir noch ziehen sollen“

Genau das sei auch der Grund gewesen, so FW-Landtagsabgeordneter Benno Zierer, weshalb man die Mittelschule Zolling für den Besuch des Ministers ausgewählt habe. Die Schule habe bei den Handwerkern wegen ihres hohen Standards einen guten Ruf. Doch all das scheint nicht zu genügen, wie Zollings Bürgermeister Helmut Priller berichtete. Er, der vor seiner Wahl zum Rathauschef Obermeister und stellvertretender Kreishandwerksmeister war, berichtet, das Handwerk versuche seit 20 Jahren, Nachwuchs zu generieren. „Aber es gelingt uns nicht. Ich weiß nicht, welche Register wir noch ziehen sollen.“ Wichtig sei aus seiner Sicht, dass man an und in den Schulen Werbung machen müsse. Denn: „Bei Messen gehen die Schüler vorbei, wenn es an einem Stand kein Popcorn gibt.“

Piazolo ist sich dieses Problems bewusst – auch weil bei Umfragen zunehmend Berufswünsche wie Influencer genannt würden. Aber genau da setze die Initiative der Freien Wähler an: „Wir müssen alle zusammen deutlich machen, wie gut Mittelschulen sind“, so sein Appell an Lehrer und Politik, aber auch an die Eltern.

Schulrektor: „Die Übertrittszahlen machen uns schon Angst“

Das freute Dittmeyer. Denn: „Die Übertrittszahlen machen uns schon Angst. Wir brauchen da sehr große Unterstützung.“ Vor allem: Genügend Personal sei notwendig, um die Mittelschule attraktiv zu machen. Und das hake es, so berichtete Elzenbeck: Angebote außerhalb des Regelunterrichts, mit denen man Talente fördern und in Arbeitsgruppen am Nachmittag das Interesse der Schüler für das Handwerk wecken könne, seien Mangelware. Piazolo gab zu: „Wir hatten und haben zu wenig Lehrer.“ Auch dieses Problems ist sich der Kultusminister also bewusst. Und er wisse, welch große Herausforderungen die Pädagogen erst wegen der Corona-Krise und jetzt wegen des Ukraine-Kriegs und seinen Folgen zu bewältigen hatten und haben.

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Im Gespräch mit einer 9. Klasse erfuhr der Minister dann, dass manche durchaus schon einen Handwerksberuf im Auge und auch schon Ausbildungsplätze hätten – Kaminkehrer, Metzger oder Erzieherin beispielsweise. Die Frage eines Schülers, wieso es so lange gedauert habe, bis man Ersatz für die schwangere Lehrerin bekommen habe, beantwortete Piazolo so: Bei 2500 Kräften als mobile Reserve und derzeit 3000 schwangeren Lehrerinnen gehe es halt nicht auf. Hinzugekommen sei, dass Schwangere in der Corona-Phase sofort zu Hause bleiben mussten, es also keinerlei Übergangs- und Vorbereitungszeit zur Rekrutierung von Ersatz gegeben habe.

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