Überschäumende Freude herrschte auf dem Freitagsmarkt, als OB Tobias Eschenbacher zum Jubiläum anzapfte

Kreistag lehnte Vorhaben zunächst ab

Zum 25. Geburtstag: So kämpften die Neustifter für ihren Bauernmarkt

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Vor über 25 Jahren kam Fritz Schüller die Idee für einen Bauernmarkt bei einem vorweihnachtlichen Umtrunk im Landratsamt, das Jubiläum wurde nun mit Freibier und Blasmusik gefeiert. Doch Schüllers Plan wurde im Kreisrat zunächst abgelehnt.

Freising – Senioren genießen ihren Schweinsbraten, Mütter rollen mit Kinderwagen Richtung Gemüsestandl, eine junge Dame packt ihre Auszognen in die Tasche. Fritz Schüller trägt grünen Wollpuli und grüne Hose, er steht am Freitag mittendrin im Getummel auf dem Neustifter Bauernmarkt und lächelt. „Das haben wir hier alles nur einem Zufall und viel Hartnäckigkeit zu verdanken.“ 

Kreistag lehnte Freitagsmarkt ab - Neustifter gaben nicht auf 

Vor 25 Jahren arbeitete Schüller als Kreisbaumeister – und der Innenhof des Landratsamtes kam ihm ein wenig leergefegt vor: „Da könnten wir doch einen Bauernmarkt machen“, schlug er deshalb Landrat Ludwig Schrittenloher vor. Doch der Kreistag lehnte ab: Der Innenhof des Landratsamtes sei kein geeigneter Ort für einen Markt. Doch die Neustifter gaben nicht auf.

Gegenwind gab es auch von der Stadt 

Denn es fehlte an Einkaufsmöglichkeiten in dem Freisinger Stadtteil: „Kurz davor hatten hier erst ein Lebensmittelgeschäft und eine Bäckerei geschlossen“, erzählt Schüller. Deshalb kamen die (mittlerweile verstorbenen) Pfarrgemeinderatsräte Erna Eschenbach und Herbert Frank auf Fritz Schüller zu. Sie schlugen ihm einen Markt auf dem Vorplatz der Kirche St. Peter und Paul vor - der Platz wiederum gehört der Stadt. 

Doch auch da gab es Gegenwind: „Die hatten Angst, dass auch die Bürger in Lerchenfeld oder Vötting einen Markt starten wollen und sich die Stadt darum kümmern muss.“ Deshalb sollten die Neustifter einen eigenen Verein gründen, um den Bauernmarkt auf die Beine zu stellen.

Gesagt, getan: Als Vorsitzender fand sich der Kinderarzt Rudi Weller. Und die Gründungsmitglieder legten in ihrer Satzung fest, dass es auf dem Markt nur Produkte geben soll, die überwiegend selbst produziert werden – das ist bis heute so geblieben: Es gibt frischgebackene Apfelkücherl, hausgemachte Kuchen oder Putenfleisch aus der Region.

„Anfangs waren die Umsätze schlecht“

Immer wieder neue Ideen hat Vereinsvorsitzende Elfriede Graf, die hier zusammen mit Elisabeth Maier die Gründungsmitglieder Resi Bauer und Georg Sturm mit Blumen und Geschenken ehrt.

Mit im Gründungsteam war damals auch der heutige Marktsprecher Georg Sturm, er trägt eine grüne Schürze auf dem „25 Jahre Neustifter Freitagsmarkt“ steht. Seit Oktober 1993, also einem Vierteljahrhundert verkauft er Obst und Gemüse auf dem Kirchenvorplatz – sein Stand ist mit Bauers Kuchenverkauf einer der ältesten auf dem Markt. Doch: „Anfangs waren die Umsätze schlecht“, erzählt Sturm. 

Erst nach rund zwei Jahren sei das Angebot von den Bürgern angenommen worden: „Aber heute läuft es richtig gut“, sagt er. Die anfänglichen Zweifel waren also unbegründet, so Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher: „Es geht hier nicht mehr nur ums Einkaufen, sondern der Markt ist ein Treffpunkt zum Ratschen geworden.“

Ein gemeinsames Dach ist Georg Sturms Wunsch für die Zukunft

Außerdem gehen die Marktbeschicker mit der Zeit, sagt die heutige Vorsitzende Elfriede Graf: „Vor zwei Jahren haben wir diese Taschen bedrucken lassen“, sie zeigt auf grüne Stofftaschen mit dem Neustifter-Bauernmarktlogo: „Damit wir hier weniger Plastik haben.“ Aber etwas feuchte Radieschen oder Salat würden weiterhin mit ein wenig Plastik eingepackt.

Plastikfrei zu werden, ist nur ein Zukunftsziel des Bauernmarktes. Marktsprecher Sturm hat eine weitere Vision: „Mein Wunsch wäre, dass hier irgendwann über allen Ständen ein gemeinsames Dach ist, wie in Italien“ – damit die Standbetreiber besser vor Regen oder Schnee geschützt sind. An diesem sonnigen Herbsttagen schmeckte der Schweinsbraten aber auch unter’m Sonnenschirm.

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