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Zwischen Brunnen und Hahn: So wird das Freisinger Grundwasser zu Trinkwasser

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Von: Manuel Eser

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Farbenfroher Arbeitsplatz: Wassermeister Florian Neumeier (l.) und Wasseringenieur Matthias Weidner (2. v. l.) erklären FT-Redakteur Manuel Eser (2. v. r.) die Wasseraufbereitung im Beisein von Stadtwerke-Sprecherin Nina Reitz (M.) und Monteur Peter Sedlmeier (r.).
Farbenfroher Arbeitsplatz: Wassermeister Florian Neumeier (l.) und Wasseringenieur Matthias Weidner (2. v. l.) erklären FT-Redakteur Manuel Eser (2. v. r.) die Wasseraufbereitung im Beisein von Stadtwerke-Sprecherin Nina Reitz (M.) und Monteur Peter Sedlmeier (r.). © Lehmann

Was passiert mit dem Wasser, bis es aus den Freisinger Hähnen kommt? Das Tagblatt hat sich auf den Weg des Wassers gemacht.

Freising – Wer es gerne bunt hat, findet im Wasserwerk I den perfekten Arbeitsplatz. Orangefarbene Schaltschränke, Pumpen in Blau, Rohre in Grün, Rot, Rosa und Gelb, die sich am Boden, an den Wänden und an den Decken entlangschlängeln. Wer lärmempfindlich ist, müsste sich hingegen einen anderen Job sorgen. Hier surrt, zischt und dröhnt es ordentlich.

Wassermeister Florian Neumeier und Wasseringenieur Matthias Weidner von den Freisinger Stadtwerken machen ihre Arbeit aber nicht aus Farbgründen und erst recht nicht lassen sie sich von akustischen Einwirkungen abschrecken. Sie brennen für ihren Job, weil sie den Freisingern, so drückt es Neumeier aus, „Wasser in erstklassiger Qualität“ bieten wollen.

Stadtwerke gehen auf „Nummer sicher“

Um das zu gewährleisten, passiert das Wasser auf dem Weg vom Brunnen zu den Wasserhähnen der Verbraucher mehrere Hallen des Werks. Das oberflächennahe Wasser, das drei Flachbrunnen auf dem Gelände in Vötting zutage fördern und in etwa zwei Drittel des Trinkwassers ausmacht, wird etwa über eine UV-Anlage desinfiziert. Eine Verordnung dazu gibt es nicht, betont Neumeier. „Wir machen das freiwillig, weil wir auf Nummer sicher gehen wollen.“ Die Desinfektion über UV-Licht soll etwaige Krankheitserreger eliminieren.

Ort der Begegnung: In den beiden Kammern, die Neumeier (l.) und Weidner präsentieren, kommen oberflächennahes und Tiefenwasser als Trinkwasser zusammen.
Ort der Begegnung: In den beiden Kammern, die Neumeier (l.) und Weidner präsentieren, kommen oberflächennahes und Tiefenwasser als Trinkwasser zusammen. © Lehmann

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme ist die regelmäßige Analyse der Inhaltsstoffe. Wöchentlich werden im Flachbrunnen Proben entnommen, die zur TU München nach Weihenstephan wandern. Dort finden die mikrobiologischen Untersuchungen des oberflächennahen Wassers statt.

Aufbereitet werden muss das Wasser aus dem Flachbrunnen hingegen nicht. „Hier gilt das Prinzip der 50-Tage-Linie“, erklärt Weidner. Bedeutet: Das Niederschlagswasser, das in einem unterirdischen Fluss beim Wasserwerk ankommt, ist bereits mehr als 50 Tage alt. „Dann ist die Filterwirkung des Bodens ausreichend, dass sich keine Krankheitserreger mehr im Wasser befinden, und man es bedenkenlos konsumieren kann.“

Der Aufwand beim Tiefenwasser ist enorm

Anders verhält es sich mit dem Wasser aus den vier Tiefbrunnen. Es muss zwar nicht desinfiziert werden, weil die Deckschichten so mächtig sind, dass sie das Wasser vor Schadstoffen schützen. Dafür aber ist es aufbereitungspflichtig. „Das Wasser in den tieferen Bodenschichten ist eisen- und manganhaltig“, erklärt Weidner. Zwar ist unaufbereitetes Tiefenwasser nicht gesundheitsgefährdend, es riecht und schmeckt aber anders – oder besser gesagt: Es riecht und schmeckt überhaupt.

Das aber widerspricht der Trinkwasserverordnung. Die gibt drei Qualitätsmerkmale vor: Geruchlos, geschmacklos und farblos soll das Trinkwasser sein. An einer Entnahmestelle schenkt Weidner ein Glas Tiefbrunnenwasser ein, das noch unbehandelt ist. Es schmeckt metallisch – ein wenig wie das Blut, wenn man sich auf die Lippe beißt.

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Um das Wasser aufzubereiten, reichert ein Oxidator es zunächst mit Sauerstoff an. Dadurch kommt es beim Eisen und Mangan zu einer Flockenbildung. Die Flocken wiederum können nun mit Quarzsand gefiltert werden. Schöner Nebeneffekt: Dadurch wird auch eine Verkrustung der Leitungen verhindert.

„Einmal pro Woche werden die Quarzsandfilter rückgespült, um die Kessel, in der die Aufbereitung stattfindet, zu reinigen“, sagt Weidner. Dies geschieht mittels Luft- und Wasserspülung. In einem Absetzbecken wird der mangan- und eisenhaltige Schlamm gesammelt, eine Fachfirma entsorgt ihn einmal pro Jahr. Das Restwasser, das im Becken zurückbleibt, wird über Vorfluter in die Stadtmoosach abgeleitet.

Das Herz pumpt nach Bedarf

In zwei Kammern kommen das aufbereitete Tiefenwasser und das desinfizierte oberflächennahe Wasser zusammen. 120 Kubikmeter fasst eine Kammer. „Das sind keine riesigen Speichermengen“, sagt Neumeier. „Aber das ist auch nicht nötig. Denn das Wasser läuft hier nur durch, es steht keine halbe Stunde. Und zudem ist es in der Erde geschützter als an der Oberfläche.“ Um das Wasser im Werk auch vor Lichteinflüssen zu bewahren, sind die Behälter eingemauert.

Die Pumpenhalle ist das Herzstück des Wasserwerks. Hier, wo es deutlich weniger brummt und summt als im Aufbereitungstrakt, stehen – seitlich aufgereiht – die Pumpen. Zwischen 10 und 35 Liter pro Sekunde können die Pumpen je nach Leistungsstärke befördern. „Sie sind so aufeinander abgestimmt, dass sie genau bedarfsabhängig das Wasser mit dem Druck befördern, der benötigt wird“, erklärt Neumeier.

Herzstück des Wasserwerks: Pumpen mit verschiedenen Leistungsstärken sorgen dafür, dass das Wasser bei den Verbrauchern ankommt – aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen der Stadt eine komplexe Angelegenheit.
Herzstück des Wasserwerks: Pumpen mit verschiedenen Leistungsstärken sorgen dafür, dass das Wasser bei den Verbrauchern ankommt – aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen der Stadt eine komplexe Angelegenheit. © Lehmann

Auf der einen Seite befinden sich die Pumpen, die das flache Stadtgebiet mit einem Druck von 5,6 Bar versorgen, auf der anderen stehen die Maschinen, die den Weihenstephaner Berg bedienen – 7,3 Bar sind notwendig, um das Wasser in die Höhe zu pumpen. „Wegen der hügeligen Lage ist die Wasserverteilung in Freising komplex“, sagt Neumeier und fügt augenzwinkernd hinzu: „Aber das macht’s auch spannend.“

Das geförderte Wasser, das aktuell im Stadtgebiet nicht benötigt wird, fließt weiter zum Hochbehälter im Freisinger Forst. Die 2006 fertiggestellte Anlage pumpt das Wasser nicht nur an alle Verbraucher, die höher als 450 Meter liegen, sondern hat noch eine zweite Funktion: Sie stellt als zweites Standbein und Reserve die Wasserversorgung in Freising sicher.

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