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Alles genau gekennzeichnet: Helmut Schreiber will auf der rund 1,6 Kilometer langen Strecke zwischen Göttschlag und Eberspoint einen Wildschutzzaun aufstellen. Blau umringelt sind Start- und Endpunkte des Zauns. Rot markiert sind die Stellen, an denen Wirtschaftswege auf die Staatsstraße führen.

Ein Unfall zu viel

Zwischen Göttschlag und Eberspoint: Waidmann fordert Wildschutzzaun – doch Bauamt sperrt sich

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Auf der Staatsstraße 2084 zwischen Freising und Allershausen kommt es häufig zu Wildunfällen. Ein Waidmann fordert nun einen Wildschutzzaun – doch das Bauamt sperrt sich.

Freising – Schneller als das Tempo gedrosselt ist, schießt das Adrenalin nach oben. Wenn ein Reh im Kegel des Autoscheinwerfers auftaucht, ist es meist zu spät. Selbst mit einer Vollbremsung kann ein Autofahrer den Knall häufig nicht verhindern. Auf der Staatsstraße 2084 zwischen Freising und Allershausen kommt es oft zu solchen Kollisionen. „Da herrscht ständiger Wildwechsel“, betont Helmut Schreiber.

Der 71-Jährige kennt sich aus. Mehr als ein Vierteljahrhundert war er im Landratsamt für die Materie Jagdrecht zuständig. Der Jagdexperte besitzt selbst einen Wald. Erst im Januar habe sich wieder ein schlimmerer Wildunfall auf der kurvigen Strecke zugetragen. „Da wurde im Bereich Göttschlag und Eberspoint ein Reh zusammengefahren und schwer verletzt. Weil der Revierleiter nicht vor Ort war, musste das Tier ewig auf der Straße ausharren, bis die Polizei gekommen ist und es mit einem Schuss erlöst hat.“

„Da muss man was Prophylaktisches machen“

Ihm geht es nicht nur um das Wohl der Tiere: Helmut Schreiber aus Freising kämpft auch aus Sorge um das Wohl der Autofahrer um einen Wildschutzzaun an der Staatsstraße 2084.

Für Schreiber war das ein Unfall zu viel. „Da muss man was Prophylaktisches machen“, dachte er sich. „Zumal der Verkehr zwischen Freising und Allershausen künftig noch gewaltig zunehmen wird.“ Schnell hatte er eine Idee: Warum nicht einen Wildschutzzaun entlang des kritischen Abschnitts zwischen Göttschlag und Eberspoint aufstellen? Allein 90 Rehe und mindestens 26 Wildschweine seien in den vergangenen fünf Jahren auf dieser rund 1,6 Kilometer langen Strecke bei Wildunfällen umgekommen. „Aber mir geht es nicht nur um das Wohl der Tiere“, betont der Waidmann. „Die Situation ist auch für Autofahrer hochgefährlich.“

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Schreiber hat mit Wildschutzzäunen bereits gute Erfahrungen gemacht. Vor einigen Jahren erwirkte er eine solche Vorrichtung an der A 9 Richtung Nürnberg zwischen Neufahrn und Allershausen. „Eine größere Rotte Wildschweine ist auf die Autobahn gebrettert und hat dabei ziemlich viel Schaden angerichtet“, berichtet er. Unter dem Eindruck dieses Vorfalls gaben die Behörden schnell grünes Licht für einen Zaun. Fazit des Waidmanns: „Das funktioniert wunderbar. Seitdem hat es dort keine Wildunfälle mehr gegeben.“

Den Rückhalt der Jäger hat Schreiber für sein Projekt an der Staatsstraße, bei dem die Jagdgenossenschaften Kranzberg und Tünzhausen betroffen sind. Denn: „Ein Wildschutzzaun erhöht auch die Sicherheit bei der Jagdausübung.“ Hintergrund: Selbst bei tödlichen Schüssen komme es nicht selten vor, dass sich Wild noch 100 bis 150 Meter weit fortschleppt und dabei unkontrolliert auf die Straße taumelt. Die Folge: „Die Schwarzwildbejagung wird erschwert. Das ist schlecht, da gerade Schwarzwild gefährliche Folgen für Autofahrer haben kann.“

Der große Gegenspieler: das Staatliche Bauamt

Schreiber hat aber auch einen großen Gegenspieler: das Staatliche Bauamt. Zwar räumt die Behörde selbst ein, dass es in dem Streckensabschnitt zu zahlreichen Wildunfällen kommt. Einen Zaun lehnt das Bauamt aber ab. „Das bringt nur dann den gewünschten Erfolg, wenn dieser Zaun lückenlos entlang der Straße verläuft“, heißt es. Das aber sei aufgrund mehrerer Straßen, die auf die Staatsstraße münden, nicht möglich. „So kann nicht sichergestellt werden, dass die Tiere den Zaun nicht umgehen oder hinterlaufen und somit in den Straßenraum gelangen.“ Stattdessen verweist die Behörde darauf, dass vor einigen Jahren in beiden Richtungen das Gefahrenzeichen „Wildwechsel“ als Warnung für Autofahrer aufgestellt worden sei. Zudem werde derzeit das neue Warnsystem „AniMot“ getestet, unter anderem im Landkreis Erding.

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Schreiber will sich damit nicht zufriedengeben. Bei den Straßen würde es sich lediglich um Wirtschaftswege handeln. In Absprache mit den Eigentümern wäre es möglich, dort Tore zu errichten, die bei Bedarf geöffnet und von Fahrzeugen passiert werden könnten. Das Warnsystem wiederum habe noch eine dreijährige Testphase vor sich. „In dieser Zeit kann ein Zaun etliche Unfälle verhindern.“ Was Schreiber besonders ärgert: Das Bauamt sei gar nicht bereit gewesen, den Streckenabschnitt in Augenschein zu nehmen.

Rupert Popp Allershausens Bürgermeister unterstützt das Vorhaben.

Unterschiedlicher Ansicht sind die Bürgermeister der nahen Gemeinden Allershausen und Kranzberg. Volle Unterstützung erhält Schreiber von Rupert Popp. „Ich habe sein Schreiben an das Landratsamt weitergeschickt – mit meinem absoluten Dafürsprechen“, berichtet der Allershausener Rathauschef. Dass sich das Bauamt sträubt, verwundert ihn nicht. „Die fürchten sicherlich Nachfolgeanträge, und das geht dann irgendwann ins Geld.“

„Das erhöht die Sicherheit“

Hermann Hammerl Der Bürgermeister von Kranzberg hegt Bedenken gegen den Zaun.

Kranzbergs Gemeinde-Oberhaupt Hermann Hammerl spricht sich für eine andere Lösung aus: „Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h halte ich für das Optimale.“ Auf den Straßenabschnitten hinter Göttschlag und Eberspoint gebe es dieses Tempolimit schon. „Also kann man es gleich auf der gesamten Strecke durchziehen“, findet Hammerl. „Das erhöht die Sicherheit.“

Gegen einen Zaun hat der Bürgermeister Vorbehalte – und das nicht nur, weil Grundstücksanlieger aus der Gemeinde darüber nicht begeistert wären, wie er sagt. Hammerls Hauptargument: „Wenn ein Tier irgendwie im Bereich des Wildschutzzauns auf die Straße gelangt, etwa, weil es am Zaun-Ende auf die Fahrbahn schlüpft, dann findet es nicht mehr heraus und wird erst recht zur Gefahr für Autofahrer.“ Auch der Rathauschef hat ein Beispiel. „Kürzlich hat die Polizei einen halben Tag lang nach einem Reh gesucht, dass sich in der Nähe des Unternehmens Wurzer im Bereich eines Zauns verirrt haben muss.“ Vergeblich. Erst abends wurde das Reh entdeckt. Tot. Es war gegen die Motorhaube eines Autos gelaufen.

Wildunfälle enden oft schrecklich:Bei einer Kollision auf der Staatstraße zwischen Moosburg und Erding kam eine 56 Jahre alte Frau ums Leben.

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