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Hoch geht’s her vor dem Königlich Bayerischen Amtsgericht: Der angeklagte Leichenbitter Alois Wastlhuber (Franz Kaindl) muss sich so Einiges anhören – etwa von seiner liebreizenden Gattin Franziska (Barbara Ziegltrum). Dem Amtsgerichtsrat August Stierhammer (Andreas Schwarz, l.) reißt der Geduldsfaden, die Zuschauer amüsieren sich – und Justizwachtmeister Blasius Kramer (Jochen Fischer, r.) würde gerne einmal den Saal räumen.

Laienbühne Freising

Grandiose Gestalten im Gerichtssaal

Es war, als hätte Georg Lohmeier die Rollen speziell für die Freisinger Laienspieler erfunden. Denn in drei Verhandlungen vor dem Königlich Bayerischen Amtsgericht zeigte das Ensemble bei der Premier am Samstagabend sein ganzes Potenzial. „Himmelherrgott-sakrament“ war das gut – um den Herrn Rat zu zitieren.

Freising Einmal war es die Luft in Kirchenzell, die für das Geschäft des Totengräbers zu gesund war, dann war es ein eventuell dann doch nicht an Ischias oder Rheuma leidender „ordinärer Bauerngockel“, „ein blödes Viech“ mit unsittlichen Absichten. Und dann war es eine zerstörte Drehorgel, um die es bei der Premiere der Laienbühne Freising am Samstag ging. Und es war bestes bayerisches Volkstheater, das die grandiose Schauspieltruppe um Regisseur Wolfgang Schnetz herum auf die neuen Bühnenbretter in der Luitpoldanlage brachte.

Hoch oben auf seinem Richterstuhl saß er, der Amtsgerichtsrat, der „Herr Gestrengen“. Andreas Schwarz ist der Mann, der ihn auf der Bühne gibt – mit grandioser Gestik, mit famoser Miene, mit großer Ausdruckskraft und Energie, mit einer schauspielerischen Glanzleistung zwischen erhabener Würde, Wutausbrüchen und purer Verzweiflung über das Volk, das da vor seinem Richterstuhl aufmarschiert.

Und dieses Volk – vom Kläger über die Angeklagten bis zu den Zeugen – steht dem in Nichts nach: Ein Franz Kaindl als wuiselnder Totengräber, eine Edith Philipp als verklemmte und gleichzeitig resolut schimpfende Pfarrersköchin, ein Franz Spitzenberger als Schmied mit einer peinlichen Vergangenheit – sie alle sind für diese Rollen als Angeklagte wie geschaffen. Und sie alle haben ihr ebenso famos spielendes Pendant: Da die wunderbar keifende Ehefrau (Barbara Ziegltrum), dort die nicht minder resolute Stadlbäuerin (Anne Stümpfl), dort den herrlich geschwätzigen Kriegsinvaliden und Drehorgelspieler (Anton Wiesheu). Es ist dies eine der ganz großen Stärken dieser Inszenierung, dass hier Typen im Gerichtssaal aufeinandertreffen, wie man sie nicht besser zusammenstellen kann.

Und das gilt auch für die kunterbunte Schar der Zeugen, die im „Leichenbitter“, im „Pfarrgockel“ und im „Bienenhaus“ auftreten, den Gerichtssaal mal Zeter und Mordio schreiend stürmen, mal selbstbewusst betreten, mal auch wieder kleinlaut wieder verlassen: Szenenapplaus für Richard Brückl als ganz varreckten Bürgermeister von Dürling, Daniele Lederer und Katharina Maier als Bäuerinnen mit Durchsetzungsvermögen, und vor allem auch für Stephan Leitmeier, der nicht nur den prächtig schwäbelnden Rechtsanwalt, sondern vor allem im dritten Stück den fulminant komisch grotesken Professor und Direktor der Landesnervenheilanstalt gibt.

Zwei Stunden Höchstleistungen, drei Gerichtsszenen, ein beeindruckendes, fernab jeglicher Kitschromantik gestaltetes Bühnenbild – die Laienbühne Freising hat mit der Lohmeier-Inszenierung zur Einweihung der Luitpoldhalle als Übergangsdomizil das nächste prächtige Kapitel in der Vereinsgeschichte geschrieben. Und die Zuschauer können ganz nebenbei noch eine wichtige Lehre fürs Leben mit nach Hause nehmen: „Tanzende Griechinnen sind immer verdächtig.“

Übrigens: Nach der Premiere feierte das Ensemble beim Griechen.

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