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Von traditionell bis temperamentvoll: Das Trio „Reiderweiberhias“ mit Andi Wenger, Rita Brunner und Irene Bock (v. l.) begeisterte die zahlreichen Zuhörer im Furtnerbräu.

Veranstaltung im Furtnerbräu  

„Reiderweiberhias“ auf den Spuren einer „dichtenden Wirtsdirn“

Freising - Das war alles andere als eine trockene Lesung: Das Volksmusik-Trio „Reiderweiberhias“ ist im Furtner auf den Spuren der bayerischen Schriftstellerin Emerenz Meier gewandelt. Ein Abend zum Schmunzeln, Lachen und Mitsingen.

Geschichten vom Land, genauer gesagt, vom Wald: Die hat die bayerische Volksdichterin Emerenz Meier so unnachahmlich erzählen können. Das Volksmusik-Trio „Reiderweiberhias“ mit Irene Bock, Rita Brunner und Andi Wenger hat am Dienstagabend im Furtnerbräu aus den Werken der Schriftstellerin gelesen, die im 19. Jahrhundert aus ihrem Heimatdorf Schiefweg im Bayerischen Wald nach Chicago ausgewandert war. Vom dörflichen Leben und skurrilen Figuren handelten aber auch die Erzählungen, die die drei Musiker aus ihrem eigenen Leben preisgaben – ein Abend, der zum Lachen, Schmunzeln und zum Mitsingen einlud.

Emerenz Meier gilt neben Lena Christ als bedeutendste bayerische Volksschriftstellerin. Eine Wirtstochter sei sie gewesen, die gebildet war und schreiben konnte. Leider sei sie vielen Zeitgenossen nicht mehr bekannt, führte Veranstalterin Jutta Ederer von Bücher Pustet in ihrer Begrüßung aus. „Des freien Waldes freies Kind“, so habe sich die Emerenz Meier selber tituliert, erzählte Rita Brunner. Fasziniert von deren ungewöhnlichem Leben, habe sie sich gemeinsam mit ihrer Schwester Irene vor rund fünf Jahren auf die Spuren der „dichtenden Wirtsdirn“ begeben. Und da habe man festgestellt, dass das Schicksal der Schiefwegerin eigentlich auch viel mit ihrem eigenen zu tun habe.

Vom Land, wo es in der Kindheit direkt und derb zugegangen sei, konnten die „Reiderweiber“ genug erzählen: Aufgewachsen auf dem Reiderhof in der Hallertau, auf dem nur Dialekt gesprochen worden sei, habe sie bei der Einschulung fast Probleme bekommen, erinnert sich Rita Brunner. Die Hausaufgaben sollten bis Donnerstag gemacht sein. Aber was tun, wenn man nicht wusste, was „Donnerstag“ heißt? Daheim sei das der „Pfinster“ gewesen. Auch vom „Abenteuer Altgriechisch“ erzählten die beiden Musikerinnen und davon, wie sie später am humanistischen Gymnasium mit dem Palästinensertuch um den Hals griechische Aphorismen rezitiert hätten.

Vom Vater dazu verdonnert, ein Instrument zu lernen, sei die Volksmusik immer ein festes Thema in der Familie gewesen. Das gesamte Spektrum der Stubnmusi mit Gesang, Hackbrett, Zither, Geige und Akkordeon war auch am Dienstagabend zu hören: Von traditionell bayerischen Liedern ging’s über den Zwiefachen bis hin zu temperamentvoller Zigeunermusik – teils selbst komponiert oder neu arrangiert. Andi Wenger, der „Hias“, hatte einige mitreißende Eigenkompositionen mitgebracht. Und so war der Abend viel mehr als eine trockene Lesung. Es gab viel hintersinnigen Humor, der vielleicht auch der Emerenz Meier gefallen hätte. Denn in Amerika, wo sie 1928 gestorben ist, sei sie nie glücklich geworden, wusste das Trio, das die Zuschauer erst nach der zweiten Zugabe entließen.

Maria Martin

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