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Gespannt zugehört: Gut siebzig Eltern haben sich bei einem Info-Abend an der Paul-Gerhardt-Schule über die Situation von Flüchtlingskindern informiert. 60 Schüler aus den Asylbewerberheimen an der Wippenhauser Straße und der ehemaligen Stein Kaserne werden derzeit an der Düwellstraße unterrichtet. Mit durchaus gutem Erfolg, wie Rektorin Karin Buchner (v. l.) den Besuchern erklärte.

Paul-Gerhardt-Schule: Konzepte zur Integration von Flüchtlingskindern

Sehen und verstehen, was die anderen machen

Freising - Es ist zu schaffen. Mit der Erkenntnis gingen am Mittwoch Eltern von Kindern an der Paul-Gerhardt-Schule nach Hause. Nach einem Info-Abend über Flüchtlingskinder und ihre Probleme. Sie bedürfen besonderer Fürsorge, traumatisiert sind sie aber meist nicht.

Sechzig Flüchtlingskinder zu unterrichten, die kein Deutsch sprechen, die Analphabeten sind und keine Ahnung von geregeltem Unterricht haben - das hört sich nach einer Riesenherausforderung an. Ist es auch, wie den Worten von Schulleiterin Karin Buchner und Schulrat Karl Rauscheder zu entnehmen war, beim Info-Abend an der Paul-Gerhardt-Schule. Aber es erscheint machbar. „Wie wir das schaffen“, das erklärte Buchner den Besuchern im Detail. Rauscheder sprach ein großes Komplement aus. Die Paul-Gerhardt-Schule sei von allen Schulen im Landkreis am meisten betroffen, erklärte er: „Ich finde es daher fantastisch, mit welcher Ruhe und Gelassenheit Sie das meistern“. Erklärtes Ziel der Veranstaltung war es laut Buchner „Ängste und Gerüchte aus der Welt zu schaffen, um mit der Situation besser umgehen zu können“. Einen Teil dazu beigetragen hat auch Imgard Eichelmann vom Netzwerk Asyl. Sie beantwortete Fragen zu den Zuständen in den Asylbewerberheimen. Zudem räumte sie mit Vorurteilen auf, wonach den Flüchtlingen Konsequenzen bei Delikten wie Schwarzfahren und Ladendiebstahl erspart blieben. Als Hauptziel der Schule nannte Buchner, „dass die Kinder so schnell wie möglich Deutsch lernen“. Sie verwies auf Intensivkurse und Förderlehrer. Es gebe aber auch Flüchtlingskinder, die in Regelklassen unterrichtet würden. Traumatisiert seien sie nicht. „Die sitzen hier nicht auf den Gängen herum und weinen“, stellte sie fest. Klar hätten sie die Bilder im Kopf. Mitleid sei aber fehl am Platz. Stattdessen gelte es Sicherheit, Ordnung und Regeln zu vermitteln. Zu den Schwierigkeiten zählte sie etwa die Erklärung des „Mann-Frau-Verhältnisses“, kulturelle Unterschiede sowie die Angst vor Wasser oder davor in einem Bus einzusteigen. Die Flüchtlingskinder seien mit Booten über das offene Meer gekommen und Busse zuhause oft in die Luft gesprengt worden, erklärte sie. Dass es gelinge die Flüchtlingskinder zu unterrichten und zu integrieren das führte die Rektorin auch auf die Klassengemeinschaften zurück. Sehen und verstehen was die anderen machen, das sei genau so wichtig, wie Einzelunterricht. Wie geborgen sich die Flüchtlingskinder an der Schule fühlten, zeige sich daran, dass sie bisweilen einschlafen würden im Unterricht. Wenn dem so sei, dann könne man „nicht viel verkehrt gemacht“ haben, gab sie zu verstehen. Mehr als vier Stunden, würden die Kinder am Anfang nämlich nicht aushalten. Physisch nicht und auch psychisch nicht.

Alexander Fischer

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