In Florian Notters Büro durften die Teilnehmer der beiden Führungen ebenfalls einen Blick werfen. Als besonderes Schmankerl hatte der Stadtarchivar Amtsbüchern aus der Barockzeit auf großen Tischen bereitgelegt.

Tag der offenen Tür im Freisinger Archiv

Spaziergang durch die Stadthistorie

Freising - Wer in Freisings Vergangenheit eintauchen will, muss tief hinabsteigen. Mehr als hundert Interessierte taten dies am Donnerstag im Haus der Vereine. Zum „Tag der Archive“ öffnete Stadtarchivar Florian Notter das Archivmagazin der Stadt Freising, das im früheren Wirtschaftskeller der Vimykaserne eingerichtet wurde.

Für gewöhnlich sind sie nicht öffentlich einsehbar: Archivalien aus über 650 Jahren, die eindrucksvoll die Geschichte der Domstadt widerspiegeln. Urkunden, Amtsbücher, Aktenbestände, Notenarchive, Stempel- und Postkartensammlungen sowie Münzen, Medaillen und Stiche. Sogar Grenzsteine finden sich, fein säuberlich aneinandergereiht und an die Kellerwand gelehnt. Ein Fund aus der „Neuzeit“, wie Notter scherzend bemerkte. Denn im Zuge des Aushubs für die Westtangente wurden die Pfähle von Baggern aus dem Boden gezogen. 

Die älteste städtische Urkunde von 1362 wird von Stadtarchiv Florian Notter „mit Samthandschuhen“ angefasst.

Nicht alles, was gefunden und dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt werde, sei es wert, aufgehoben zu werden, machte Notter deutlich. Zwar sei das Stadtarchiv verpflichtet, das historische Erbe für die Erforschung der Vergangenheit und das Verständnis für die Gegenwart zu sichern und zu bewahren. Die archivische Bewertung sei jedoch ein „Minenfeld“, bei dem man viel falsch machen könne, räumte der Historiker ein. „Man muss Entwicklungen absehen können. Vielleicht ärgern sich unsere Nachfahren in 200 Jahren, dass wir heute etwas versäumen.“ Florian Notter scheint jedoch ein sicheres Gespür für die richtige Bewertung zu haben. Den Besuchern zeigte er eine Schriftmappe, die die zwangsweise Abnahme der Kirchenglocken im Kriegsjahr 1917 dokumentiert. Zur weiteren Produktion von Waffen musste nämlich damals – im dritten Jahr des Ersten Weltkriegs – laut kaiserlicher Anordnung, Metall eingeschmolzen werden.

Im Zugangsmagazin wird neu im Archiv angekommenes Material gesammelt, erfasst udn dann zugeordnet.

 „Wenn ich eine Postkarte oder Scheine des historischen Notgeldes aus dieser Zeit daneben legen kann, ist ein Schriftstück doch wesentlich aussagekräftiger“, machte Notter deutlich. Das älteste Schriftstück der Verwaltung im Freisinger Rathaus ist übrigens eine Urkunde aus dem Jahr 1362. Seyfried der Klinger – übrigens ein Bürger aus dem mittelalterlichen München – hat dieses Schriftstück verfassen lassen. Ein Grundstücksverkauf sei es gewesen, wie Notter wusste. Denn das Berufsbild des Notars sei erst im 19. Jahrhundert entstanden. Vorher seien die Städte für derlei Aufgaben zuständig gewesen. 

Kaum größer als ein Lieferschein ist dieses wertvolle Stück Papier. Apropos Papier: Kunstvoll eingehüllt lagerten die vielen Amtsbücher in den vergangenen Jahrhunderten in den Magistraten der Stadtverwaltung. „Marmorierte Umschläge sind damals Mode gewesen“, beantwortete Notter die Frage eines Besuchers. An den Einbänden könne man den jeweiligen Zeitgeist der einzelnen Jahrhunderte ablesen. Im Jahr 1804 begann die Geschichte der regionalen Zeitung in Freising. Eine gedruckte Ausgabe des „ Freisinger Wochenblattes“ , das unter dem Druckereibesitzer Franz Paul Datterer später zur Tageszeitung, dem Freisinger Tagblatt,, umgewidmet wurde, ließ die Besucher staunen. „Eigentlich beschränkte sich damals der Inhalt in erster Linie auf die Auflistung statistischer Daten“, betonte Notter. Stadtratsprotokolle könnten bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Genau das sei der Zweck eines Archivs, betonte Notter: „Der Bürger hat ein Recht darauf, die Vergangenheit seiner Stadt nachvollziehen zu können.“ Was an Material quantitativ hervorsteche, ließ den einen oder anderen aufhorchen.

Fein säuberlich in Kartons verpackt sind die alten Akten der Freisinger Stadtverwaltung im Magazin verwahrt. Auch dieser Teil des Archivs ist normalerweise für den Bürger nicht zugänglich

 „Der Flughafen im Erdinger Moos ist bisher massivstes Thema der Stadtgeschichte“, ließ der Historiker zum Schluss der Führung wissen. Auch 2017 soll eine Führung durch das Magazin des Stadtarchivs stattfinden.

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