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Vergüngt und entspannt ließen sich die Zuhörer von BR-Journalist und Buchautor Gerald Huber und von Akkordeonistin Maria Reiter in die Feinheiten der bayerischen Sprache und Musik entführen.

Gerald Huber klärt in Freising auf

Echte Bayern können gar nicht Tschüß sagen

Freising - Selbstbewusstsein für den Umgang mit der bayerischen Muttersprache gab es am Samstag im Tagungssaal des Viva Vita zu erlernen. Wie treffend und hochwertig so manches Wort der „einheimischen“ Sprache sein kann, das zeigte einer, der es wissen muss.

Gerald Huber ist BR-Journalist und Autor des Buches „Hubers Kleine Bairische Wortkunde“. Und er bot einen ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Abend. Wer sich in Bayern von einem Stockwerk ins andere begibt, geht über die „Staffe“ auf der „Stiagn“. Man muss nämlich wissen: das Wort Treppe war in Bayern ursprünglich gar nicht gebräuchlich. Und daran seien die Römer schuld, machte der Autor deutlich. Ein „ehrwürdiges“ Erbe aus uralten Zeiten seien viele Wörter mit bairisch-romanischem Ursprung. Etwa das „wichtigste Kulturgut“ südlich der Donau – die Semmel. Warum eine Semmel kein „Brötchen“ sein kann, wie das im norddeutschen Ausland der Fall ist, wurde rasch deutlich. Das Lehnwort aus dem lateinischen „simila“, das in das heutige Hochdeutsch übersetzt soviel wie „fein gemahlenes Weizenmehl“ heißt, stand Pate für die Semmel. Denn nur in der „Kornkammer“ im Süden, die ja von den Römern besiedelt gewesen sei, habe Weizen angebaut werden können, berichtete Huber. Im Norden sei nur der Roggen gewachsen. Ergo: „Die Semmel ist nichts für Preiß’n.“ Auch das Kaisertum sei im Süden der heutigen Bundesrepublik entstanden. Der römische Herrscher Gaius Julius Caesar war der erste, der „Caesar“ nicht nur im Namen, sondern auch als Titel trug. Die daraus abgeleitete Kaiserzeit sei von den Germanen im Norden „geraubt“ worden. „Heut’ braucht’s des nimma, heut gibt’s an Länderfinanzausgleich“, scherzte Huber. Die Zuhörer ließen sich die Feinheiten ihrer Muttersprache auf der Zunge zergehen. Vergnügt und entspannt verfolgte man die humorigen, geistreichen und fundierten Ausführungen des Autors. Recht anschaulich machte Huber auch noch deutlich, dass die viel zitierte „Bissgurk’n“ eigentlich gar nichts mit der Gurke zu tun habe. Es müsse eigentlich „Bissgurn“ heißen, so Huber. Denn die in Bayern eher geschmähte Bezeichnung einer „bissigen“ Frau leite sich aus dem althochdeutschen Wort „Gurre“ ab, was Stute bedeute. Die passende Musik hierzu hatte die Akkordeonistin Maria Reiter mitgebracht, die die „Bissgurn“ oder „Bissgurk’n nach einer Komposition von Dimitri Schostakowitsch richtig „meckern“ ließ. „Dipferlscheißer“ seien die Bayern übrigens auch nicht. Denn alle Umlaute würden in unserem Dialekt einfach „entrundet“, so Huber. Aus den „Älteren“ werden „d’Eltern“. „Darum können wir Bayern auch nicht Tschüß sagen.“ Und noch eines nahmen die Zuhörer gerne mit nach Hause: „Dialekt macht schlau.“ Die „Mehrsprachigkeit“ habe sich auch in der Pisa-Studie positiv niedergeschlagen.

Maria Martin

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