Normale fluss-Pegel, aber viele Feuerwehr-Einsätze 

60 Liter Regen - doch der Boden schluckte alles

60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter binnen 24 Stunden: Freising war am Dienstag/Mittwoch einer der regenreichsten Flecken im Freistaat. Trotzdem stiegen die Pegel der Flüsse kaum an. Hauptgrund: der extrem aufnahmefähige Boden. Der ist jetzt gesättigt – und die befürchtete große Dürre gebannt. Die Feuerwehren war allerdings im Dauereinsatz.

Landkreis – Geschüttet wie aus Kübeln hat es auch anderswo, etwa in Garmisch. Dort kamen laut Deutschem Wetterdienst in Weihenstephan von Dienstag, 8 Uhr, bis Mittwoch, 8 Uhr, exakt 44 Liter runter. Die Folge: Die Partnach schwoll sehr schnell stark an – ein 52-Jähriger starb in den reißenden Fluten des kleinen Flusses. Das gesamte Oberland meldete Überschwemmungen und vollgelaufene Keller. Freising blieb von all dem verschont – trotz 60,7 Liter Regen in 24 Stunden führte das kaum zu Ausschlägen an den Pegeln von Isar, Amper oder Moosach. Den Hauptgrund sieht Diplom-Meteorologe Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst in Weihenstephan im Zusammentreffen glücklicher Umstände: der Boden sei nach der Trockenheit der letzten Wochen sehr aufnahmefähig gewesen. Allerdings: Die Oberfläche war nicht hart und ausgetrocknet, was zu einem schnellen, oft verhängnisvollen Ablaufen der Fluten hätte führen können, sondern durch die gewittergüsse der vergangenen Tage aufgeweicht. Die Folge: Der Boden schluckte die 60 Liter anstandslos.

Der Experte: Diplom-Meteorologe Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst in Weihenstephan.

Ein Glücksfall auch für die Landwirte. Der Weizen signalisierte mit eingerollten Blättern bereits enormen Trockenstress, wie Brömser berichtet – und auch der Mais hatte trotz tiefer Verwurzelung schon enormen Durst. „Nun sind die Bodenvorräte wieder gut aufgefüllt“, bilanziert der Diplom-Meteorologe, „und wir haben wieder einen Wasserpuffer“. Für die nächsten Wochen sei die befürchtete Dürre gebannt.

Warum aber hat es in Freising so ergiebig geregnet? Laut Wettermann Brömser lag Freising in dem starken Niederschlagsgebiet, das sich vom Unterallgäu über München und Landshut bis in den Bayerischen Wald erstreckt hat. Zum anderen handelte es sich nicht um eine rasch vorbeiziehende Kaltfront, sondern um eine sich nur sehr langsam bewegende sogenannte „verwellende Front“.

Bei den Feuerwehren gab es trotzdem eine ganze Reihe von Einsätzen – von Montag bis in die Nacht zum Mittwoch waren das insgesamt 47, wie das Landratsamt Freising am Mittwoch in einer Bilanz zusammenfasste. Auch die Freisinger Floriansjünger mussten am Dienstagabend ausrücken – zu „acht kleineren Hilfeleistungen“, wie Sprecher Florian Wöhrl berichtet: überschwemmte Fahrbahnen, ausgehängte Gullydeckel und einzelne Keller, die vollliefen. 

In Zolling mussten die Floriansjünger eine Dachrinne freiräumen – damit das Wasser besser abläuft.

Auf der A 92 musste man dann doch noch einmal etwas größer ran: Gegen 20.15 Uhr krachte es auf Höhe des Dreiecks Flughafen – ein Pkw geriet aufgrund der regennassen Fahrbahn ins Schleudern. Dort sicherte die Freisinger Feuerwehr zusammen mit den Kollegen aus Achering und Pulling die Unfallstelle. Auch in Zolling waren die Feuerwehrler gefragt: Ein Keller musste ausgepumpt und eine Dachrinne ausgeräumt werden, damit das Wasser ablaufen konnte, erzählte Kommandant Martin Ester. Etwas mehr Arbeit gab’s sogar noch in Thalhausen, wie 2. Kommandant Armin Hirsch berichtet. In einem Keller mit Öltanks stand 25 Zentimeter hoch das Wasser. „Das hätte gefährlich werden können, wenn’s noch einmal so stark geschüttet hätte.“ 

Am Hotel Zum Forst wurde die Straße überschwemmt – die Feuerwehr hob die Gullydeckel aus und ließ die Fluten ablaufen. Insgesamt waren mit Unterstützung der FFW Wippenhausen rund 55 Kräfte im Einsatz. Schwerpunkte der Gewitter waren wie schon Ende vergangener Woche die Gemeinden Kranzberg – wo es im Ort kurzfristig „Land unter“ hieß – und Hohenkammer sowie die Hallertau. In Allershausen mussten die Floriansjünger das Dach eines Zirkuszeltes sichern, damit es bei Windböen nicht abhebt. Sehr schnell seinen Zweck erfüllen musste der „Modulare Gerätewagen Hochwasser“, der seit neuestem zum Katastrophenschutz-Fuhrpark des Landkreises gehört. Erst am vergangenen Samstag wurde das Fahrzeug, das mit speziellen, leistungsfähigen Schmutzwasserpumpen ausgestattet ist, an seinen Standort in Au transportiert.

 In der Nacht zum Mittwoch alarmierte jetzt der benachbarte Landkreis Kelheim die Freiwillige Feuerwehr Au. Ein Supermarkt in Mainburg war überschwemmt worden und wurde mithilfe des neuen Modularen Gerätewagens vom Wasser befreit. 

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