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Stimmgewaltiges Finale: Bachs Weihnachtsoratorium bildete den passenden Klangrahmen für das letzte große Domkonzert mit Kirchenmusikdirektor Wolfgang Kiechle.

Mariendom

Wolfgang Kiechles letztes großes Domkonzert

Freising - „Jauchzet, frohlocket!“ So beginnt Bachs Weihnachtsoratorium. Bei der Aufführung des Werks am Sonntag im Mariendom war aber auch eine gute Portion Wehmut und Traurigkeit mit dabei: Es war das letzte große Domkonzert mit Kirchenmusikdirektor Wolfgang Kiechle.

Sie sind eine Marke geworden, ein kulturelles Aushängeschild nicht nur für den Domberg, sondern für ganz Freising und die Region: die Konzerte der Reihe „Freisinger Dommusik“. Ein Mann hat sie geprägt, hat sie auf das hohe Niveau gehoben, das diese Veranstaltungsreihe heute hat: Wolfgang Kiechle, seit 40 Jahren Kirchenmusikdirektor auf dem Mons doctus. Bald, Ende April, ist Schluss für Kiechle. „Allmählich winkt sein Abschied“, sagte Domrektor Monsignore Rainer Boeck am Sonntag, bevor Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium die Herzen der Menschen ergriff und endgültig in weihnachtliche Stimmung versetzte. Und so stand das Werk Bachs, wohl das Weihnachtsoratorium schlechthin, auch „im Zeichen des Abschieds“, sagte Boeck in einem restlos ausverkauften Dom zu Freising: „Es ist das letzte ganz große Kirchenkonzert unter der Leitung unseres Wolfgang Kiechle.“ Und was für eines! 

Vorne, auf und vor den Treppen hoch zum Altar des Doms hatten sie Position bezogen – der große Domchor, die Domberg-Kinderkantorei, das Domberg-Kammerorchester und die Solisten, die an diesem späten Sonntagnachmittag unter der wie immer begeisterten und begeisternden Leitung von Wolfgang Kiechle die Teile I bis III und Teil VI des Bach’schen Weihnachtsoratoriums darboten. Und noch einmal zeigten sie alle, was „Freisinger Dommusik“ bedeutet. Da war ein famos und bei aller Exaktheit nie verkrampft oder angestrengt wirkender, sondern von Leichtigkeit und Freude am eigenen Können getragener Chor. Da war ein Kammerorchester, das viel mehr klingt und spielt als für die Kammer, sondern auch ganz große und prachtvolle Herausforderungen meistert. Da war eine Kinderkantorei, die dafür sorgt, dass man sich oben auf dem Domberg um den musikalischen Nachwuchs keine Sorgen zu machen braucht. Und schließlich waren da die Solisten, auf deren Können man sich immer verlassen und auf deren Kunst man stets bauen kann: Sopranistin Beate Hariades (nur zur Erinnerung: eine geborene Kiechle und Tochter des scheidenden Kirchenmusikdirektors), deren Ehemann Nicholas Hariades als faszinierender Altus, Andrew Lepri-Mayer (Tenor) und mit Thomas Hamberger ein nicht nur auf dem Domberg bekannter und bewährter Bariton. Dazu Helmut Weigl an der Theorbe und Angelika Sutor dort, wo auch Kiechle in all den 40 Jahren so oft gesessen und das Publikum begeistert hat: an der Orgel. 

Sie alle zusammen boten ein Klangerlebnis zwischen jauchzender Freude und herrlich eingängigen Melodien auf der einen, aber auch behutsamen und besinnlichen Passagen auf der anderen Seite. Es war, als würden sie alle nicht nur für das Publikum und die Kunst singen und spielen, sondern auch für ihren Dirigenten: für Kiechle, für Wolfgang Kiechle, für „unseren Wolfgang Kiechle“.

Andreas Beschorner

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