Die drei Bürgermeister (v. l.) Heinrich Kislinger, Andreas Karl und Heinrich Stadlbauer baten gestern zur Pressekonferenz ins Rathaus Fahrenzhausen. Thema: Rathaus.

Bürgerbegehren soll neues Rathaus auf Kirchengrund verhindern

Es brodelt in Fahrenzhausen - Rathaus-Neubau-Pläne gestoppt: Bürgermeister sind ratlos 

  • schließen

Bürger aus Fahrenzhausen wollen den Rathausneubau verhindern. Sie sammeln Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Die drei Bürgermeister der Gemeinde nahmen jetzt Stellung. 

Fahrenzhausen Die drei Bürgermeister von Fahrenzhausen sitzen beisammen und alle wirken etwas ratlos. Ein Jahr nach der Entscheidung, das unbestritten und dringend benötigte neue Rathaus in Erbpacht auf Kirchengrund zu bauen, sammeln diverse Bürger Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Die drei Chefs der Gemeinde rätseln, was das alles soll.

Das Bürgerbegehren wird damit begründet, dass die Gemeinde südlich von dem Erbpacht-Grundstück der Kirche eigene Flächen besitze und man dort bauen könne mit dem Vorteil, keine 75 Jahre Erbpacht zahlen zu müssen – inklusive der Ungewissheit, was nach Vertragsende passieren könnte. Bürgermeister Heinrich Stadlbauer nimmt das Hauptargument der Initiatoren kopfschüttelnd zur Kenntnis: „Wenn auf unseren Gemeinde-Grundstücken soziales Wohnen realisiert wird, dann bekommen wir Erbpacht-Einnahmen in ähnlicher Höhe wie unsere Zahlung an die Kirche.“ Die Summe habe ein amtlicher Gutachter festgelegt und deshalb handele es sich nicht um astronomische Höhen. 2. Bürgermeister Andreas Karl betonte, dass die Gemeinde bei dem Kauf der zwei Zentrumsgrundstücke 2008 und 2013 den Erwerb mit keiner speziellen Nutzung verbunden habe. Wohnbau war damals ebenso ein Schlagwort wie ein Rathaus. „Wenn im Zentrum solche Grundstücke verfügbar sind, dann sollten wir so eine einmalige Chance nutzen“, sagte Karl. Das Bürgerbegehren und die laufende Unterschriftensammlung kann auch er sich nicht erklären: „Wir respektieren dieses demokratische Mittel, finden es aber seltsam und befremdlich.“

Bürgerbegehren kostet nicht nur Geld, sondern sehr viel Zeit

Ein wesentliches Argument der drei Bürgermeister bei ihrer gestrigen Pressekonferenz war es auch, dass das Bürgerbegehren mit einem möglichen Bürgerentscheid der Gemeinde kein Geld spare, sondern vielmehr Geld koste. Wenn bei einem Bürgerentscheid der Bau auf dem Kirchengrund bestätigt werde, habe man etwa acht Monate Verzögerung und dadurch wohl auch höhere Baukosten. Setzen sich die Gegner des Kirchengrundstücks durch, wären die 100 000 Euro für den Architektenwettbewerb inklusive 45 000 Euro Preisgelder der Siegerentwürfe in den Wind geschossen. „Die Entwürfe kann man dann nicht einfach auf das andere Grundstück setzen“, erklärt Stadlbauer. Mit einer anderen Fläche gäbe es einen neuen Architektenwettbewerb und dann wohl eine jahrelange Verzögerung. „Unser Bedarf hier ist doch unstrittig“, sagt 3. Bürgermeister Heinrich Kislinger. Er verweist auf die Zustände im Rathaus: Gäste des Bürgermeisters müssen durch das Einwohnermeldeamt gehen, das ganze Haus verfügt nur über einen Besprechungsraum mit zehn Sitzplätzen. „Wir würden auch gerne ausbilden“, sagt Kislinger, „aber wir haben keinen Platz dafür. Und über Barrierefreiheit braucht man auch nicht zu reden.“ Kislinger machte auch deutlich, dass alle Stadtplaner der Gemeinde bestätigten, dass ein Rathaus auf dem Kirchengrund mit einem zentralen Platz zwischen neuem Rathaus, Pfarrheim, Schule und altem Rathaus der bestmögliche Ansatz ist. Aktuell haben Bürgermeister Heinrich Stadlbauer und die Gemeinde Fahrenzhausen alles gestoppt, was mit dem Rathaus-Neubau zu tun hat. Die für die nächsten Wochen vorgesehenen Gespräche mit den Architekten der Siegerentwürfe liegen auf Eis.

Wie viele Bürger schon unterschrieben haben, ist unklar

Die drei Bürgermeister haben in diversen Geschäften die Unterschriftenlisten gesehen, wissen aber nichts über den aktuellen Stand. Bis Ende Oktober wartet man nun, ob die Initiatoren des Bürgerbegehrens die rund 380 benötigten Unterschriften zusammenbekommen.

Noch haben die Bürgermeister die Hoffnung, dass alles nur ein schlechter Scherz ist und irgendwann ein Rathaus gebaut wird, statt des logistischen Kraftakts eines Bürgerentscheids oder den verlorenen 100 000 Euro für den Architektenwettbewerb.

Auch interessant

Kommentare