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Die drei Kümmerer: Anton Hermann, Wolfgang Nagel und Florian Wildmoser (v. l.) r koordinieren die Vorbereitungsarbeiten für das Kirchenjubiläum in Weng.

St. Georg  in Weng feiert 550-Jähriges Kirchenjubiläum

Ein sagenumwobener Fluch, eine heilige Wand und die Kirche, die nicht im Dorf ist

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Die Kirche St. Georg in Weng feiert Jubiläum: Seit 550 Jahren gibt es das ehrwürdige Gotteshaus, um das sich so manche Sage rankt. Und dann ist da noch jene Anekdote, in der Papst Benedikt XVI. die Hauptrolle spielt. Joseph Ratzinger hatte Weng zur Jubiläumsfeier zum 525-Jährigen übers Wochenende besucht – und dem Ort damit viele Jahre später eine heilige Wand beschert.

Weng – Sie thront hoch über dem Ort auf der Georgshöhe: Die Kuratiekirche Weng. 1468 wurde sie vom Freisinger Fürstbischof Johann Tulbeck eingeweiht. In diesen 550 Jahren ist viel passiert in dem kleinen Ort, viele Sagen ranken sich um das Gemäuer des ehrwürdigen Gotteshauses.

Aktuell leben 480 Menschen in dem kleinen Ortsteil von Fahrenzhausen. In Relation zur Größe der Kirche wird klar: Sie wurde nicht für die wenigen Menschen erbaut. Einer Sage nach soll die Kirche vom Marschall Arnulf dem Nasenlosen von Massenhausen gestiftet worden sein. Der hatte seine Gemahlin Elisabeth von Greifenberg auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen, nachdem er den Verdacht hegte, seine Frau habe ihn mit einem Bediensteten betrogen. Auf dem brennenden Scheiterhaufen liegend soll die Frau ihre Hand zum Schwur gehoben und den Fluch ausgestoßen haben: „Nie mehr soll einem Massenhauser ein Sohn geboren werden.“ Diese Schwurhand soll nicht verbrannt sein. Die Kirche zu Weng also ein Sühnebau? Und wieso gerade an jenem Ort? Angeblich soll der Schimmel von Arnulf des Nasenlosen einen Kniefall in der Gegend gemacht haben, woraufhin der Marschall laut Sage das Gotteshaus erbauen ließ.

Auf dem Scheiterhaufen Fluch ausgestoßen

Weniger spektakulär kommen belegbare geschichtliche Fakten daher: Der heutige Bau der Kirche geht auf die Stiftung der Fraunberger, dem Nachfolgegeschlecht des Arnulf, zurück: Hans Fraunberger zu Haag auf Massenhausen und seiner Ehefrau Anna Marschalkin zu Pappenheim. Sie sind die Stifter der spätgotischen Kirche und des Benefiziums. Wichtiger Hinweis hierauf ist das bedeutende Hochgrab von 1472 im nördlichen Bereich des Langhauses. „Ursprünglich wurde die Kirche also nicht für unser Dorf gebaut, sondern für Adelsfamlien“, schlussfolgert auch Wengs Ortschronist Wolfgang Nagel im Gespräch mit dem FT, zu dem er und seine beiden Mitstreiter Anton Hermann, Mitglied der Kirchenverwaltung, und Pfarrgemeinderatmitglied Florian Wildmoser aus Weng mit vielen dicken Aktenordnern gekommen sind. In den Ordnern sammelt Nagel alte Bilder, Zeitungsausschnitte und alles, was ihm zur Geschichte des Orts zugetragen wird.

Die drei Herren haben die Fäden für die große Jubiläumsfeier zum 550. Bestehen der Kirche in der Hand. Und sie haben deshalb schon einige schlaflose Nächte hinter sich. Denn zu den Feierlichkeiten soll St. Georg freilich erstrahlen – was sich allerdings nur durch eine Renovierung bewerkstelligen ließ. „Es war von Beginn der Arbeiten an klar, dass es bis zum Jubiläum fertiggestellt werden muss“, sagt Wildmoser. Und das wäre beinahe schief gelaufen – wegen der anhaltenden Kälte konnte der Kirchenmaler lange nicht weiterarbeiten. „Die Mauer muss dafür mindestens eine Temperatur von zehn Grad plus haben, sonst kann man nichts machen“, erklärt er. Und als dann 2017 der mit der Sanierung betraute Bauingenieur Johann Ziegltrum plötzlich starb, man ohne Bauleiter dastand, schien die pünktliche Fertigstellung bis zum Jubiläum aussichtslos geworden zu sein. Doch das Ordinariat engagierte schnell einen Münchner Architekten, der sein Bestes gab, um die große Lücke, die Ziegltrums Tod auch hier hinterlassen hatte, zu schließen.

Kirche eigentlich nicht für die Wenger gedacht

Zusammen mit Architekt Andreas Hlawaczek konnten sich die Gläubigen im April bei einer Baustellenbesichtigung vom Baufortschritt der Sanierungsarbeiten überzeugen. Der letzte Gottesdienst wurde im Juli 2017 in der St. Georgs-Kirche gefeiert. „Die Leute freuen sich jetzt, wieder in ihre Kirche zurückzukehren“, sagt Anton Hermann. Auch wenn die Zeit mit Ersatzgottesdiensten in Großeisenbach und Großnöbach gut überbrückt werden konnte. „Das hat erstaunlich gut funktioniert“, beteuert auch Wildmoser.

Und wer bezahlt die Sanierung, die laut Kostenschätzungen bei rund einer halben Million liegen wird? 75 Prozent übernimmt das Ordinariat, fünf Prozent die Gemeinde und 20 Prozent muss die Kuratie Weng als Eigentümer selbst auf den Tisch legen. „Unterm Strich werden wir rund 100 000 Euro über Spenden selbst aufbringen müssen“, erzählt Wildmoser.

Doch dass die Kirche also ursprünglich nicht für die Bürger gedacht war, das nehmen die Gläubigen heute nicht persönlich, sie engagieren sich für das Gotteshaus, das sie seit vielen Generationen als das ihre ansehen.

Die Größe der Kirche, vor allem der überdimensionale Chorraum, deutet darauf hin, dass an dieser Stelle ein Kloster oder ein Chorherrenstift errichtet werden sollte. Woran die Klostergründung jedoch scheiterte, ist nicht überliefert. Aber es wird angenommen, dass die Chorherren nicht aus der Stadt Freising in die Abgeschiedenheit der Gegend um Weng ziehen wollten.

Joseph Ratzinger war ein beliebter Gast in Weng

Einer, der sich im Jahr 1993 sehr wohl fühlte in Weng, war Kardinal Joseph Ratzinger, später Papst Benedikt XVI. „Er war ein Freund von unserem damaligen Pfarrer Josef Weber, die beiden waren Studienkollegen“, erinnert sich Hermann. Kardinal Ratzinger blieb damals übers ganze Festwochenende, übernachtete im Gästezimmer des Pfarrhauses, ist im Pfarrgarten gesessen und hat Kaffee getrunken – und er hat Spuren hinterlassen. Gegessen hat er damals im Schützenheim. Als er später zum Papst geweiht wurde, haben die Wenger dort eine Benediktenwand eingerichtet: „Unsere Heilige Wand“, erzählen die drei Wenger mit einem Augenzwinkern. Für die Wenger hatte es, so erinnern sie sich, nochmal eine ganz andere Bedeutung, dass „ihr“ Kardinal Papst geworden ist. „Wir haben uns schon mehr mit ihm verbunden gefühlt als andere, die ihn nicht so nah erlebt haben.“ Denn der Besuch zum 525-jährigen Kirchenjubiläum war nicht der einzige. Weil Josef Weber und er so gut befreundet waren, schaute er öfter mal im kleinen Weng vorbei. „Meine Frau hat ihm damals im Schützenheim öfter das Essen serviert – die kommt bestimmt mal in den Himmel“, erzählt Wolfgang Nagel und lacht.

550 Jahre St. Georg Weng

Die Innenrenovierungsarbeiten könne im Festjahr abgeschlossen werden. Am Sonntag, 29. Juli, findet in der Kirche ein Benefizkonzert statt. Am Sonntag, 9. September, ist Tag des offenen Denkmals mit Kirchenführungen. Großer feierlicher Festakt ist am Sonntag, 1. Oktober, mit einem Festgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx und anschließendem Stehempfang am Feuerwehr- und Vereinsheim Weng.

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