Andreas Henze und die BEG widmen sich jetzt vor allem dem Thema Bürger-PV-Anlagen.

Interview mit BEG-Vorstand Andreas Henze

„Es geht viel zu langsam voran“

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Das Bürgerwindrad in Kammerberg hat 2017 ein Rekordergebnis eingefahren. Die Bürger Energie Genossenschaft (BEG) zieht insgesamt eine sehr positive Jahresbilanz. Einer der drei Vorstände, Andreas Henze, kritisiert jedoch, dass es in Sachen Energiewende viel zu langsam vorangeht.

-Hat sich der Gegenwind um das Bürgerwindrad zwischenzeitlich gelegt?

Mir gegenüber ist seit eineinhalb Jahren nichts mehr gesagt worden. Das heißt aber nicht, dass es die BI nicht mehr gibt – die gibt es nämlich noch. In der Region hat sich der Ärger aber gelegt.

-Ist ein zweites Bürger-Windrad im Gespräch oder gar schon in der konkreten Planung?

Im Moment ist nichts geplant, weil der bayerische Sonderweg neue Windräder derzeit nahezu unmöglich macht. Zum einen durch die 10-H-Regelung. Aber auch und vor allem deshalb, weil die Vergütungssätze im Süden nur geringfügig höher sind als im Norden. diese reichen aber bei Weitem nicht aus, um den Mehraufwand, den man im Süden auszugleichen hat, um überhaupt ein Windrad aufstellen zu können, kompensieren zu können. Im Süden braucht man einen höheren Turm und ein größeres Windrad. Dieser größere finanzielle Aufwand steht nicht in Relation zu den kaum höheren Vergütungssätzen als im Norden, wo man auch mit geringfügig niedrigeren Türmen gute Ergebnisse einfährt.

-Und wie sieht es mit den PV-Anlagen aus? Denen will sich die BEG heuer besonders widmen?

Vier Photovoltaikanlagen gibt es ja bereits. Zwei größere in Eching, eine in Hallbergmoos, eine in Wolfersdorf, auf dem privaten Dach eines Bürgers, das er uns zur Verfügung gestellt hat. Wir suchen aber weiterhin nach öffentlichen Dächern. Dabei macht es keinen Sinn, bestehende PV-Anlagen auf die BEG umzuschreiben. Wir wollen neue dazubauen. Erst vor kurzem konnten wir zwei neue Verträge unterzeichnen. Viele kommunale Dächer werden aber auch schon genutzt, so dass es nicht mehr so viele große, freie, ungenutzte Dächer gibt. Aber wir sind weiter dran.

-Ist Bürgerstrom für jeden erschwinglich?

Zum Teil ist Bürgerstrom günstiger als Strom, den andere Stromanbieter anbieten. Aber unser Ziel ist auch nicht der günstigste Preis, sondern der ökologische Grundgedanke.

-Wie viele Mitglieder zählt die BEG derzeit?

Knapp 600.

-Wie viele davon sind private Haushalte?

Um die 500.

-Welche Vorteile haben Mitglieder?

Zum einen werden sie, sobald die Genossenschaft irgendwann eine Dividende ausschüttet, daran beteiligt. Das haben wir bislang nicht und werden das wohl auch nicht so bald. Man hat zudem die Möglichkeit, sich vergünstigt an Projekten zu beteiligen, wie an einer PV-Anlage und dem Bürgerwindrad. Und, der unmittelbare Vorteil, Mitglieder bekommen einen vergünstigten Bürgerstrompreis. Der liegt aktuell bei 27,3 Cent, für Mitglieder bei 26,8 Cent.

-Wie nah ist man dem Ziel der Vollversorgung mit Erneuerbarer Energie im Freisinger Land zwischenzeitlich gekommen?

Rein im Strombereich liegen wir aktuell bei 70,6 Prozent. Da fehlt aber noch komplett der Wärme- und der Verkehrsbereich. Wenn wir diese beiden Bereich noch draufrechnen, würde sich der Stromverbrauch in etwa verdoppeln. So gesehen liegen wir bei 35 Prozent. Und der Zubau im Landkreis hat in den vergangenen vier Jahren kaum noch zugenommen. Dies ist im Bereich von Solarenergie und Bioenergie hauptsächlich auf falsche Weichenstellung im Erneuerbaren Energien Gesetz zurückzuführen und im Bereich der Windenergie auf den bundespolitischen Sonderweg Bayern mit 10 H. Diese 10 H-Gesetzgebung hat den beginnenden und energiewirtschaftlich enorm wichtigen Aufbau von Windkraftanlagen in Bayern nahezu gestoppt. Wurden 2013 noch 400 Genehmigungsanträge in Bayern gestellt, so waren es 2017 noch ganze vier Anträge. Damit ist eine bayrische Energiewende nicht möglich.

-Das heißt, sie sind zufrieden, was die Erfolge der BEG angeht, aber unzufrieden in Sachen Energiewende?

Im Rahmen dessen, was die BEG erreicht hat, bin ich sehr sehr zufrieden. Im Gesamten, was die Energiewende angeht, geht es mir und allen, die die massiven Gefahren des Klimawandels ernst nehmen, viel zu langsam voran. Allein letztes Jahr wurden Schäden durch Umweltkatastrophen – in der Hauptsache durch Stürme, die auf die Erwärmung der Meere zurückzuführen sind – in Höhe von über 330 Milliarden US-Dollar hervorgerufen. Ebenso waren laut der Münchner Rück durch Überschwemmungen über 2700 Tote in Südasien letztes Jahr zu beklagen.

-Was kann bzw. muss der Landkreis Freising tun, um das Ziel, die Energiewende bis 2035 vollzogen zu haben, zu erreichen?

Der Landkreis kann in allen drei Energiebereichen Strom, Wärme und Verkehr intensiv an der Abkehr vom fossilen Energiesystem und auch an der Energieeinsparung arbeiten. Dazu erarbeitet das Landratsamt gerade einem Umsetzungsplan

Positive Bilanz der BEG

Das Bürger-Windrad konnte letztes Jahr 7,7 Millionen kWh erzeugen. Dies sind rund 1,5 Mio. kWh Mehrertrag – oder rund 24 Prozent mehr als in den Gutachten mit 6,2 Millionen kWh angenommen wurden. Dieser Wert ist für Binnenwindkraftanlagen herausragend und beruht auf der optimalen Anlagenkonzeption für den Standort, sowie einem über dem Mittelwert liegenden Windangebot 2017. Die erzeugte Strommenge reicht aus, um über der Hälfte des Stromverbrauchs von 14,1 Mio. kWh (2016) in der Gemeinde Fahrenzhausen bereitzustellen. Das Bürger-Windrad zeigt, dass die Windkraft auch in Bayern und im Landkreis Freising insbesondere an guten Standorten eine wichtige Säule der Energiewende sein kann. Sie kann sehr viel Energie bei nur minimalem Platzbedarf erzeugen. Die aktuelle Stromerzeugung des Bürger-Windrads ist jederzeit unter www.beg-fs.de online zu sehen. Der Bürgerstrom ist im gesamten Landkreis aber auch im anliegenden Netzgebiet der Bayernwerke erhältlich. Der zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien stammende Bürger-Strom enthält zehn Prozent Windstrom direkt aus dem Bürger-Windrad in Kammerberg. Die restlichen 90 Prozent stammen aus einem bayerischen Wasserkraftwerk. „Damit ist unser Bürger-Strom in Deutschland eines der ganz wenigen direkten, regionalen Ökostromangebote“, betonen die BEG-Vorstände Andreas Henze, Werner Hillebrand-Hansen und Martin Hillebrand. Als nächste Projekte möchte die BEG weitere Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Dächern errichten. Ausführlichere Informationen zur BEG und weiterführenden Links finden Sie auf www.beg-fs.de.


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