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Schaut positiv nach vorn: Antonia braucht für sich und ihre beiden Kinder dringend ein neues Zuhause. Ihre Suche läuft bisher ernüchternd, doch den Mut lässt sie sich nicht nehmen.

Unverschuldete Notlage

Keine Chance bei Vermietern: Alleinerziehende Mama sucht dringend neues Zuhause

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Unverschuldet ist Antonia J. in Not geraten: Sie benötigt dringend eine neue Wohnung, aber alle Vermieter schlagen ihr bisher die Türe zu - weil sie alleinerziehende Mutter ist.

Fahrenzhausen – Antonia J. ist ein positiv denkender Mensch. „Es gibt kaum einen Morgen, an dem ich nicht mit guter Laune aufwache“, sagt sie. Hinter ihr an der Küchenwand hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Yippie yippie yeah.“ Neben ihr sitzen ihre beiden aufgeweckten Kinder, der siebenjährige Bub und das vierjährige Mädchen, und spielen mit Sammelkarten. 

„Viele wundern sich, dass ich mich nicht verkrieche, nicht traurig im Haus sitze und dabei nichts auf die Reihe bekomme“, sagt sie. „Denn das würde dem Klischee entsprechen, mit dem alleinerziehende Mütter zu kämpfen haben.“ Die traurige Wahrheit ist: Im Augenblick muss Antonia befürchten, dass sie demnächst gar kein Haus mehr hat, in dem sie Trübsal blasen könnte.

Alleinerziehende Mutter: Der Vermieter kündigt ihr plötzlich

Die Misere beginnt im April 2017. Damals trennt sich Antonia von ihrem Mann. Er zieht aus, sie bleibt mit den Kindern in der Familienwohnung in Fahrenzhausen. Ohne finanzielle Unterstützung vom Ex-Partner stemmt sie fortan allein die hohe Miete. Jeden einzelnen Cent. „Ich habe alles daran gesetzt, dass wir unser Zuhause behalten können – viel Arbeit, viel Energie, viel Geld“, berichtet sie. „Aber das war mir unser Heim wert – gerade auch für die Kinder.“ Und trotzdem hat ihr nun der Vermieter gekündigt. Spätestens im Februar 2020 muss sie ausziehen.

Die 36-Jährige ist zunächst geschockt. Dann krempelt sie die Ärmel hoch.„Ich weiß natürlich, dass der Wohnungsmarkt hart umkämpft ist.“ Trotzdem macht sie sich mit Optimismus auf die Suche. „Ich kann ja alles aufbieten für eine eigene Wohnung“, sagt sie. Sie sei zwar nicht reich. Aber dank ihrer Vollzeitstelle als Finance Managerin in Garching habe sie die Mittel, um für die Miete aufzukommen. Doch schnell muss sie feststellen, wie fest das Klischee der alleinerziehenden Mutter in der Gesellschaft verankert ist.

Die Maklerin fragt die Kinder: „Ihr seid wohl ohne Papa da?“

Bei einem Sammeltermin mit vier anderen Familien steht die Maklerin an der Tür, hakt auf ihrer Liste die Namen der Anwesenden ab. Als Antonia die Wohnung betritt, wendet sich die Dame sofort an die Kinder. „Ihr seid wohl ohne Papa da?“, fragt sie nach und notiert sich etwas. Antonia sieht, was die Maklerin mit Ausrufezeichen neben ihren Namen geschrieben hat: „Alleinerziehend!“ Ein Stigma.

„Die Wohnung hätte mir sehr gut gefallen“, sagt Antonia. „Aber als ich am nächsten Tag bei der Frau angerufen habe, um ihr zu sagen, dass ich noch Unterlagen nachreichen könnte, hat sie mir gleich abgesagt.“

Bewerbung: „Bitte nicht erschrecken - ich bin alleinerziehend“

Die Fahrenzhausenerin beobachtet den Mietmarkt ununterbrochen, hat Suchmasken in allen relevanten Internetforen ausgefüllt. Immer wieder versucht sie es, arbeitet mit unterschiedlichen Texten. „Zuletzt habe ich es mal auf die witzige Weise probiert – nach dem Motto: Hallo, ich bin alleinerziehend mit zwei Kindern – bitte nicht gleich erschrecken! Ich kann alles aufbieten.“

Antworten bekommt Antonia kaum, nur hin und wieder unangenehme Fragen. Wer denn bitte Reparaturen im Haus vornimmt, wenn etwas kaputt geht – wo doch kein Mann im Haus ist. Oder wer denn die Kinder betreut, wenn sie den ganzen Tag in der Arbeit ist. Mögen solche Sätze noch so sehr in die Privatsphäre eindringen – die 36-Jährige beantwortet sie ruhig.

Neues Zuhause: Hilfreich wäre eine Wohnung bei Fahrenzhausen

 „Ich habe einen ganz tollen Arbeitgeber, der mich so arbeiten lässt, dass ich Job und Kinder unter einen Hut bringe.“ Vormittags fährt sie ins Büro. Nachmittags holt sie ihre Kinder aus Schule und Kita und verbringt Zeit mit ihnen. Die Zeit, an der Antonia am meisten lacht. Abends, wenn die Kinder schlafen, legt sie im Home Office die zweite Arbeitsschicht ein.

Um ihren Job behalten zu können, hofft Antonia darauf, eine Wohnung in der Nähe zu finden, am liebsten in Fahrenzhausen. „Für meine Kinder ist mir Stabilität sehr wichtig“, sagt sie. „Es wäre schön, wenn sie weiterhin die selbe Schule, den selben Kindergarten besuchen könnten.“ Viele Ansprüche an das neue Familiennest stellt sie nicht. Eine Vier-Zimmer-Wohnung müsste es sein, damit sie Sohn und Tochter ein eigenes Zimmer bieten kann. „Ansonsten bin ich komplett flexibel.“

Alleinerziehende hofft auf Vermieter, der ihr eine Chance gibt

Die Uhr tickt. „Der Winter kommt so schnell. Natürlich bekomme ich Angst bei dem Gedanken, was nächstes Jahr sein wird“, räumt Antonia ein. Und trotzdem verliert sie ihren Mut nicht. Wie schafft sie das? „Ich habe den größten Anspruch an mich selbst, es gut hinzubekommen“, sagt sie. „Und ich will die Hoffnung einfach nicht aufgeben, dass es irgendwo hier im Umkreis einen Vermieter gibt, der einer Vollzeit arbeitenden Mama mit zwei Kindern eine Chance gibt.“

Vermieter gesucht!

Wer Antonia J. und ihren Kindern weiterhelfen kann, wird gebeten, sich ans FT zu wenden – per E-Mail an manuel.eser@freisinger-tagblatt.de oder unter Tel. (0 81 61) 1 86 24.

Ein Immobilienproblem hat auch Fahrenzhausens Bürgermeister Heinrich Stadlbauer: Der Rathaus-Neubau musste gestoppt werden. Ein Bauprojekt, das schon lange erledigt sein sollte, ist das neue Kino in Freising. Doch die Bürger müssen wohl weiter warten auf die Lichtspiele. 

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