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Wahrlich kein Weg den Eltern mit Kindern als Abkürzung zum Kindergarten nutzen sollten.

Bürgermeister zeigt sich schockiert

Schlimmer Vorfall, weil Vollsperrung ignoriert wurde - Opfer ein Gemeinde-Mitarbeiter und „total durch den Wind“

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Die Vollsperrung der Bundesstraße 13 in Fahrenzhausen wird von zahlreichen Autofahrern und Fußgängern einfach ignoriert. Jetzt kam es zu einem schlimmen Zwischenfall. Ein Bauhofmitarbeiter wurde von einem Verkehrsteilnehmer auf Abwegen umgefahren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Bürgermeister ist schockiert.

Fahrenzhausen – „Die Eigenverantwortung der Eltern ist überschaubar.“ Fahrenzhausens Bürgermeister Heinrich Stadlbauer wählt seine Worte mit Bedacht. Man spürt, er ist wütend. Was in seiner Gemeinde seit der B 13-Vollsperrung los ist, macht es auch schwer, gelassen zu bleiben. Rücksichtslose Autofahrer, uneinsichtige Eltern, Unvernunft und Egoismus: Der Rathauschef bekommt gerade die weniger schönen Seiten seines Berufs zu spüren. Und das wegen einer Baustelle, für die nicht mal die Gemeinde, sondern der Bund, sprich das Staatliche Bauamt, zuständig ist.

Aufgrund umfassender Sanierungsarbeiten ist die Bundesstraße 13 in der Gemeinde Fahrenzhausen aktuell für mehrere Monate komplett gesperrt (wir haben berichtet). Die Baustelle liegt seit Montag auch direkt vor der Haustür des Kindergartens Bergfeld. Beim Elternabend Anfang der Woche hat der Rathauschef den betroffenen Eltern erläutert, dass sie nun für einige Zeit am gegenüberliegenden Parkplatz das Auto abstellen und die B 13-Baustelle zum Kindergarten zu Fuß queren müssen. Fakt ist: Auf dem direkten Weg zwischen Parkplatz und Kindergarten werden gerade Randsteine gesetzt und einbetoniert. Über den Gehweg der Römerstraße sind es exakt 95 Meter Umweg, den die Eltern mit den Kindergartenkindern laufen müssen. Oder besser gesagt müssten. Denn einige Mütter und Väter, nahmen bisher, wenn sie die Kleinen morgens zur Einrichtung brachten, den kürzesten Weg mitten durch die Bauarbeiten. Und weil der über Pflastersteine hinweg, quer über die abgefräste Straße natürlich einem Hindernislauf gleicht, hagelt es beim Bürgermeister Beschwerdemails. „Wieso wir nicht für einen ordentlichen Übergang sorgen, wollen sie wissen. Oder wieso sie mit ihren Kindern über frischgesetzte Randsteine laufen müssen.“ Stadlbauer wirkt verzweifelt: „Die Baustelle wandert ja mit zunehmendem Baufortschritt. Die Arbeiter müssten die Barken ständig verschieben.“ Das sei wohl der Grund, wieso das Staatliche Bauamt bislang auf diese hermetische Abriegelung der Baustelle verzichtet habe, vermutet Stadlbauer. „Egal, wo und wie abgesperrt ist, werden diese Sperren sogar teilweise einfach von Verkehrsteilnehmern entfernt bzw. verschoben.“ Aufgrund der Vorkommnisse habe er das nun aber bei der zuständigen Behörde angeregt, damit die Eltern mit den kleinen Kindern künftig nicht mehr über frischgesetzte Randsteine balancieren.

Der Drang, die Baustelle möglichst zeit- und streckensparend zu umfahren, treibt in Fahrenzhausen aber auch bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern seltsame Blüten. „Zum Teil kürzen die Autofahrer über eine private Tiefgarage oder über einen gesperrten Feldweg ab“, erzählt der Bürgermeister kopfschüttelnd.

Der Gipfel des Ganzen wurde am Dienstag erreicht: ein Vorfall, der Stadlbauer sehr nachdenklich stimmt. Ein Bauhofmitarbeiter war an einem Spielplatz im Baustellenbereich mit Mäharbeiten beschäftigt, als sich ein Fahrzeug auf der total gesperrten Straße näherte. Der Mann wollte den Autofahrer auf Abwegen zur Rede stellen, ihm sagen, dass die Straße gesperrt sei. Der Fahrer zeigte aber keinen Funken Einsicht, ganz im Gegenteil. Weil er es offenbar ziemlich eilig hatte und der Bauhofmitarbeiter ihm im Weg stand, fuhr er ihn einfach um. Körperlich sei er laut Polizei nicht schwerwiegend verletzt worden. „Aber der Schock sitzt bei ihm tief“, beteuert Heinrich Stadlbauer. Sein Mitarbeiter sei voraussichtlich eineinhalb Wochen krankgeschrieben. „Er ist total durch den Wind.“

Die Polizei hat nun wegen dieses Vorfalls und auch wegen der uneinsichtigen Verkehrsteilnehmer rund um die Baustelle verstärkt Präsenz angekündigt. „Wir werden da draußen wann immer es geht kontrollieren und die Leute zur Verantwortung ziehen“, sagt ein Sprecher der PI Neufahrn.

„Die Straße ist ja nicht zum Spaß gesperrt, hier wird gearbeitet“, erklärt Stadlbauer. Und er richtet nach dem Vorfall einen Appell an die Vernunft der Bürger. „Nehmen Sie Rücksicht aufeinander!“

Bürgerinfo

Im Auftrag des Staatlichen Bauamts gab Bürgermeister Stadlbauer gestern folgende Info an die Eltern der Kindergarten-Kinder heraus: „Aufgrund der Pflasterarbeiten der Gehwege und der Querungshilfe ist es bis auf weiteres nicht möglich, wie gewohnt direkt vom Penny die Baustelle zum Kindergarten fußläufig zu überqueren. Bitte benutzen Sie den Gehweg an der Römerstraße.“

Auch bei diesem Brand blieb die Menschlichkeit auf der Strecke.

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