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Das neue Rathaus (1) soll auf einem Grundstück der Pfarrei, in unmittelbarer Nähe zum Pfarrheim (2) und dem aktuellen Rathaus (3), entstehen. Mit dieser Variante könnte auch ein Ortszentrum (4) realisiert werden. Doch einige Bürger setzen sich nun dafür ein, dass das Rathaus auf dem gemeindeeigenen Grundstück (5) realisiert wird. 

Unterschriften-Aktion

Protest gegen den neuen Rathaus-Standort in Fahrenzhausen

Der Standort des neuen Rathauses in Fahrenzhausen gefällt einigen Bürgern nicht. Nun haben sie eine Unterschriftenaktion gestartet - obwohl der Architektenwettbewerb bereits abgeschlossen ist.

Fahrenzhausen– Eigentlich war schon alles klar: Die Gemeinde Fahrenzhausen hatte den Standort für das Rathaus festgelegt, einen Architektenwettbewerb gestartet und einen ersten Sieger ermittelt. Doch nun möchte eine Gruppe von Bürgern den Bau des Rathauses auf einem Kirchengrundstück verhindern und erreichen, dass die Gemeinde auf eigenem Grund baut. Aktuell werden dafür Unterschriften gesammelt.

Der ehemalige Bürgermeister Rudi Jengkofer hat in seiner Amtszeit ganz bewusst zentrale Grundstücke gekauft, um dort den seit vielen Jahren unstrittigen Neubau eines Rathauses zu realisieren. Zwischen dem aktuellen Rathaus und dem gemeindlichen Grundstück liegt nur eine Fläche der Kirche, die derzeit mit einem Kiesparkplatz nicht sonderlich ansehnlich genutzt wird.

Ortsmitte soll realisiert werden

Bei dem 11:5-Mehrheitsbeschluss des Gemeinderates für die Pachtvariante sah der Gemeinderat einst den Vorteil, zwischen altem Rathaus, Schule/Mehrzweckhalle, Pfarrheim und neuem Rathaus einen Platz realisieren zu können, der Fahrenzhausen ein echtes Zentrum gibt. „Alle Fachleute und Architekten haben uns bestätigt, dass das der richtige Weg ist“, sagt Bürgermeister Heinrich Stadlbauer im FT-Gespräch. Mit einem Rathaus weiter südlich und einem auf absehbare Zeit nicht genutzten Kirchengrundstück könnte ein solcher Platz für eine Ortsmitte nicht realisiert werden.

Stadlbauer betont, dass die Gemeinde nun eine einmalige Chance habe, so ein Zentrum zu realisieren. Er verweist auch darauf, dass das gemeindliche Grundstück nicht verloren sei und dort ja schon der Beschluss bestehe, soziales Wohnen zu realisieren. Den Pachtzahlungen an die Pfarreistiftung stünden langfristig Mieteinnahmen gegenüber. Und Bürgermeister Heinrich Stadlbauer betont, „dass unsere Zahlungen nicht an den Papst nach Rom gehen, sondern an die Stiftung der Pfarrei in Fahrenzhausen“. Diese Stiftung dürfe das eigene Grundstücknicht an die politische Gemeinde verkaufen, kann aber mit den Einnahmen sozial schwache Gemeindebürger in vielen Formen unterstützen. Zuletzt sagt er auch, dass selbst mit dem Rathaus auf Gemeindegrund das Erbpachtgeschäft ein Thema geworden wäre: „Ob wir das Rathaus auf Erbpacht bauen und die Sozialwohnungen auf unseren Flächen oder umgekehrt, das ist doch gehüpft wie gesprungen.“

Höhe der Erbpacht darf nicht genannt werden

Ein Hauptkritikpunkt der Initiatoren des Bürgerbegehrens um den Sprecher Michael Müller ist, dass die Gemeinde für 75 Jahre Pacht bezahlt, die Höhe öffentlich nicht bekannt ist und ebenso fraglich ist, wie es nach dem Vertragsende weitergehe. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens stellen die Frage, ob danach weiter Pacht gezahlt werde, eine Entschädigung festgelegt werde oder gar ein Rückbau des Rathauses drohen könne. Hier entgegnet Stadlbauer, dass die Verträge der Gemeinde mit der Pfarrstiftung nichtöffentlich seien und er den Pachtbetrag schon aus rechtlichen Gründen gar nicht nennen darf. Den Bürgern könne er nur sagen, dass die Pacht von einem neutralen Gutachter mit der Bewertung der Fläche erfolgt sei.

„Ich verstehe das Bürgerbegehren nicht so ganz“, sagt der Bürgermeister, „denn man kann den Rathausbau eigentlich nur verzögern.“

Wettbewerb der Architekten hinfällig?

Jedes Jahr steigen die Baukosten um drei bis vier Prozent. Die Gemeinde kann in der jetzigen Phase nach dem abgeschlossenen Architektenwettbewerb aber noch viel mehr Geld verlieren, weil alle Ergebnisse des Wettbewerbs wohl hinfällig wären, wenn auf einem anderen Grundstück gebaut werden muss.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens sind indes überzeugt, dass sich das gemeindeeigene Grundstück viel besser für den Rathaus-Neubau eigne – unter anderem falle keine Erbpacht an, zudem entfalle der Verwaltungsaufwand, wie es in einem Schreiben ans FT heißt. Deshalb werden nun Unterschriften gesammelt.

Benötigt werden rund 380 Unterschriften

Rund 380 Unterschriften sind notwendig, damit sich der Gemeinderat mit dem Bürgerbegehren befassen und die Verwaltung die Fragestellung prüfen muss. Wenn der Rat dann seine bisherigen Entscheidungen bestätigen sollte, käme es zu einem Bürgerentscheid. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens kündigen an, am 1. September den Antrag an den Gemeinderat zu stellen, dass bis zum Ende der Unterschriftensammlung am 31. Oktober keine weiteren Verhandlungen mit dem Siegerarchitekten des Wettbewerbs erfolgen sollen.

Gut zu wissen

Folgende Privatpersonen haben die Unterschriften-Aktion initiiert: Michael Müller, Christian Pallauf, Alexander Reich, Petra Winklhofer, Ursula Schwarz und Wolfgang Müller. 

An folgenden Orten in Fahrenzhausen liegen die Unterschriftenlisten in den kommenden Wochen aus: 

Poststelle/Blumenladen in Fahrenzhausen (Hauptstraße) 

Spielwarengeschäft Schmid in Fahrenzhausen (Dorfstraße) 

Bäckerei Hermann in Unterbruck (Ampertal 7) 

Bäckerei Hermann in Fahrenzhausen (Zweigstraße) 

Reiter Landtechnik in Unterbruck (Mühlhof 1) 

Pizzeria La Terrazza (Sportheim) in Unterbruck 

Arztpraxis Dr. Kraft in Fahrenzhausen (Dorfstraße).

Nico Bauer


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