Das umstrittene Windrad
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Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Abstimmung spielte das 2015 in Betrieb genommene Windrad.

Windrad weiterhin ein Thema

Wunden sind noch nicht verheilt: Knappe Abstimmung zum BEG-Beitritt in Fahrenzhausen

  • VonNico Bauer
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10:6 - knapp votierten die Fahrenzhausener Räte für den Beitritt zur Bürgerenergiegenossenschaft. Der Rathauschef hatte auf eine deutlichere Mehrheit gehofft.

Fahrenzhausen - Seit Wochen ist die Bürgerenergiegenossenschaft Freising (BEG) im ganzen Landkreis unterwegs, um sich Gemeinderäten vorzustellen und den Kommunen Ladesäulen für Elektrofahrzeuge anzubieten. Die Offensive kommt gut an, nur in Fahrenzhausen ist sie mit einer Form der Vergangenheitsbewältigung verbunden. Hier baute die BEG 2015 ein Windrad – und beim 10:6-Entscheid des Gemeinderates für den Beitritt zum Energienetzwerk zeigte sich, dass die Wunden der Vergangenheit noch nicht verheilt sind.

Mehrheit war gegen das Windrad

2015 wurde das Windrad gebaut und Bürger konnten sich an dem Projekt mit Anteilen beteiligen. Das Interesse an der Stromgewinnung durch Wind war groß, aber die Kehrseite der Medaille waren Proteste und die Gründung der Bürgerinitiative „Gegenwind“. Die Mehrzahl der Fahrenzhausener war gegen das Windrad, konnte es aber nicht verhindern. Heute wirbt die BEG damit, mit dem 3000 KW-Windrad unter anderem Strom zu gewinnen, der an den Ladesäulen in Elektroautos fließt.

Der Gemeinderat Fahrenzhausen hat sich wie in fast allen Kommunen des Landkreises bereits entschieden, mit der BEG eine Ladesäule zu errichten. Lediglich den besten Standort muss man noch diskutieren. Nun stand die Frage im Raum, ob die Gemeinde der Genossenschaft beitreten solle, um damit auch beim Bau der Ladesäule finanzielle Vorteile zu haben. Bürgermeister Heinrich Stadlbauer schlug das vor.

Kritischer „Vize“: Karl befürchtet negative Folgen

Die Gegenseite? Das war sein Stellvertreter Andreas Karl, der den Beitritt ablehnt. Er verwies auf die Mehrheit gegen das Windrad: „Da sind Wunden entstanden, die noch heute nachwirken.“ Karl befürchtet, dass diese Emotionen sich wieder verstärken, wenn die Gemeinde nun offiziell in das Boot des Windrad-Erbauers steigt.

„Nicht alle Befürchtungen sind eingetroffen“, hielt Bürgermeister Stadlbauer dagegen. Er machte auch deutlich, dass das Windrad effizient Strom gewinne und sich nicht alle Befürchtungen der Gegner bewahrheitet haben. Die Bürgerinitiative hatte unter anderem die BEG-Gutachten für das zu erwartende Windaufkommen bezweifelt. Heute sprechen die Zahlen der BEG für sich, weil man 100 Prozent Ökostrom nutzt und etwa 20 Prozent davon lokal selbst erzeugt – mit dem Lauterbacher Windrad und verschiedenen Solaranlagen. Die restlichen 80 Prozent werden von einem Wasserkraftwerk nahe Ingolstadt bezogen.

Die erste Ladesäule gibt‘s für BEG-Mitglieder gratis

Nun in der Diskussion um den BEG-Beitritt stellte der Bürgermeister einen anderen Punkt hervor: „Jetzt geht es um ein Zeichen, die Energiewende voranzubringen.“ Dieses Ziel wiederum würden alle Gemeinderäte verfolgen. Neben dem politischen Signal, die deutschlandweiten Anstrengungen für eine bessere Energiebilanz zu unterstützen, ging es auch ums Geld. Die erste Ladesäule der BEG ist für Mitglieder kostenlos. Dafür muss die Gemeinde mindestens einen Geschäftsanteil über 250 Euro kaufen und den zehn Jahre halten. Dieser Weg bekam mit 10:6 Stimmen im Gemeinderat dann eine eher knappe Mehrheit.

Nun sind die Grundsatzentscheidungen gefallen und der Gemeinderat muss sich mit dem Standort befassen. Im Gespräch ist das Rathaus, wobei dort zwei Parkplätze wegfallen, die dann nur noch von Elektrofahrzeugen genutzt werden dürften. In den kommenden Wochen wird man sich noch verschiedene Optionen für die Entscheidung durch den Kopf gehen lassen.

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