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Faschingsball in Coronazeiten: Warum Fahrenzhausen nicht abgesagt hat

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Von: Andrea Beschorner

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Coronavirus - Großzügigere Regeln für Partys
Ein reiner Tanzball, ohne Proklamation und ohne Show, war der Auf-geht‘s-Ball in Fahrenzhausen heuer ausnahmsweise. © Felix Kästle

Die Coronazahlen explodieren. Der Faschingsverein Kammerberg-Fahrenzhausen hat nun dennoch die närrische Zeit eingeläutet. Der Präsident erklärt die Gründe.

Fahrenzhausen/Kammerberg - Im Gespräch mit dem Präsidenten des Faschingsvereins Kammerberg-Fahrenzhausen, Thomas Radlmayr, wird deutlich, dass sich die Verantwortlichen die Entscheidung, den Ball durchzuführen, nicht leicht gemacht haben. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen blieb am Ende „ein komisches Gefühl“, wie der 29-Jährige im Interview erklärt.

Freisinger Tagblatt: Herr Radlmayr, wieso haben Sie und Ihr Verein am Auf-geht’s-Ball am Freitag festgehalten?

Thomas Radlmayr: Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber wir wollen die Freunde des Vereins nicht verlieren. Es zeigen seit Beginn der Pandemie ohnehin schon immer weniger Menschen Interesse an einer aktiven Mitarbeit. Wenn wir nun auch diese Saison komplett ausfallen lassen, sind bald keine Aktiven mehr übrig. Und die dann nach der Pandemie wieder zusammenzukriegen, um etwas Großes auf die Füße stellen zu können, ist schwierig bis unmöglich. Auch wenn es in der aktuellen Lage vielleicht widersprüchlich klingt: Wir machen das aus Verantwortungsbewusstsein?

Verantwortungsbewusstsein wem gegenüber?

Präsident Thomas Radlmayr: „Gerade kann man nichts wirklich richtig machen.“
Präsident Thomas Radlmayr: „Gerade kann man nichts wirklich richtig machen.“ © Nico Bauer

Auch den Kindern, Jugendlichen und den Aktiven gegenüber. Unsere Vereinsgarden trainieren netto sieben Monate im Jahr regelmäßig und diszipliniert für die Faschingssaison. Das ist ihr wichtiger Ausgleich zur Schule und Arbeit, das ist ein wichtiger Teil ihrer Freizeit. Wir bieten den Kindern und Jugendlichen – und natürlich auch allen in der großen Garde – ein Tanz- und Sportprogramm in ihrer Freizeit. Wir sind kein Verein, der nur den Fasching und das Feiern im Kopf hat. Da steckt viel mehr dahinter. Und wenn die Trainerinnen und die Aktiven die Lust verlieren, weil es keinen Fasching mehr gibt, dann können wir auch das Training für die Kinder und Jugendlichen vergessen.

Beim Ball war dann doch Vieles anders als sonst. Was haben Sie alles in die Wege geleitet, damit die Gäste möglichst sicher feiern können?

Vereinsintern sind nicht nur alle geimpft, sondern wir haben auch jedem Schnelltests zur Verfügung gestellt. Und der Appell an alle Gäste – die alle geimpft oder genesen waren – war ebenfalls: keinesfalls mit Symptomen zum Ball kommen und sich nach Möglichkeit auch davor testen lassen.

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Und es war ein reiner Tanzball. Wieso?

Auch damit haben wir zum einen auf die aktuelle Situation reagiert. Es hätte einfach nicht gepasst, in dieser Lage unsere Show zu zeigen. Zum anderen ist es auch ein Zeichen der Fairness den Kleinen gegenüber: Kinder sind ja nicht geimpft und haben deshalb nicht dabei sein können. Und ein Teil der Teenygarde hat auch noch keinen oder noch keinen vollständigen Impfschutz. Wir wollten die Gruppen nicht einfach auseinanderreißen. Deswegen haben wir auf die Vorstellung des Prinzenpaars und des Kinderprinzenpaars verzichtet. Das und die Vorstellung des Programms der drei Garden werden – hoffentlich – nachgeholt. Wann, das steht allerdings in den Sternen. Im Moment ist alles auf unbestimmte Zeit verschoben.

Dann war also das Prinzenpaar am Donnerstag inkognito mit dabei und hat mitgefeiert?

Ja genau.

Gab es denn kritische Stimmen im Vorfeld, weil der Ball nicht abgesagt wurde?

Ja, natürlich gab es die. Aber wir haben so strenge Kontrollen, wir haben viel mehr Securitys, die ganz genau hinschauen. Und ob man sich in Fahrenzhausen beim Ball trifftoder ob die Leute in eine Diskothek gehen, macht am Ende keinen Unterschied. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und uns für diesen Kompromiss entschieden: Ball ja, große Proklamation nein. Wir leben in einer Zeit, in der man gerade ohnehin nichts wirklich richtig machen kann.

Bleibt am Ende ein komisches Gefühl?

Wir sind uns dem Ernst der Lage bewusst und gehen verantwortungsvoll damit um. Freilich bleibt ein komisches Gefühl, wenn sich viele Menschen treffen. Aber wenn es nach Corona weitergehen soll, muss man Kompromisse eingehen.

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