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Ein engagiertes Team: Jeden Tag lässt sich die Sonnenschein-Truppe ein neues Facebook-Angebot für die Kindergartenkinder einfallen. 

In der Corona-Isolation

Kindergarten Sonnenschein schickt den Kleinen Freude nach Hause

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50.000 Mal ist eines von vielen Videos, die der Kammerberger Kindergarten Sonnenschein auf seiner Facebook-Seite gerade täglich hochlädt, geklickt worden. Eine wunderbare Idee der Einrichtung geht durch die Decke. 

KammerbergSeit zwei Wochen sind die Betreuungseinrichtungen in Bayern geschlossen. Um mit den Kindern und Eltern weiterhin in Kontakt zu bleiben, hat sich der Kindergarten Sonnenschein in Kammerberg etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Täglich werden kleine Videos auf Facebook und Instagram hochgeladen, um den Kindern ein Stück Normalität zu bieten – und Freude.

Aufmunterung via Facebook

Kindergarten via Internet: Der sechsjährige Maximilian ist von den Videos begeistert. 

„Die Situation ist leider grad nicht so schön. Wir versuchen euch mit dieser Seite ein paar Sonnenstrahlen zu schicken“, heißt es auf der Facebook-Seite des Kindergartens Sonnenschein in Kammerberg, die vor kurzem an den Start gegangen ist. Täglich werden hier zwei bis drei Videos hochgeladen, in denen die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen Bücher vorlesen, Bastelideen anbieten, Fingerspiele für die Kleinsten machen oder Geschichten erzählen. Und natürlich dürfen auch der Morgen- und Mittagskreis nicht fehlen.

„Die Idee ist aus der Not heraus entstanden“, erzählt Kindergartenleiterin Birgit Renger. Nachdem die Kindergärten wegen des Coronavirus‘ vor zwei Wochen geschlossen worden sind, stellte sich für das Sonnenschein-Team die Frage, wie es weitergehen soll – und kann. „Putzen, Aufräumen und Dokumentation – das ist alles schön und gut“, erzählt Renger. Aber das Team wollte mehr. „Wir brauchen was, was allen gute Laune macht“, sagt sie zu den Überlegungen.

Videos gegen Langeweile

Der Grüffelo-Post kam bei den Kindern sehr gut an.

Als sie eines Tages im Auto an der roten Ampel stand, sei ihr die Idee der kleinen Videos gekommen. Noch am gleichen Abend habe sie Fahrenzhausens Bürgermeister Heinrich Stadlbauer angerufen und ihm von dem Facebook-Vorhaben erzählt. „Er war nicht abgeneigt“, berichtet Renger. „Aber er konnte sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen.“ Doch der Rathauschef gab sein Okay – und aus der spontanen Idee ist mittlerweile ein Erfolgskonzept geworden: Am vergangenen Mittwoch verzeichnete das Sonnenschein-Team über 25 000 Personen, die die Videos aufgerufen hatten, am Donnerstag waren es schon über 50 000.

Anfangs, so erzählt Birgit Renger, sei es „eigenartig“ gewesen, „wenn man da alleine sitzt“ und ein Angebot für die Kinder erstellt. Doch mittlerweile seien alle mit Freude dabei. „Jeder, der eine Idee hat, darf das ausprobieren.“ Innerhalb einer WhatsApp-Gruppe würden die Sonnenschein-Mitarbeiter dann entscheiden, welche Videos tatsächlich hochgeladen werden. In der ersten Woche war etwa die Geschichte des Ungeheuers Grüffelo ein großes Thema. Dabei durften die Mädchen und Buben via Facebook ein Bilderbuch-Theater der Leiterin anschauen, mit fünf Betreuerinnen den Grüffelo-Song singen oder passend zum Thema basteln und malen.

Überwältigt von der Resonanz

Das der Facebook-Auftritt so erfolgreich werden würde, damit hätte die Kindergarten-Leiterin nicht gerechnet. Und sie weiß, dass man für den Erfolg das richtige Team an seiner Seite braucht. „Wir sind der richtige Haufen mit verrückten Hühnern und einem Hahn“, erzählt sie und lacht – „ein Team, das als Team sehr gut zusammenarbeitet“. Deshalb sind noch viele weitere Aktionen geplant – etwa ein Hühner-Video, diverse Bilderbücher, und natürlich Bastelideen und Co. rund um Ostern. Und vielleicht, so hofft die Leiterin, könne man die Aktion auch nach der Corona-Krise fortführen – sofern es der Alltag zulässt.

Auch wenn dem Team die Video-Botschaften sehr viel Spaß machen, freuen sich alle, wenn die Kinder wieder in die Einrichtung kommen. „Die gehen uns schon ab.“ Aktuell sind es nur ein paar wenige Mädchen und Buben, die in einer Notgruppe betreut werden. „Wir haben die Kinder der Hochrisikogruppe hier“, erzählt Renger – etwa die Sprösslinge von Krankenschwestern, Ärzten oder Verkäuferinnen. Doch Angst vor einer Ansteckung habe niemand. Die Vorschriften würden eingehalten, jedoch: „Wir arbeiten ohne Schutzkleidung, und zwei Meter Abstand halten geht auch nicht.“ Dennoch laufe alles gut, betont die Leiterin.

Durch die Facebook-Aktion hofft Birgit Renger, dass sie und ihr Team den Familien täglich eine kleine Freude machen können. Und vielleicht gelingt es sogar, sagt sie mit Blick auf den Fachkräftemangel, dass man die Arbeit der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen in ein positives Licht rücken kann.

Gut zu wissen

Der Kindergarten Sonnenschein in Kammerberg sucht aktuell nach einer Kinderpflegerin. Wer sich für die Stelle interessiert, soll sich bei Birgit Renger melden. Weitere Infos gibt‘s im Internet unter www.sonnenschein-kammerberg.de.

Lesen Sie auch:Interview mit Florian Herrmann, Leiter des Corona-Katastrophenstabs

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