Auf Tuchfühlung: Rainer Pflügler mit Sohn Korbinian und einem seiner Lämmchen.
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Auf Tuchfühlung: Rainer Pflügler mit Sohn Korbinian und einem seiner Lämmchen.

LANDWIRTSCHAFTSSERIE - Rainer Pflügler kann in Zeiten von Corona mit Regionalität punkten

Noch lange nicht müde vom Schäfchen zählen: Landwirt Rainer Pflügler punktet in Corona-Zeiten mit Regionalität

  • vonNico Bauer
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Rainer Pflügler aus Kleineisenbach ist einer von wenigen Schafhaltern. Im Coronajahr hat der Nebenerwerbslandwirt mit langer Familientradition festgestellt, was seine Stärke ist.

Kleineisenbach – Wer auf den Hof von Rainer Pflügler (40) in Kleineisenbach (Gemeinde Fahrenzhausen) kommt, muss nicht lange suchen, um die Besonderheiten dieses Betriebs zu entdecken: Pflügler ist nicht nur einer von wenigen Schafhaltern, sondern hat mit Suffolk-Schafen auch eine besondere Rasse. Die Tiere haben zwar klassisch weiße Wolle am Körper, aber eben tiefschwarze Köpfe. Was der Nebenerwerbslandwirt mit jahrzehntelanger Familientradition im Coronajahr festgestellt hat: Er kann mit Regionalität punkten.

Pflüglers Eltern starteten 1983 mit sechs Suffolk-Tieren

Auf dem Hof in der Nachbarschaft des Wenger Weihers wird schon seit mehr als 30 Jahren Weidetierhaltung betrieben, wobei lange Zeit zehn Milchkühe gehalten wurden. Als sein Vater gestorben war, starteten Martin Pflügler und seine Frau Pauline, die Eltern von Rainer Pflügler, im Jahr 1983 die Schafzucht. Los ging es mit sechs Suffolk-Schafen. Das Ehepaar tingelte seinerzeit zudem über Märkte, um neben dem Fleisch auch die Wolle verkaufen zu können.

Keinerlei Berührungsängste: Tochter Veronika besucht die Schafe gern.

Nachfolger Rainer Pflügler hat heute mit seiner Frau Carmen und den drei Kindern rund 60 Mutterschafe plus Lämmer im Stall. Zwischenzeitlich hatte sich das Paar an einer Schafzucht versucht, die mittlerweile aber wieder eingestellt worden ist. Was jetzt ebenfalls anders ist als früher: Das Nebengeschäft ist weggefallen. „Heute kauft kein Mensch mehr die Wolle“, sagt Rainer Pflügler. Dafür ist Lammfleisch gefragt. Mit dem Verkauf sichert die Familie den Erhalt des heimischen Hofes. Im Gegensatz zu anderen Schafzuchten haben die Pflüglers nicht die Möglichkeit, ihre Schafe zum Grasen anzubieten.

Rainer Pflügler, der in Vollzeit beim Maschinenring Freising arbeitet, ist sehr stolz darauf, dass er seinen Tieren sehr gute Lebensbedingungen bieten kann: Sie können sich nach Belieben im Stall oder auf der Weide aufhalten. Im Sommer gehen die Schafe meist nachts auf die Wiese, wenn die Temperaturen erträglicher sind.

Im Stall ist immer was los: Die Pflüglers haben rund 60 Mutterschafe. Das Paar ist stolz darauf, dass es seinen Tieren sehr gute Lebensbedingungen, wie etwa die offene Tierhaltung, bieten kann.

Doch diese offene Tierhaltung bereitet dem 40-Jährigen in gewisser Weise auch Sorgen: Nachdem im Landkreis wie berichtet vor einigen Wochen ein Wolfsriss festgestellt worden war, sorgt er sich um seine Schafe und Lämmer. Hier fordert Pflügler Unterstützung der heimischen Politik: „Man muss den Herdenschutz auch entsprechend finanzieren, nachdem der Wolf anscheinend erwünscht ist und eine Vertreibung nicht zur Debatte steht.“ Das zweite Tier, um das sich Pflügler Gedanken macht, ist der Biber, zumal sein Hof in der Nähe von Amper und Amperkanal liegt. „Nur die wenigsten Landwirte im Landkreis Freising hatten noch keinen Kontakt mit dem Biber“, sagt der Landwirt aus Fahrenzhausen, der sich in seinem Ehrenamt als Gemeinderat vor allem der Sanierung des Wenger Weihers verschrieben hat.

Markenzeichen: Die Suffolk-Schafe haben charakteristisch einen tiefschwarzen Kopf.

„Wir haben seit März einige neue Kunden dazugewonnen“

Für Rainer Pflügler und seine Direktvermarktung des raren Lammfleischs – ein Mutterschaf bekommt nur zwei Lämmer pro Jahr – hat die Corona-Pandemie durchaus ihre positiven Seiten. „Wir haben seit März einige neue Kunden dazugewonnen“, sagt Pflügler. „Scheinbar besinnen sich wieder mehr Menschen darauf, dass das Gute so nah liegen kann.“ Er hat festgestellt, dass der Kunde wieder mehr Wert auf Regionalität legt und genauer wissen will, woher das Fleisch auf dem Teller kommt. „Es gibt kaum einen Kunden, der nicht einen Blick in den Stall werfen möchte“, sagt Rainer Pflügler. Zu verbergen habe er ohnehin nichts. Der Landwirt ist sichtlich stolz, dass seine Tiere artgerecht und lebenswert gehalten werden.

Noch mehr Tiere: Auf dem Hof hält die Familie auch Hühner für den Eigenbedarf.

Bei dem Lammfleisch mit der Direktvermarktung in Kleineisenbach ist es nicht anders wie bei anderen Landwirten. Qualität hat ihren Preis, zumal Schafe heute keine Mehrfacherwerbsquellen mehr bieten würden. „Die Landwirtschaft kämpft um ihre Anerkennung, und vor allem um gerechte Preise“, sagt Pflügler. Das bekomme er bei seiner täglichen Arbeit beim Maschinenring immer wieder mit.

„Nicht von Billigpreisen reizen lassen, sondern mit gesundem Menschenverstand einkaufen“

Für Rainer Pflügler ist der Knackpunkt das Bewusstsein des Kunden: „Gerade kleinere Betriebe können nicht mit den Dumpingpreisen der Großkonzerne mithalten und müssen sich in ihren Nischen behaupten. Um hier bestehen zu können, ist man auf die Vernunft der Konsumenten angewiesen“, betont der Schafhalter. „Die sollten sich nicht von Billigpreisen und Angeboten reizen lassen, sondern mit dem gesunden Menschenverstand einkaufen.“ Das Pandemiejahr 2020 habe Rainer Pflügler gezeigt, dass bei einigen Menschen ein Umdenken eingesetzt hat.

Sie protestieren gegen „runinöse Preise“: Landwirte sind erneut bei der Molkerei Weihenstephan in Freising vorgefahren. Was dort dann passiert, ärgert die Bauern sehr.

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