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Volles Haus in der Schulaula: Die ersten vier Reihen blieben zwar leer, aber dann waren die Fahrenzhausener dicht gedrängt und diskutierten teilweise sehr emotional den Bauort des künftigen Rathauses.

Infoveranstaltung der Gemeinde

Rathausneubau Fahrenzhausen: Bei Infoveranstaltung kochten Emotionen hoch

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Es kehrt keine Ruhe ein in Fahrenzhausen. Bei der Infoveranstaltung zum Rathausneubau ging es hoch her. 

Fahrenzhausen Die Aula der Fahrenzhausener Grundschule platzte am Mittwochabend aus allen Nähten, als Bürgermeister Heinrich Stadlbauer in der Informationsveranstaltung zum Rathausstandort seine Sicht der Dinge erläuterte. Es wurde deutlich, dass der Rathausbedarf unstrittig ist, beim Bauort aber ein gewaltiger Riss durch die Gemeinde geht. Fahrenzhausen stehen wieder einmal turbulente Zeiten bevor.

Der Fahrenzhausener Bürgermeister erinnerte an den großen Aufwand, mit dem engagierte Bürger vor einigen Jahren Ideen entwickelten, wie sich der Ort verändern und wie er schöner werden soll. „Es ist mir eine Herzenssache, diese Visionen schrittweise umzusetzen“, sagte Stadlbauer. Das neue Rathaus sei ein zentraler Baustein dieser Zukunftsüberlegungen. Bestätigung bekam er vom Planer Peter Kellerer, der die Gemeinde bei dem bisherigen Prozess und dem Architektenwettbewerb begleitet hatte.

„Bei Fahrenzhausen erinnert sich jeder an die B13“, sagte der Architekt. „Aber mehr bleibt nach der Durchfahrt durch den Ort nicht hängen.“ Deshalb sei das neue Rathaus nicht das alleinige Thema gewesen, sondern ein echtes Ortszentrum: „Dieses soll eine Identität haben und lebendig sein. Ohne Menschen taugt der schönste Ort nichts.“

Kellerer sagte, dass man natürlich ein neues Rathaus auf die gemeindeeigenen Grundstücke bauen könne, das aber Konsequenzen nach sich ziehe. Dort würde sich das Rathaus nicht in die umliegende Wohnbebauung einfügen, weshalb die Aufstellung eines Bebauungsplans unumgänglich wäre. Zudem wäre wegen der Grundstückshöhe die Realisierung einer Tiefgarage zumindest sehr schwierig.

Keine Wohnbebauung auf Kirchengrundstück

Kellerer sagte weiter, dass die Kirche ihr Grundstück für Parkplätze oder Wohnbebauung nicht zur Verfügung stellen würde. Die Diskussionen in der Aula wurden sehr schnell emotional und dem Applaus nach waren beide Lager etwa gleich groß. Befürworter des Bürgerbegehrens machten deutlich, dass diese Gruppe für den Bürgerentscheid wild entschlossen ist. „Die Kosten müssen bekanntgegeben werden, sonst wird das Rathaus an dieser Stelle sterben“, sagte eine Bürgerin. „Kein Privater baut auf einem Grundstück, das ihm nicht gehört“, schimpfte Johanna Schmid. „Staat und Kirche gehören getrennt“, rief sie den Mitbürgern zu. „Dann kann man auf dem Kirchengrund ja das Betreute Wohnen mit der so viel gelobten Tiefgarage bauen.“

Im Laufe des Abends wurden mehrere Zahlen genannt, die Gerüchten zufolge die Pacht sein sollen. „Den Leuten geht es rein um die Kosten“, sagte der in der Bürgerinitiative engagierte Gemeinderat Wolfgang Müller. „Diese Zahlen sollten die beiden Partner des Pachtgeschäfts sagen.“

Bürgermeister Heinrich Stadlbauer wunderte sich schon sehr darüber, „dass man es 16 gewählten Gemeinderäten und fünf gewählten Mitgliedern der Kirchenverwaltung scheinbar nicht zutraut, einen fairen Preis aushandeln zu können.“

Kellerer lieferte belastbare Zahlen

Die einzigen neuen und belastbaren Zahlen der Informationsveranstaltung legte Architekt Peter Kellerer auf den Tisch. Er rechnete vor, dass bei einem Bürgerentscheid und einem Jahr Verzögerung die Baukostensteigerung mindestens 200 000 Euro ausmache, bei einem erfolgreichen Bürgerentscheid und dem Bau auf einem anderen Grundstück rede man über zwei Jahre Verzögerung und knapp 500 000 Euro Mehrkosten. Er rechnete mit vier Prozent Baukostensteigerung, aktuell liegt diese bei sechs Prozent.

Den Befürwortern des Rathauses auf dem kirchlichen Grund sprach der 3. Bürgermeister Heinrich Kislinger aus der Seele. Er verlas erst ein Schreiben des beruflich verhinderten Andreas Karl (2. Bürgermeister) und kritisierte, „dass mir eine Wertschätzung für die Mitarbeiter der Gemeinde fehlt – und auch das Verständnis, warum man jetzt erst das Bürgerbegehren macht“.

Stadlbauer geht mit gutem Gefühl heim

Bürgermeister Heinrich Stadlbauer hatte einen langen und anstrengenden Abend, aber am Ende ging er mit einem guten Gefühl nach Hause: „Ich habe den Eindruck, dass sich die Stimmung verschoben hat.“ Wolfgang Müller deutete vorsichtig an, dass die Initiatoren des Bürgerbegehrens das weitere Vorgehen nun noch einmal diskutieren.

Kommentar von FT-Reporter Nico Bauer

Warum jetzt? Völlig unabhängig von den Sachfragen, den unzähligen Gerüchten im Ort und den diversen Argumenten stellt sich diese eine Frage, auf die es keine Antwort geben kann. Der Zeitpunkt für das Fahrenzhausener Bürgerbegehren nach einem langen Architektenwettbewerb und kurz vor den Auftragsvergaben ist schlicht und einfach Wahnsinn. Ein Bürgerentscheid direkt nach der Standortentscheidung des Gemeinderats wäre in Ordnung gewesen. Die meisten Wortmeldungen drehten sich an diesem turbulenten Abend ums Geld. Doch auch da passt was nicht zusammen. Eine Verzögerung durch einen Bürgerentscheid würde viel Geld kosten und eine Umplanung auf ein anderes Grundstück viel bis sehr viel Geld kosten. Von dem Geld kann die Gemeinde lange Jahre Erbpacht bezahlen. Der Zeitpunkt des Bürgerbegehrens am Ende eines Verfahrens macht einfach keinen Sinn. Denn es wäre von den Spar-argumentierern noch diese eine Frage zu beantworten: Warum jetzt?

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