Einen DVD-Player hat Manfred Brand aus dem Reparatur-Team Fahrenzhausen hier wieder zum Laufen gebracht. Sehr zur Freude von Besitzer Herbert Pabst. 
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Einen DVD-Player hat Manfred Brand aus dem Reparatur-Team Fahrenzhausen hier wieder zum Laufen gebracht. Sehr zur Freude von Besitzer Herbert Pabst. 

Auf der Suche nach neuen Wegen, trotz Corona helfen zu können

Reparatur-Café Fahrenzhausen im Kampf gegen den Wohlstandsschrott

  • Andrea Beschorner
    vonAndrea Beschorner
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Das Reparatur-Café in Fahrenzhausen hat schon vieles vor dem Müll gerettet. Jetzt sucht man nach neuen Wegen, wie man an die defekten Geräte rankommen kann.

 Fahrenzhausen - „Reparieren statt wegwerfen“: Unter diesem Motto arbeitet das Amper-Reparaturcafé in Fahrenzhausen seit dem Jahr 2017. Und seit Beginn ist die Resonanz auf diesen Service sehr gut. Insgesamt acht Reparaturfreunde haben sich an jedem ersten Samstag im Monat im Pfarrheim getroffen, um den Bürgern einen besonderen Service anzubieten: Reparaturfähige Geräte oder Alltagsgegenstände wurden davor bewahrt, auf dem Müll zu landen. Dann kam die Pandemie mit all ihren Einschränkungen.  Dann kam die Pandemie mit all ihren Einschränkungen.

Reparatur-Cafés haben die Nachhaltigkeit im Blick.

Heinrich Hermann vom Reparatur-Team in Fahrenzhausen

Einer aus dem Team des Reparatur-Cafés hat nun eine Idee, wie man trotz Kontaktbeschränkungen Kaputtes wieder in Gang setzen könnte, wie er im FT-Gespräch erzählt. Wie allen anderen Mitstreitern aus dem Reparaturcafé ist es auch Heinrich Hermann ein Dorn im Auge, dass Unmengen an Elektroschrott in den Wertstoffhöfen eigentlich ganz einfach wieder repariert werden könnte. Und trotzdem landen die Dinge auf den Müll. „Wenn ich sehe, was alles weggeschmissen wird, bedaure ich das.“ Sobald ein Schräubchen oder ein Stecker fehle, wird etwas Neues gekauft. „Das ist so schade!“, sagt Heinrich Hermann. „Die Wertstoffhöfe sind voll mit Wohlstandsschrott.“ Und in Zeiten, in denen per Mausklick sofort Ersatz bestellt werden kann, der dann bis vor die Haustür geliefert wird, trennt man sich von einem defekten Gerät noch leichter. Deshalb seien solche Angebote wie in Fahrenzhausen so wertvoll, wie Hermann betont: „Reparaturcafés haben die Nachhaltigkeit im Blick.“

Die beginne jedoch bereits bei der Anschaffung. „Wenn ich mir einen neuen Handstaubsauger für zehn Euro kaufe, kann ich nicht davon ausgehen, dass der lange hält.“ Solches „Billigstzeug“, wie Hermann es nennt, gehöre seiner Ansicht nach sowieso vom Markt genommen, weil es nur Geld kostet und nach kurzer Zeit kaputt und tatsächlich ein Fall für den Müll ist.

Heinrich Hermann hat eine Idee, wie die Leute den Service des Reparatur-Cafés trotz Corona-Beschränkungen nutzen könnten.

Heinrich Hermann ist 67 Jahre alt, gelernter Schlosser und Elektrotechniker. Seine Leidenschaft „fürs Basteln“, wie er sagt, begleitet ihn schon ein Leben lang. Und im Ruhestand hat er nun endlich Zeit, sich dem zu widmen. Zeit – aber wegen der Kontaktbeschränkungen aktuell keine Gelegenheit. Doch mit seiner Idee, die er auch schon an Pfarrer Stefan Menzel herangetragen hat, hofft er nun auf Abhilfe. Der Geistliche ist dem Team schon einmal entgegengekommen, hat ihm im Pfarrheim eine Heimat für seine monatlichen Treffen gegeben. Und vor dem Pfarrheim würde sich auch das, was Hermann nun als vorübergehende Alternative im Lockdown vorschwebt, abspielen: „Wir könnten in einer großen, mit einem Zahlenschloss versehenen Box die zu reparierenden Gegenstände sammeln. Wer hier etwas abgibt, bekommt davor den Zahlencode mitgeteilt, jeder versieht sein Gerät mit einer kurzen Beschreibung, was defekt ist.“ Das Ganze könnte auf diesem Weg kontaktlos ablaufen. Vorteile: „Wir Reparaturfreunde hätten was zu tun und es würde nicht wieder vieles auf dem Müll landen“, so Hermann.

Corona würde die Menschen auffordern, kreativ zu werden und neue Wege zu gehen. Hermann hofft nun, dass er mit dieser Idee auf Begeisterung stößt und damit seinen Beitrag leisten darf, dass trotz Kontaktbeschränkungen nicht alles zum Erliegen kommt. „Wir können nicht warten bis zum Sankt Nimmerleinstag, um wieder aktiv zu werden.“

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