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Vom BMW-Ingenieur zum Gitarrenbauer: Peter Bachmaier aus Fahrenzhausen hat sein Leben klangvoll umgestaltet

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Von: Andrea Beschorner

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Bachmaiers Showroom: Über die Hälfte der Arbeitszeit von bis zu 150 Stunden ist Handarbeit. Neben seinen Unikaten bietet er auch bezahlbare Gitarren für Einsteiger an.
Bachmaiers Showroom: Über die Hälfte der Arbeitszeit von bis zu 150 Stunden ist Handarbeit. Neben seinen Unikaten bietet er auch bezahlbare Gitarren für Einsteiger an. © privat

Peter Bachmaier aus Fahrenzhausen war 30 Jahre Ingenieur bei BMW. Dann beschließt er, sein Leben völlig umzukrempeln: Er kündigt und wird Gitarrenbauer.

Fahrenzhausen – Seine Hände sind die Zeugen seiner Leidenschaft. Peter Bachmaier liebt Holz, schnitzt, seit er groß genug ist, um ein Messer zu halten, wie er erzählt. Einige Narben dokumentieren das ein oder andere Missgeschick. Im Kindesalter, ganz zu Beginn seines künstlerischen Schaffens, entstehen Dinge wie Pfeil und Bogen, eine Steinschleuder oder Nistkästen. In der Grundschule schnitzt Peter Bachmaier sein erstes Schiff aus Birkenholz, es folgen ein flugfähiges Flugzeugmodell und eine Gartenbank für seine Eltern. Später baut er sich sogar viele seiner Möbel selbst. „Die Begeisterung für Holzarbeiten wurde mir schon in die Wiege gelegt“, erzählt der heute 55-Jährige.

Mit 14 repariert er seine erste E-Gitarre selbst

14 Jahre ist Peter Bachmaier alt, als seine Leidenschaft spezifischer wird. Für damals 100 Mark kauft er seine erste E-Gitarre – eine Strat-Kopie von Isonez. „Die Saiten schnarrten und ein Tonabnehmer war defekt“, erinnert er sich zurück. Aus der heutigen Sicht ist der damals schlechte Zustand seines ersten „Babys“ ein Segen, wird er doch damit, was die Reparatur angeht, ins kalte Wasser geworfen. Mit viel Mühe und noch mehr Arbeit bekommt er die Gitarre damals wieder spielbar. Zum ersten Mal erlebt er, wie faszinierend es ist, aus einem alten, defekten Instrument ein kleines Schmuckstück zu generieren.

Peter Bachmaier in Hobbywerkstatt
Maschinenarbeiten erledigt Peter Bachmaier in der Werkstatt, den Rest in der Küche, bei der Familie. © privat

2008 baut er seine erste eigene E-Gitarre. „Irgendwann wollte ich etwas schaffen, das man wirklich gebrauchen kann. Nichts, das einfach irgendwo rumsteht und verstaubt, sondern etwas wirklich Nützliches.“ Der Prototyp überzeugt am Ende nicht nur ihn, sondern auch viele befreundete Musiker.

Lebenslange Leidenschaft wird endlich zum Beruf

Im Laufe der Jahre perfektioniert er sein Hobby. Und er malt sich immer wieder aus, wie es denn wäre, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Fünf Jahre reift dieser Gedanke zu einem Wunsch, der Wunsch zu einem konkreten Vorhaben heran: 2020 hängt Peter Bachmaier seinen sicheren Job bei BMW an den Nagel, um hauptberuflich Gitarren zu bauen. Davor hat er 30 Jahre lang Elektrik und Elektronik sowie Interieur für Renn- und Serienfahrzeuge entwickelt, und das in verschiedenen leitenden Positionen. Nach einem Schlüsselerlebnis gefragt, meint Bachmaier: „30 Jahre in der Automobilentwicklung sind genug.“ Der Wunsch, bis zur Rente noch etwas zu machen, was ihm wieder richtig Spaß macht, sei einfach zu groß gewesen, als über ihn hinwegzusehen. Und dann ist da noch etwas, das er nicht ignorieren kann: sein lebenslanger Antrieb, die Schönheit der Natur zu bewahren – „einschließlich Nachhaltigkeit und Klimaschutz“.

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Da die Nachfrage der Kunden in der Automobilindustrie nach leistungsstarken Geländefahrzeugen immer noch ungebrochen ist, kann er sich immer weniger mit den Produkten, die er entwickeln soll, identifizieren. „Hätte ich nicht gekündigt, würde ich im Rentenalter sicher bereuen, meine Leidenschaft nicht ausgelebt zu haben“, da ist er sich außerdem sicher. Auch wenn er anfängliche Sorgen, dass seine Gitarren sich nicht verkaufen, nicht leugnet.

„Diese Sorgen verfliegen immer mehr – meine ersten Modelle fanden schon sehr viel Zuspruch.“ Bis 2020 hat Peter Bachmaier fünf Prototypen gebaut. „Nachdem vier davon super klangen, war ich so optimistisch zu glauben, dass ich davon leben kann“, sagt er – wenngleich er damit freilich nie so viel Geld wie davor bei BMW verdienen werde. „Aber seinen Konsum herunterzuschrauben ist ja auch eine Form von Nachhaltigkeit.“

Er will die schönsten, besten und wertigsten Gitarren bauen

Nachhaltigkeit ist auch in der Fertigung seiner Instrumente ein zentrales Thema: keine Kunststoffe, keine Lacke, minimaler Primärenergieeinsatz und 100 Prozent Ökostrom – unter diesen Vorgaben entstehen seine Gitarren. Und das Holz? „Die Holzbeschaffung ist bei mir sehr vielfältig“, sagt Bachmaier. Wird ihm ein schöner Baum angeboten, fällt er ihn sogar selbst. Baumstämme bringt er zum Sägen in das Sägewerk Dottel in Schernbuch, kauft zudem regionales Holz oder recycelt alte Möbelstücke oder Holz aus Häusern. „Bei Altholz setze ich tatsächlich auch Tropenholz ein. Bevor es verbrannt wird, baut man doch besser Gitarren daraus, wenn vor Jahrzehnten schon der Urwald dafür leiden musste“, findet er. So hat er erst vor wenigen Tagen Mahagoni aus einem Treppengeländer aus den 70er Jahren erstanden. Sein Anspruch: „Ich möchte bei maximaler Umweltverträglichkeit die besten, schönsten und wertigsten Gitarren bauen, die man für Geld kaufen kann.“

Wenn Feingefühl und Präzision miteinander verschmelzen

In der Fertigung seiner Gitarren – alles Unikate, die genau nach den Anforderungen des Kunden gebaut werden – verschmelzen Feingefühl mit Präzision. „Wenn es um das Formen komplexer räumlicher Geometrien geht, ist das handwerkliche Schnitzen immer noch unschlagbar.“ Die Fähigkeiten aus seiner Kindheit sind an dieser Stelle von großem Vorteil. Das Abtragen Span für Span lasse den Faserverlauf des Holzes spüren, nur so könne eine Oberfläche liebevoll gestaltet werden. „Das ist immer noch meine Lieblingsbeschäftigung“, gesteht der Gitarrenbauer. Wenngleich eine CNC-Fräse an Präzision nicht zu überbieten sei, wenn es um exakte Passungen, Ausfräsungen für Elektronik oder unsichtbare Bundschlitze geht. Zum Thema „Aging-Bearbeitung“, also künstlicher Gebrauchsspuren am Instrument, hat Bachmaier eine klare Meinung: „So etwas gibt es bei mir nicht. Wenn man stundenlang mit Herz und Leidschaft an einer Gitarre arbeitet, dann fällt es einfach zu schwer, das fertige Instrument künstlich mit solchen Gebrauchsspuren zu versehen“, sagt er. Das überlasse er lieber denjenigen, die ihr Instrument spielen. „Diese Spuren sind dann ehrlich und authentisch.“

Ehrlich und authentisch wie der Lebensweg des 55-Jährigen. Pläne für die nächste Station auf seinem Weg hat Bachmaier auch schon: Wenn das mit dem Gitarrenbau motorisch nicht mehr klappt, möchte er sich einer anderen Leidenschaft, die ihn seit jungen Jahren begleitet, zuwenden: Astronomie und Kosmologie. Schon jetzt benennt er alle seine Gitarrenmodelle nach astronomischen Objekten. Natürlich auch seine erste Gitarre, die immer noch in seinem Besitz ist und das auch immer bleiben wird und den Namen Sagittarius trägt - der lateinische Name für das Sternbild des Schützen.

Gut zu wissen

Peter Bachmaier baut nicht nur Gitarren, er bietet auch einen Reparaturservice und gebrauchte, bezahlbare Gitarren für Einsteiger zum Verkauf an. Näheres unter www.pb-guitars.com.

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