Zeitenwende in der Finanzwelt

Freisinger Banken auf dem Prüfstand

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Freising - Etliche Sparkassen-Filialen in Bayern schließen. Geschuldet ist das der anhaltenden Niedrigzinsphase und der Digitalisierung. Auch im Landkreis Freising verändert sich die Bankenlandschaft – ein Erneuerungsprozess, der mit Schmerzen verbunden ist.

Diese Nachricht hat am Wochenende für Aufsehen gesorgt: Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg will 20 Filialen schließen und 225 Stellen streichen. Im Oberland steht eine Großfusion von Sparkassen-Filialen an, und auch hier geht es um Personalabbau.

Die Sparkasse Freising hat diesen schmerzhaften Prozess schon hinter sich – zumindest fürs Erste. Bereits 2014 wurden vier der 20 Geschäftsstellen geschlossen. Immerhin: Die betroffenen acht Mitarbeiter kamen in anderen Filialen unter. „Wir sind mitten in den Hausaufgaben, die Sparkasse der nächsten Generation zu schaffen“, sagt Vorstandsmitglied Irene Dullinger. „Dabei kam alles auf den Prüfstand.“ Zwar spüre man weiterhin die Auswirkungen des niedrigen Leitzinses. An weitere Schließungen sei derzeit aber nicht gedacht. „Aktuell sehen wir da keinen Handlungsbedarf.“

Auch eine Reduzierung der Belegschaft ist derzeit nicht vorgesehen. Allerdings ändern sich die Jobprofile. „Vor allem in der Beratung benötigen wir entsprechend qualifiziertes Personal“, sagt Dullinger. Im Service-Bereich hingegen haben Bankomaten und PC den Mitarbeitern längst den Rang abgelaufen. Weil Kunden immer weniger das persönliche Gespräch suchen und ihre Geschäfte nicht unbedingt zwischen 8 und 18 Uhr abwickeln, arbeitet der Sparkassenvorstand zudem an neuen Kommunikationswegen. So gibt es inzwischen ein Service-Telefon. Mit dem Aufbau einer Internetfiliale will man dem massiv zunehmenden OnlineBanking Rechnung tragen.

In einem Interview mit dem FT hatte Vorstandsvorsitzender Johann Kirsch kürzlich verraten, dass die Sparkasse Freising als Vorreiter an diesem Projekt arbeite. „Wir preschen da jetzt vor.“ Schon 2016 soll es möglich sein, alle Bankgeschäfte online zu erledigen – von der Überweisung bis zum Erwerb von Wertpapieren, vom Immobilienkauf bis zur Finanzierung.

Auch die Freisinger Bank hat einschneidende Reformen durchgeführt. Seit 1. Juli gibt es nur noch 15 personell besetzte Filialen und acht Selbstbedienungscenter. Auch dort wurde niemand entlassen, wie Peter Thometzki, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftsbank, bereits im November 2014 betonte. „Wir müssen uns spezialisieren. Ziel ist es, sowohl Spezialisten für Privatkunden als auch für Firmenkunden zu haben.“

Nicht von der Schließung bedroht ist die Filiale der Sparda-Bank in Freising. „Wir bekennen uns klar zu unseren aktuell 48 Standorten in Oberbayern“, schreibt Pressesprecherin Christine Miedl. In Laim wird derzeit sogar eine neue Geschäftsstelle errichtet. Trotz der niedrigen Leitzinsen hat die Bank 2014 nach eigenen Angaben ein deutliches Plus im Kreditgeschäft erzielt. Und auch für das digitale Zeitalter sieht man sich gerüstet. Eine App erlaubt den Kunden, Bankgeschäfte von unterwegs zu erledigen. Ab Mitte November können Kunden Girokonten auch via Smartphone eröffnen. Und ab 2016 soll es möglich sein, sich bei der Eröffnung eines Girokontos per Video zu legitimieren.

Die Sperrer-Bank steht ebenfalls nicht vor dem Problem, eine ihrer vier Geschäftsstellen dicht machen zu müssen. „Da kommt uns unsere jahrzehntelange Strategie zugute, nicht zu expandieren und aufs Land zu gehen“, sagt Bankchef Christian Sperrer. „Wir fühlen uns sehr gut aufgestellt.“ Ein Mitarbeiterabbau stehe nicht zur Debatte. Aber auch der Privatbank macht der Leitzins zu schaffen. „Die Zinsmarge wird geringer“, räumt der Bankier ein. „Wir müssen uns neue Ertragsquellen erschließen.“ Potenziale sieht er etwa bei der Finanzplanung und der Anlageberatung. Aber auch im Versicherungssektor stellt sich das Haus neu auf. „Unser Pluspunkt ist, dass wir unabhängig sind: Uns schreibt kein Konzern vor, was wir tun und lassen sollen.“

Im Umgang mit der Digitalisierung beschreitet die Sperrer-Bank andere Wege als die Konkurrenz. Zwar könnten auch seine Kunden OnlineBanking betreiben, schließlich dürfe man sich der Entwicklung nicht verschließen, betont Sperrer. Eine App wie die Sparda-Bank will er aber nicht auf den Weg bringen. Und Kredite werden bei ihm auch künftig nicht online abgewickelt. „Wir wollen den Kunden weiter am Tisch haben“, sagt Sperrer. Schon jetzt hat er den Eindruck, dass die Digitalisierung zu einem Gegentrend führt. „Die Betrugsfälle, die beim Online-Banking auftreten, machen viele skeptisch. Es ist fraglich, ob der digitale Kanal für alle Dienstleistungen der richtige ist.“

Rubriklistenbild: © dpa

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