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Biomasse verwandelt Josef Pellmeyer auf seinem Betrieb in Eggertshofen in Biogas – und dann in Strom und Wärme. Nun hofft er auf eine baldige Anschlussregelung. Bei Biogas-Pionieren wie ihm laufen die Einspeiseveträge aus.

Die ersten Einspeiseverträge laufen aus

Biogas-Bauern stehen unter Strom

Landkreis - Strom aus Mais und Mist – und dazu ein lukrativer Abnahmepreis, der für zwei Jahrzehnte festgeschrieben war. Das war bisher die Biogas-Erfolgsformel. Nun aber laufen die ersten 20 Jahre lang gültigen Einspeiseverträge aus – und eine konkrete Anschlussregelung ist nicht in Sicht. Weshalb die Biogasbauern ziemlich unter Strom stehen.

Vor der Jahrtausendwende setzte ein regelrechter Biogas-Boom ein. Ein langfristig garantierter Strompreis machte den Bau vor allem größerer Anlagen rentabel. Bis heute entstanden im Landkreis Freising 25 Biogasanlagen, wie Fachberater Lorenz Oberndorfer vom BBV-Kreisverband berichtet. Zu den Pionieren gehörte auch Josef Pellmeyer (62), der auf seinem Betrieb in Eggertshofen bereits 1996 eine erste Biogasanlage errichtete und von 2001 bis 2013 sogar als Präsident des Fachverbands fungierte. Aus den Abfällen der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion wurde wertvolle Energie erzeugt. Das lag voll im Trend, denn man wollte erneuerbare Energien – „und im Gegensatz zu Wind und Sonne ist Biogas auch noch stets kontinuierlich verfügbar und speicherbar, sogar in Anlagennähe“, wie BBV-Fachberater Oberndorfer weiß.

Dem Beispiel Pellmeyers folgten Landwirte in ganz Deutschland – und die Nachfrage nach Biomasse wurde vor allem mit geballtem Maisanbau befriedigt. Die Gasausbeute war hier wesentlich höher als bei Gülle oder Festmist. Die Folge: eine regelrechte „Vermaisung“ der Landschaft.

Doch Gras und Getreide könnten sich bald wieder Flächen zurückerobern. Neue Biogasanlagen werden kaum mehr gebaut, nachdem die Stromvergütung gesunken, die Umweltschutzauflagen aber drastisch gestiegen sind. „Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen lohnen sich neue Anlagen nicht mehr, vor allem keine größeren“, sagt Andrea Horbelt, Sprecherin des in Freising ansässigen Fachverbands für Biogas. Noch dazu sei das, was bisher als Anschlussregelung auf dem Tisch liege, „nicht mehr als Wischiwaschi“ und nicht gerade verlockend für Neueinsteiger.

Die Verantwortung für die exakte Ausgestaltung der Regelung liegt beim Bundeswirtschaftsministerium, wo Biogas inzwischen nicht mehr so populär ist. So blicken die Betreiber von Biogasanlagen „in tiefer Sorge“ nach Berlin, wie Sprecherin Horbelt berichtet. Wie Pellmeyer hoffen alle Biogas-Bauern, dass bei der 2016 anstehenden Novelle des Erneuerbare Energiengesetzes (EEG) auch eine für die Landwirte tragfähige Biogas-Anschlussregelung verankert wird. Aber: „Keiner weiß genau, wie es weitergeht“, sagt Pellmeyer, der oft besorgte Anrufe von Kollegen bekommt. Er setzt vor allem auf Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der in Berlin Druck in Sachen Biogas machen soll.

Für Pellmeyer ist eine Abkehr vom Biogas vor dem Hintergrund des Atomausstiegs aus Gründen der Versorgungssicherheit unverantwortlich. Und man müsse auch an die Landwirte denken, die hier enorme Summen investiert hätten. „Erst fördert man Strom, der vor Ort erzeugt wird, und dann greift man wieder auf Öl und Erdgas zurück – das kann es doch nicht sein.“ Man müsse zumindest den Status quo bei den bestehenden Anlagen als „wichtiges Standbein“ der Energiewende halten.

Es zeichne sich natürlich ab, dass bei den bestehenden Anlagen nach dem Auslaufen der Einspeiseveträge die fetten Jahre vorbei sind, räumt Andrea Horbelt ein. „Man könnte da wohl auch den Gürtel enger schnallen“, sagt die Sprecherin des Fachverbands, schließlich seien die meisten dieser seit langem bestehenden Anlagen bereits abbezahlt. Falls die noch ausstehende Anschlussregelung aber zu große Einschnitte mit sich bringe, müsse sich jeder Biogas-Bauer überlegen: „Lohnt sich der weitere Betrieb angesichts fälliger Investitionen überhaupt noch?“

Fest steht: Müssten die Biogas-Bauern ihren Strom auf dem normalen Markt verkaufen, wäre das der Ruin. Auch für Josef Pellmeyer: „Dann müsste ich meinen Betrieb schließen.“

Dass es so weit kommt, glaubt er zwar nicht. Aber auch sein Einspeisevertrag läuft aus: „Offiziell“, sagt Pellmeyer, „ist bei mir am 31. Dezember 2020 Schluss.“

Helmut Hobmaier

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