Ärger über das „Ja“ der Kammer zur Startbahn: Helmut Priller, Ulf Mühlner, Kai Boeddinghaus, Hans Breitsameter und Hans Hack. Foto: Gleixner

Startbahn: Handwerker empört über Kammer-Präsident

Freising - Die große Mehrheit der Freisinger Handwerksmeister fühlt sich „überrumpelt“ vom Beitritt der Handwerkskammer München-Oberbayern zum Bündnis „Ja zur 3. Startbahn“. Leise denkt man sogar schon über eine Klage nach.

Während das IHK-gremium Freising-Erding ein Ja zur Startbahn abgab (S. 6), haben sich die Handwerksmeister gestern zeitgleich klar gegen das Vorpreschen ihres Handwerkskammerpräsidenten Heinrich Traublinger pro Startbahn gestellt. 80 Betriebsinhaber haben auf der Unterschriftenliste von Ulf Mühlner unterschrieben und sind „empört“ über die Positionierung ihrer Kammer.

Gestern traf man sich im Betrieb von Hans Breitsameter, stellvertretender Obermeister der Metallinnung, um deutlich zu machen, wie man sich über Traublingers Vorgehen ärgert. Doch beim Ärger wird es vielleicht nicht bleiben: Ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Sommer 2010 zu einem ganz ähnlichen Fall bei „Stuttgart 21“ macht sogar eine Klage aussichtsreich. Laut Kai Boeddinghaus, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes für freie Kammern, liege nämlich ein Rechtsverstoß vor. Handwerkskammern (und auch IHK) dürften zu solchen Themen nur Stellung nehmen, wenn es eine entsprechende Beschlusslage gebe und wenn bei umstrittenen Themen auch das Votum der Minderheit zum Tragen komme. Bei einem Logo auf einem Flyer sei das mitnichten der Fall. Bevor man eine Klage anstrebt, will man aber erst nachhaken, wie es zu dem Beschluss gekommen sei, dem Pro-Startbahn-Bündnis beizutreten.

Für Breitsameter ist es klar, dass sich eine Körperschaft des öffentlichen Rechts neutral verhalten müsse. Zumindest aber hätte es eine Beteiligung der Mitglieder geben müssen. Das wurmt auch Helmut Priller, Obermeister der Heinzungsinnung und Vize-Kreishandwerksmeister: „Der Herr Traublinger“ könne als Privatperson und ehemaliger CSU-Landtagsabgeordneter ja gerne für die Runway sein. Aber wenn man das Handwerkskammer-Logo auf den Flyern zusammen mit so „schlauen Köpfen“ wie Wolfgang Fierek sehe, spottete Priller, dann gehe das aus Sicht der Freisinger nicht. Metzgermeister Hans Hack kann nicht nachvollziehen, was das Handwerk von einer dritten Startbahn haben sollte. Der stellvertretende Obermeister der Schreinerinnung, Richard Stanzel, schimpfte ebenfalls: Dass die FMG behaupte, der Flughafen sei Job-Motor Nummer eins, sei „ein Frevel“. Das Handwerk sei Job-Motor Nummer eins. Die Mittelständler betonten, dass man Aufträge vom Flughafen bisher nicht bekommen habe. Bei Stanzel, der jüngst eine Aushilfskraft gesucht habe, hätten sich rund 30 beworben - die meisten Niedriglohnverdiener vom Flughafen, denen ihr Verdienst zum Leben nicht reiche. „Ich fühle mich vereiert, dass unser Präsidentso etwas unterstützt und nicht mich.“

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