Aus der Hauptstadt

Freisinger in Berlin: So haben wir den Anschlag erlebt

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Freising/Berlin - Einige Freisinger waren am Montagabend in Berlin. Sie berichten von ihren Erlebnissen – von einer gespenstischen Stimmung im Kino, einer unverhofften Begegnung mit Kanzlerin Angela Merkel – und von Menschen, die unglaubliches Glück hatten.

Peter Gamperling: „Niemand wusste, ob noch etwas geplant war.“

Peter Gamperling aus Freising (24) studiert seit dem Wintersemester an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Mit Freunden geht er Montagabend ins Kino und schaut sich „Star Wars“ (Krieg der Sterne) an. Geplant ist ein ruhiger Abend. Es ist fast 20 Uhr, als sein Handy zu vibrieren beginnt – und nicht mehr aufhört. „Ich habe das zunächst ignoriert, im Kino schaut man nicht auf sein Handy“, sagt Gamperling. Irgendwann wirft er doch einen Blick auf das Display. „Alles klar bei euch?“ heißt es da in einer Textnachricht. Dann erst öffnet der Freisinger eine Nachrichtenseite – und sieht mit Entsetzen, dass nicht weit von ihm entfernt ein Lkw in einen Weihnachtsmarkt gerast ist. Im Kino wird es unruhig: Die Schreckensnachricht verbreitet sich schnell. Der Film wird zur Nebensache – überholt von der Realität. Peter und seine Freunde entscheiden sich, zu Fuß heimzugehen. Die U-Bahnen meiden sie. „Niemand wusste, ob noch etwas geplant war“, sagt er. Die Straßen sind gespenstisch leer. Dafür an jeder Ecke Einsatzkräfte, die Lieferwägen kontrollieren. Zuhause angekommen, verfolgt Gamperling den Livestream der Tagesschau. Er kann kaum glauben, was er sieht und hört. Der Terror hat Berlin, hat Deutschland endgültig erreicht.

Semra Kizilkaya: „Das Gefühl von Sicherheit hat sich verändert.“

Die Freisingerin Semra Kizilkaya (24) ist Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin und studiert im Master Sprachwissenschaft. Ihr Montag beginnt allerdings im Bundeskanzleramt. Über die Stiftung ist sie zum „Tag der Migranten“ eingeladen worden. Es ist kurz vor halb Zwei, sie will frische Luft schnappen. Auf dem Gang kommt ihr plötzlich Angela Merkel in einem bordeauxfarbenen Blazer entgegen. Sie wird langsamer, nickt ihr zu, lächelt sie an. „Das fand ich total sympathisch“, sagt Semra. Die Kanzlerin weiß nicht, dass sie Tags darauf von einem Terroranschlag sprechen muss. Und Semra ahnt nicht, dass sie keinen Schlaf finden wird. Sie ist früh zu Bett gegangen. Plötzlich klingelt das Handy. Nachrichten über den Anschlag flitzen über das Smartphone. Jetzt ist sie hellwach, meldet sich bei Familie und Freunden in ganz Deutschland: „Mir geht es gut!“ Bekannte von Semra, das stellt sich jetzt heraus, hatten unglaubliches Glück: Sie wollten zum Zeitpunkt des Anschlags eigentlich auf den Weihnachtsmarkt – haben sich dann aber kurzfristig anders entschieden. Und jetzt? „Jeder, der in Deutschland sozialisiert ist, liebt Weihnachten. Da gehören die Märkte einfach dazu.“

Das, sagt Semra, „dürfen wir uns nicht einfach kaputt machen lassen.“

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