Für Freisings Kultkneipe läuft der Countdown

Eine Immobilie im Abseits

Freising - Die Tage der Neustifter Kneipe Abseits scheinen gezählt. Am 31. Dezember läuft der Pachtvertrag aus. Verhandlungen über einen Verkauf an Wirt Michael Eggerstorfer sind gescheitert. Wie es jetzt weiter geht und was mit der Immobilie geschieht:

Die Bemühungen um den Erhalt und die Wiederbelebung des Abseits laufen weiter – trotz schlechter Perspektiven. Die Freunde des Abseits wollen nicht aufgeben. Wie zu erfahren war, gibt es aktuell Bemühungen, namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft als Fürsprecher zu gewinnen. Wirt Michael Eggerstorfer steht derweil zu seinem Angebot. Er hat eine Million Euro für die Immobilie geboten. Eine Summe, die von „Dach und Fach“, der Immobilienfirma des Grafen Guy von Moy, offenbar als deutlich zu niedrig erachtet wird.

Dass es mit dem Kaufpreis ohnehin nicht getan sein würde, das ist Eggerstorfer klar. Es gibt Auflagen, es müssten bauliche Veränderungen (Sanierungen) vorgenommen werden, um die Gaststätte wieder in Betrieb nehmen zu können. Auch dazu wäre Eggerstorfer bereit, wie er erklärt. Er sieht aber auch den Grafen von Moy „in der Verantwortung“ – was die Kneipenkultur und die zahlreichen Gäste betrifft, die nach der Schließung wohl schwer eine Alternative finden dürften. Das gleiche gilt für die etwa sieben Mitarbeiter. Das Lokal am Herrenweg 1 gilt wegen seines kulturellen Angebotes und wegen seiner über Generationen gewachsen Struktur als einmalig in Freising.

Das ist auch OB Tobias Eschenbacher bewusst. „Natürlich fände ich es schade, wenn so eine wunderbare Kulturkneipe wie das Abseits weichen muss. Man muss aber auch die Interessenlage des Eigentümers respektieren“, betont Eschenbacher. „Von Seiten der Stadt liegt uns daran, den Sachverhalt trotz aller Emotionen objektiv zu bewerten.“

Der Sachverhalt – das ist zum einen eine Bauvoranfrage für einen Abbruch und einen Neubau, die der Stadt vorliegt. Laut Eschenbacher handelt es sich um ein Baukonzept, das auf eine Wohnbebauung hinausläuft. Die Voranfrage datiere aber aus der Zeit, als das Abseits noch nicht in die Denkmalliste aufgenommen worden sei – also vor Mai 2015. Ein Bauantrag liege noch nicht vor, berichtete Eschenbacher auf Anfrage. Rathaussprecherin Christl Steinhart ergänzt: „Die letztendliche Entscheidung ist bau- und denkmalrechtlich zu treffen.“ Der Beschluss hierzu werde dann im Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt gefasst. Eine entscheidende Rolle spielt also der Denkmalschutz, der das Abseits als städtebaulich durchaus bedeutsam einstuft. Was aber nicht heißt, dass an der Immobilie nichts verändert werden kann oder darf (siehe Kasten).

Bedauert wird die vertrackte Situation auch vom Hofbrauhaus Freising, das quasi als Zwischenpächter fungiert und die Moy-Immobilie verpachtet hatte. Geschäftsführer Nikolaus Dawo: „Natürlich bedauern wir das. Das ist ein Stückerl Kultur in Freising. Aber, es hilft nichts – Graf Moy hat so entschieden. Wir haben keine Chance, da noch einzugreifen.“ Sollte es eine Zukunft für das Abseits geben, wäre man sofort wieder an Bord.

Und was sagt der Graf zu? Derzeit nichts. Wenn es etwas Neues zu vermelden gäbe, wurde auf Anfrage mitgeteilt, werde man sich melden.

Das sagt der Denkmalschutz

Der Abseits-Komplex ist nach Auskunft von Dorothee Ott, Pressesprecherin Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, im Mai 2015 in die Bayerische Denkmalliste eingetragen worden. Er sei dort als ehemaliger Gerberstadel, später als Gasthaus mit Satteldachbau über großen Tonnengewölben im Erdgeschoss, beschrieben. Ab 1857 war er eine Krämerei. Seit 1864 wurde das Haus nachweislich als Gaststätte genutzt. Zu dem Gebäude gehört seit Ende des 19. Jahrhundert auch eine ehemalige Kegelbahn, die in dem langgestreckten Nebengebäude untergebracht war. Der ehemalige Gerberstadel „besitzt geschichtliche und städtebauliche Bedeutung“, so Ott. „Er ist ein wichtiges und anschaulich überliefertes Zeugnis für die Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Freising.“ Das Gebäude sei „aufgrund der guten Erhaltung ein besonderes Beispiel für das Leben und Arbeiten eines Lederers in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.“ Mit dem nachgewiesenen Baujahr 1773 gehöre das Anwesen zu den ältesten Gebäuden am Herrenweg. Generell gelte: „Denkmalschutz bedeutet nicht, dass ein Gebäude nicht mehr verändert werden darf.“ Welche Auflagen der Eigentümer bei der Instandsetzung seines Denkmals zu beachten habe, hänge vom Einzelfall ab. Für jede Veränderung muss der Eigentümer eine denkmalrechtliche Erlaubnis bei der Unteren Denkmalschutzbehörde (Stadt Freising) beantragen. Und die holt vor einer Entscheidung die Stellungnahme des Landesamts ein.

Alexander Fischer

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