Robert Maier organisiert die Freisinger Lateinwoche.   Foto: zz

Freisinger Lateinwoche feiert Premiere

Freising - Latein ist tot, es lebe Latein! Eine Woche lang wird von Sonntag, 2. September, bis Samstag, 8. September, im Pallotti-Haus zu Freising nur Lateinisch gesprochen. Robert Maier (48) heißt der Mann, der die „Septimana Latina Frisingensis“ organisiert. Das FT hat sich mit ihm unterhalten - auf Deutsch.

-Eine Woche lang sich nur auf Latein unterhalten, eine Sprache, die außer im Vatikan nirgends mehr gebräuchlich ist? Was ist das Ziel der Septimana Latina?

Man kann Latein einmal von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Es gibt inzwischen auch ein modernes Vokabular, das neue Wörter für neue Dinge beinhaltet. Ich selbst habe ein solches modernes Wörterbuch herausgegeben.

-Wieso findet die Lateinwoche heuer in Freising statt?

Seit 1984 gibt es die Amöneburger Lateinwoche. In den vergangenen Jahren sind die Anmeldezahlen stark angestiegen. Zuletzt waren wir immer rund 60 Teilnehmer. Und da haben wir uns entschieden, dass wir eine zweite „Septimana Latina“ ins Leben rufen. Weil ich inzwischen in Freising lebe und es einfacher ist, so etwas aus der Nähe zu organisieren, haben wir uns halt Freising ausgesucht. Ich glaube, die Wahl war richtig: Wir haben schon 30 Anmeldungen. Das ist ein guter Start. Da können wir - und das ist uns wichtig - kleine Gruppen bilden, was es für die Moderatoren einfacher macht. Denn die Teilnehmer haben ja auch verschiedene Interessen.

-Wie lief das mit den Pallottinern?

Sehr gut. Das hat reibungslos funktioniert. Die meisten der 30 Teilnehmer übernachten auch im Pallotti-Haus.

-Und wer kommt? An wen richtet sich das Angebot?

Hauptsächlich wenden wir uns an Schüler ab einem Alter von 14 Jahren und an Studenten. Viele sind zum ersten Mal dabei, viele kommen dann aber auch immer wieder. So eine Fluktuation tut der Sache gut. Freilich sind auch ein paar Erfahrenere und Ältere mit von der Partie.

-Wie soll man sich auf diese Woche vorbereiten?

Philologisch nicht. Mental vielleicht, weil man hier etwas Außergewöhnliches versucht. Und mitzubringen sind Offenheit und gute Laune.

-Wie schaut das Programm in dieser Woche aus? Was macht man da?

Es gibt Übungen und Gespräche - alles in Lateinisch natürlich. Dann unternehmen wir zwei Exkursionen nach München und Regensburg, es wird Theater- und Musikaufführungen geben. Etwas Besonderes ist ein PC-Kurs, bei dem man lernt, wo man lateinische Texte findet und wie man an sie herankommt. Und am Freitagabend hält Professor Wilfried Stroh einen Vortrag über Jan Novak.

-Auch auf Latein?

Selbstverständlich. Und: Der Vortrag ab 20 Uhr in der Aula des Pallotti-Hauses ist öffentlich.

-Ist das für Neulinge nicht sehr anstrengend? Gibt es da nicht Hemmungen, Latein zu reden?

Gerade bei den Jüngeren herrscht am Anfang manchmal schon große Zurückhaltung, weil man Angst vor Fehlern hat. Aber wir nehmen das locker und weisen nicht ständig auf Fehler hin. Wir helfen nur. Man braucht zwei bis drei Tage, bis man reinkommt. Ein gewisses Problem ist freilich das Vokabular: Mit 15 Jahren kann man zwar auf Latein gut Kriege führen, weil man Cäsar kennt, aber es fällt sehr schwer, über das Essen oder die Hobbys zu reden. Aber dazu gibt es auch ein extra Lehrbuch, das „Septimana Latina“ heißt und an dem wir uns etwas orientieren. Gut ist, dass wir auch heuer wieder Teilnehmer aus dem Ausland haben - aus Italien, Holland und England. Da ist Latein eine Sprache, in der sich alle unterhalten können.

-Wie sind Sie zur „Septimana Latina“ gekommen?

Als Schüler war ich mit 16 Jahren bei so einem Seminar. Da habe ich gemerkt, dass man unheimlich davon profitiert. Denn man lernt auch, Latein zu verstehen. Und das habe ich dann zu meinem Hobby gemacht.

-Sie sind kein Lateiner?

Nein. Ich habe Physik studiert und arbeite jetzt bei Texas Instruments.

-Wird man da nicht wegen seines Hobbys belächelt?

Das kommt nur selten vor. Die meisten sind einfach sehr interessiert. (zz)

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