Nach zweieinhalb Stunden Sondersitzung

Freisinger Stadtrat genehmigt Domberg-Pläne - das Oktogon wird abgerissen

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Nun also doch: In einer Sondersitzung hat der Stadtrat am Montagabend mit 31:5 dem Abbruch des Oktogon zugestimmt und damit wohl dafür gesorgt, dass auf dem Mons doctus nun doch nicht „die Lichter ausgehen“. Denn es stand mehr auf dem Spiel als ein Erkeranbau oder der Umbau des Diözesanmuseums. Viel mehr.

Freising - Eine ganze Armada von Projektverantwortlichen war da in den Sitzungssaal gekommen, um das Gesamtprojekt „Neugestaltung des Dombergs“ nochmals vorzustellen und um für den Bauantrag zur Sanierung und zum Umbau des Diözesanmuseums zu werben – mit Abbruch des Oktogon. Notwendig geworden war die Sondersitzung, weil der Stadtrat am 26. Oktober den Bauantrag abgelehnt, der OB diesen Beschluss beanstandet und die Regierung eine neuerliche Beratung empfohlen hatte (wir haben berichtet). Damit dieses Mal, nachdem bei einem ernsten Gespräch in München die Weichen Richtung Genehmigung gestellt worden waren, auch wirklich nichts schief ging, war zum Beispiel der Erzbischöfliche Finanzdirektor Markus Reif nach Freising geeilt: Die Ablehnung des Bauantrags im Oktober habe zu der Frage nach der „Verlässlichkeit der Stadt“ geführt, erklärte er – eine Aussage, die bei Charlotte Reitsam (Grüne) und bei Eckhardt Kaiser (fraktionslos) für Empörung sorgte. Reif wiederholte mehrfach, dass man daraufhin sämtliche Planungen für die Umgestaltung des Dombergs gestoppt und sich nach einem anderen Standort für das Diözesanmuseum umgesehen habe. Das sei, anders als ihm von Kaiser unterstellt wurde, keine Drohkulisse und auch keine Erpressung gewesen, sondern die notwendige Reaktion darauf, dass der Auftakt zu einem Jahrhundertprojekt in einem hohen dreistelligen Millionenbetrag zu scheitern drohte. Gekommen war auch der Generalkonservator des Landesamts für Denkmalpflege, Mathias Pfeil: Er fände es schade, wenn man diese Chance nicht nutzen würde, denn bei der Weiterentwicklung des Dombergs könne etwas Besonderes herauskommen.

Dass man mit der Entscheidung im Oktober ja nicht die Neugestaltung des Dombergs in Frage stellen wollte, betonten die Stadträte, die damals gegen den Abriss des Oktogon votiert hatten. Man habe sich, so der Tenor jetzt am Montag, eben nur nicht ausreichend informiert gefühlt. Reitsam fragte, warum es keinen Bebauungsplan gebe, Benno Zierer (FW) gab allein dem Landesdenkmalamt die Schuld, das kleine Häuslebauer schikaniere, sich in diesem Fall aber weggeduckt habe. Das Gesamtkonzept der Erzdiözese zur Umgestaltung des Dombergs wurde später denn auch einstimmig angenommen.

Die entscheidende Abstimmung war freilich die um das Oktogon und um den Bauantrag für das Diözesanmuseum. Der Direktor des Diözesanmuseums, Christoph Kürzeder, und der Architekt Peter Brückner begründeten mit Engelszungen, wieso das Oktogon fallen müsse: Nur so sei das moderne Museumskonzept möglich, nur so könne beispielsweise die Westterrasse wirklich zugänglich gemacht werden, sich das Museum öffnen, der Domberg „sich zum Lebensraum für die Freisinger entwickeln“, wie Kürzeder es formulierte.

Die Kurve, nun doch für den Abriss des Oktogon zu stimmen, bekamen diejenigen Stadträte, die noch im Oktober dagegen waren, so: Man wolle das Gesamtprojekt Domberg-Umbau nicht gefährden, jetzt fühle man sich auch umfassend und richtig informiert, die Diskussion um das Oktogon führe dazu, das man künftig früher und besser eingebunden werde, man dürfe sich an dem „Aborterker“ nicht festbeißen. Und so blieben fünf Gegenstimmen übrig: Waltraud Heinlein-Zischgl (Grüne), Rosemarie Eberhard und Guido Hoyer (beide Linke), dazu Eckhardt Kaiser und Ulrich Vogl (ÖDP). Susanne Günther (Grüne) hatte, als es an die Abstimmung ging, den Sitzungssaal verlassen, kehrte sofort nach der Abstimmung wieder in den Saal zurück.

Der Live-Ticker zum Nachlesen.

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