Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

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Moschee im Wohngebiet: Malik Usman Naveed ist 29 Jahre alt und Imam der Al-Mahdi-Moschee in Neufahrn. Das neun Meter hohe Minarett ist ein Glaubenssymbol – Muezzinrufe ertönen hier nicht.

Islamische Reform-Gemeinde

Der freundliche Missionar von Neufahrn

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Neufahrn – Die „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ versteht sich als islamische Reformbewegung. Allerdings tritt sie auch sehr missionarisch auf. Ziel: Europa für den Islam gewinnen. In Neufahrn im Kreis Freising hat die Gemeinschaft eine Moschee – und einen neuen Imam. Ein Besuch.

Das Gesicht des Malik Usman Naveed kann sehr freundlich sein. Umso heftiger wirkt es, wenn es zu einer ernsten Mine gefriert. Der Mann mit dem akkurat getrimmten Bart sitzt in einem kleinen Raum im Keller seiner Moschee und blickt über einen Stapel Croissants. „Gewalttaten finden im Islam keine Rechtfertigung“, sagt er. „Das Berliner Attentat hat uns Muslime sehr getroffen.“

Eigentlich hat der 29-Jährige zu einer Art Vorstellungsrunde eingeladen. Seit vier Monaten ist er Imam der Al-Mahdi-Moschee in Neufahrn (Kreis Freising), fast neu quasi. Aber er macht gleich klar, dass es weniger um ihn gehen soll als um „den wahren Islam“. Und der, sagt er mit maximal gefrorener Mine, ist die Religion des Friedens.

Die „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ gilt als besonders liberale muslimische Gemeinschaft. Ihre Mitglieder (in Deutschland sind es knapp 40 000) sind meist gut integriert. Zu ihren Maximen gehören neben der Gewaltlosigkeit auch die Gleichwertigkeit von Mann und Frau und die Trennung von Religion und Staat. Sie hat kein Problem mit dem Urknall („steht im Koran“) oder der Evolutionslehre („ist das Werk Gottes“) und betont den Vorrang staatlicher Gesetze vor den religiösen. Wegen dieser Haltungen gelten die Anhänger der „Ahmadiyya“ unter der Mehrheit der Muslime aber als Ungläubige.

Naveed nippt an seinem Wasser. An der Wand hinter ihm prangt das Foto eines Mannes mit Turban: Mirza Ghulam Ahmad, der die Bewegung 1889 in Indien gründete. „Unser Ziel ist es, die Deutschen über den Islam aufzuklären“, sagt der Imam. Das passiert mit Flyern, auf denen „Liebe für alle, Hass für keinen“ steht; aber auch mit Info-Veranstaltungen und Tagen der offenen Tür – auch in Neufahrn. Das Geld dafür stammt nach eigenen Angaben aus Spenden. Die Gemeinschaft hat wohlhabende Mitglieder: Ärzte, Anwälte, Unternehmer.

In der Vergangenheit gab es auch kritische Stimmen, die vor allem mit dem missionarischen Eifer der „Ahmadiyya“ zu tun hatten. Erklärtes Ziel ist die weltweite Vorherrschaft des Islam. Imam Naveed scheint die Formulierung nicht zu mögen. „Klar sind wir irgendwo auch missionarisch unterwegs“, sagt er. Missionieren heiße aber, mit Worten überzeugen, nicht mit Gewalt.

Das Überzeugen ist schwer genug. Deutschlandweit leben etwa vier Millionen Muslime, gerade mal 40 000 gehören der „Ahmadiyya“ an. Die Gemeinde im Großraum München zählt, großzügig gerechnet, knapp 250 Mitglieder. Unter den anderen islamischen Gemeinden scheint sie mehr oder weniger isoliert. Kontakt zu anderen Imamen habe er noch nicht gehabt, sagt Naveed. Auch die Arbeit mit Flüchtlingen sei nicht ganz einfach. Die meisten gehören orthodoxen Glaubensrichtungen an. „Für die sind wir Ungläubige.“

Die „Ahmadiyya“ scheinen zwischen den Stühlen zu stehen: Für andere Muslime sind sie zu liberal, für ein westliches Werteverständnis doch noch ein Stück zu konservativ. Männer und Frauen etwa sind zwar gleichwertig, aber nicht ganz gleichberechtigt. „Wir haben viele emanzipierte Frauen“, sagt Naveed. darunter Ärztinnen, Anwältinnen oder Journalistinnen. Aber ob und in welchem Maße eine Frau sich emanzipiert, hängt von der Erlaubnis des Mannes ab. Auch beim Thema Homosexualität hat die Offenheit ein Ende. Der Imam nennt sie „eine Krankheit“ und wirkt dabei fast ein bisschen hitzköpfig.

Trotzdem sucht er das Gespräch, auch wenn die Themen unbequem sind. Vor gar nicht langer Zeit diskutierte er zum Beispiel an der Universität Göttingen mit einer Gruppe von Studenten, im Grunde ganz normale Typen. Einige von ihnen hatten Sympathien mit dem IS erkennen lassen, Naveed wollte das nicht unkommentiert lassen. Also sprach er von der Religion des Friedens, stundenlang.

Er ist sich sicher, einen von ihnen wenig später in der Zeitung wiedererkannt zu haben. „Er war bei Kämpfen in Syrien gestorben“, sagt Naveed. Sein Gesichtsausdruck ist wieder sehr ernst. Manchmal ist die Botschaft des Friedens nicht stark genug.

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