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Die Blätter fallen schneller als manche Entscheidung: Das Warten darauf, was mit dem Abseits geschieht, geht weiter. 

Frist bis 31. Januar verlängert

Abseits: Graf lässt Stadt mehr Luft

Freising - Entscheidung vertagt! Völlig überraschend ist das Thema Abseits am Donnerstag von der Tagesordnung für die Freisinger Stadtratssitzung genommen worden. Das FT erklärt, wie es dazu gekommen ist. Derweil mehren sich die Stimmen für die Rettung der Kulturkneipe.

Im Zuge der Stadtratssitzung am Donnerstag war schon darüber gemunkelt worden, warum OB Tobias Eschenbacher das Gremium nun doch nicht über den Zuschuss für das Abseits abstimmen ließ. Der Besitzer der Immobilie, Guy von Moy, müsse dem Förderverein wohl doch länger Zeit gegeben haben als bis Ende Oktober, ein Angebot abzugeben. Das hat das FT schon gestern berichtet.

Jetzt steht fest: Der Graf hat seine Frist noch einmal, zum dritten Mal, verlängert: bis zum 31. Januar 2017. Das bestätigte sein Hausverwalter Klaus Keller. „Der Graf wollte dem Stadtrat etwas mehr Luft lassen und hat die Frist daher aufgeweicht“, erklärt er. Das bedeute aber nicht, dass am Preis gerüttelt werden könne. „Der ist auf 1,5 Millionen Euro festgeschrieben“, betone der Hausverwalter. „Der Graf ist aber bereit, einen Sanierungszuschuss zu geben.“

Warum aber hätte der Stadtrat am Donnerstag nicht trotzdem über den vom Finanzausschuss vorliegenden Beschlussvorschlag abstimmen sollen? Um die Chancen für eine Abseits-Rettung zu erhöhen? „Nein“, sagt OB Tobias Eschenbacher. „Dabei handelt es sich um eine formelle Geschichte.“ Denn das Thema stand nicht auf der ursprünglichen Tagesordnung. Nur unter zwei Voraussetzungen ist in einem solchen Fall eine Abstimmung rechtlich gültig: wenn alle Stadträte in der Sitzung anwesend sind, oder wenn die Dringlichkeit es erfordert, wie der OB ausführt: „Durch die Fristverlängerung des Grafen war die Dringlichkeit nicht mehr gegeben.“

Und ist das nun für den Abseitsverein eine gute Nachricht? „Ich weiß nicht – vielleicht“, sagt Eschenbacher. Fakt sei, dass in der nächsten Ratssitzung, in der über das Abseits entschieden werden soll, als erstes der Empfehlungsbeschluss des Finanzausschusses zur Abstimmung gebracht werde. Der aber greift wohl zu kurz.

Birgit Mooser-Niefanger (Grüne) ist davon überzeugt, dass die Vertagung dem Abseitsverein geholfen hat. „Am Donnerstag wäre der Ausschuss-Beschluss durchgegangen. Es hätte vielleicht ein paar gegenseitige Anwürfe gegeben, aber das wäre es gewesen.“ Dass es anders kam, hat auch mit ihr zu tun. Denn laut Keller kam die Verlängerung der Frist im E-Mail-Dialog mit Mooser-Niefanger zustande. „Zu sagen, dass ich das geschafft habe, wäre zu viel der Ehre“, stellt sie klar. „Ich wollte mich nur mit ihm austauschen. Er war so freundlich, die Fristverlängerung vorzuschlagen.“

Seit Mooser-Niefanger es Anfang Januar geschafft hatte, den Grafen und die Kämpfer fürs Abseits trotz verhärteter Fronten an einen Tisch zu bekommen, fungiert sie als Maklerin zwischen allen Parteien. Sie hat aber auch selbst eine Meinung zum Thema: „Wir sollten noch mal ganz, ganz, ganz genau überlegen, was wir tun können, um die Spielstätte Abseits zu retten.“ Den Beschluss des Finanzausschusses hält sie nämlich für eine Sackgasse: „Weil er keinem weiterhilft.“ Sie glaubt an eine Lösung, die für möglichst alle politisch Aktiven tragbar ist. „Denn es fehlt ein lebendiges Zentrum in Neustift, und jeder Stadtteil braucht so etwas.“

Auch die CSU ist nicht geschlossen gegen die Rettung des Abseits mit öffentlichen Geldern. Kulturreferent Hubert Hierl wollte am Donnerstag im Stadtrat eine Lanze für den Abseitsverein brechen, wie er bestätigte. Denn: „Wir brauchen Räume für die Kultur in Freising.“ Er zieht den Vergleich zum Alten Gefängnis. Da habe die Stadt das Gebäude schließlich zur Verfügung gestellt. Und hier sei ebenfalls eine Gaststätte geschaffen worden, über die sich der Verein erhalte. Die Situation ist aus seiner Sicht also „durchaus vergleichbar“. Mehr noch: Der Abseitsverein sei sogar „noch viel entgegenkommender“, sagt Hierl. Schließlich wolle er das Gebäude auf eigene Rechnung kaufen und sanieren. „Wir sollten alles Mögliche tun, um das Abseits zu erhalten. Ich denke, dass wir jetzt noch einmal in Ruhe überlegen sollten. Dann werden wir sehen.“

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