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Fünf Jahre nach der Pleite

„Beim Schlecker war nichts normal“

Derzeit läuft das Insolvenzverfahren von Schlecker. Auch ehemalige Mitarbeiter aus dem Landkreis Freising verfolgen den Prozessverlauf mit Spannung. Sie haben nicht die besten Erinnerungen an ihre Zeit bei der Drogerie-Kette.

Landkreis – „Da drin beim Schlecker war nichts normal. Es war kein schönes Arbeiten, wir standen total unter Druck“, sagt Edith Huber. Zehn Jahre lang hat sie in der Filiale an der Herrnstraße in Moosburg gearbeitet. Und auch wenn sie 2012 nicht mehr angestellt war, als das Unternehmen Insolvenz anmelden musste – die Erinnerungen an die Zeit in der Filiale sind noch lebendig.

„Manchmal hat sich Anton Schlecker angekündigt, persönlich gesehen habe ich ihn allerdings nie“, berichtet Edith Huber. „Ich glaube, das war nur eine Masche, dass wir noch mehr Gas geben.“ In keinem seiner Drogeriemärkte soll der Patriach einen Telefonanschluss geduldet haben. Jedes Mal, wenn das Unternehmen eine neue Zweigstelle eröffnet habe, sei wenige Tage später der Apparat abgesteckt worden. „Auch wir in Moosburg hatten kein Telefon“, berichtet Edith Huber, die sagt, dass sie wegen der Arbeit bei Schlecker krank geworden sei. Schon allein deshalb ist sie der Meinung, dass der einstige Drogeriekönig eine entsprechende Strafe erhalten sollte.

Insgesamt habe es zwei Entlassungswellen nach Schließung der Schlecker-Filialen gegeben, erklärt Kathrin Stemberger, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Freising. Die erste war vor, die zweite nach dem 31. Mai 2012. Bei der für sie zuständigen Behörde haben sich damals 21 ehemalige Schlecker-Angestellte arbeitslos gemeldet. Insgesamt waren sicherlich mehr Leute davon betroffen, sagt sie. Diese wurden entsprechend ihres Wohnorts in anderen Landkreisen erfasst.

Was Freising betrifft, so konnten schon bis Oktober 2012 wieder elf Betroffene erfolgreich vermittelt werden – vornehmlich im Verkauf oder als Bürokraft, berichtet Stemberger. Die anderen hätten Weiterbildungsangebote genutzt – etwa Schulungen am PC oder für die Erstellung von Bewerbungen. Überhaupt habe man aufgrund des Arbeitsmarkts im Landkreis Freising die Betroffenen schnell wieder in Arbeit bringen können. Denn im Landkreis würden immer Leute im Verkauf gesucht. Und auch die Leerstände, die durch das Insolvenzverfahren von Schlecker im Landkreis Freising entstanden sind, konnten inzwischen überall beseitigt werden.

Das wurde aus den Schlecker-Märkten im Landkreis

In den letzten Wochen vor dem Aus wurden die Waren in den Schlecker-Märkten teilweise zu Spottpreisen verschleudert, um die Regale leer zu fegen. Danach gab es in den Städten und Gemeinden des Landkreises Freising zunächst einmal etliche Leerstände, ehe die Besitzer wieder verlässliche und langfristige Mieter gefunden hatten.

In Allershausen hat der nebenstehende Edeka-Markt an der Bürgermeister-Neumeyr-Straße seinen Getränkemarkt in den leer gewordenen Räumlichkeiten ausgelagert. In Hallbergmoos war vorübergehend die Firma Rampf, ein Raumausstatter, in den Räumen an der Theresienstraße, Ende des Jahres 2016 hat Ömer Barlas mit „M-Crew Friseure“ einen noblen Laden eröffnet.

Sportbekleidung gibt es im ehemaligen Schlecker-Laden in der Christl-Cranz-Straße in Neufahrn. Auch für die zweite Filiale am Marktplatz wurden mit einem Thai-Massage-Salon und den „English Learning Center“ Nachmieter gefunden

In Zolling stehen die Schlecker-Räume Am Sägewerk ebenfalls nicht mehr leer. Zum einen befindet sich dort der Rewe-Getränkemarkt, zum anderen mit Optik Planet ein Brillengeschäft.

Frisches Obst und Gemüse: Mehmet und Songul Zorlu führen den Karadeniz Market, der in der ehemaligen Drogerie-Filiale an der Herrnstraße in Moosburg untergekommen ist.

Türkische Spezialitäten und täglich frische Waren gibt es seit Oktober 2013 im Karadeniz Market im ehemaligen Schlecker-Drogeriemarkt an der Herrnstraße in Moosburg. Etwas länger hat es gedauert an der Münchner Straße: Nun wird dort im „Work’n’ Fun“ Arbeits- und Berufsbekleidung verkauft. Gähnende Leere herrscht dagegen an der Thalbacher Straße, seitdem der Versuch klägliche gescheitert ist, einen Sportartikelshop, speziell für den Eissport anzusiedeln.

Fünf Jahre lang hatte Sigurd Binkert aus Nandlstadt warten müssen, bis er neue Mieter gefunden hat. Das bedeutete: 60 Monate lang keine Mieteinnahmen. 60 000 Euro, die durch den Leerstand nicht auf sein Konto geflossen sind. Dank des Engagements seiner Tochter Zita gibt es aber nun wieder Leben im Erdgeschoss der Marktstraße 1: Die Musikschule Papageno hat Einzug gehalten, im Juli 2016 hat der Jugendtreff der Marktgemeinde zudem seine Pforten geöffnet, und darüber hinaus gibt es dort den von Nandlstädtern selbsterzeugten „Heiland“-Doppelbock-Bierlikör zu kaufen. Und sogar in Au werden die ehemaligen Schlecker-Räume an der Mainburger Straße bald einer sinnvollen Nutzung zugeführt. Der Dartsportverein, der schon lange auf der Suche nach einem Domizil war, hat in einer der jüngsten Sitzungen Grünes Licht vom Bauausschuss des Auer Marktrats bekommen.

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