Der Fünf-Minuten-Prozess

Wolfersdorf - Ein Hund brachte das Fass zum Überlaufen – denn zwei Frauen stritten sich fast bis aufs Blut. Das Verhältnis war schon zuvor angespannt. Vor Gericht ging dann aber alles ganz schnell.

Besser hätte es kaum laufen können. Kaum fünf Minuten benötigten Anklagevertretung und Verteidigung, um den wegen Bedrohung vor dem Amtsgericht Freising eingeleiteten Prozess einem Abschluss zuzuführen. Damit konnten dann schließlich beide Seiten leben.

Ihrer Schwägerin trachtete eine 51-jährige Kassenkraft aus Wolfersdorf im vergangenen Sommer nach Leib und Leben. Den Schädel drohte sie der Anverwandten auf dem heimischen Anwesen ein- und abzuschlagen. Wie man so hört, hatte die Schwägerin ihrerseits zuvor ihrem Hündchen ans Leder gewollt.

Anzunehmen ist, dass das Verhältnis der beiden Damen bereits angespannt war, als der Hund der 51-Jährigen bellend über den Hof wieselte. Angesichts des ungewohnten Tempos, in dem der Prozess über die Bühne gebracht worden war, war es kaum möglich, die Rasse, der der Hund angehört, zu bestimmen. Einmal bloß ist der Vierbeiner in der vom Staatsanwalt vorgetragenen Anklageschrift erwähnt. Den Lauten nach, so hieß es, war es entweder ein Chihuahua, eine mexikanische Hunderasse, die kleinste ihrer Art weltweit, oder ein japanischer Shiba.

An jenem 11. Juni 2015 telefonierte die Angeklagte gerade, während sie zum Fenster hinaus auf den Hof blickte. Gerade sah sie noch, wie die Schwägerin, offenkundig verärgert, ihrem Hund nachstellte. Er bellte ziemlich hochtönig, weshalb sie sich wohl gestört fühlte. Sie soll das Tier erst angeschrien, dann nach ihm getreten haben. Glücklicherweise verfehlte sie das arme Kerlchen. Ein Treffer hätte verheerend sein können.

Folgen dieser Art muss die Angeklagte wohl vor Augen gehabt haben, als sie ihrerseits wutschnaubend auf den Hof stürzte. Sie habe die Schwägerin zur Rede gestellt, gestand die 51-Jährige freimütig ein. An Bedrohungen jedweder Art könne sie sich aber nicht erinnern.

Dass die Damen noch vor Prozesseröffnung nach Wegen suchten, das Strafverfahren stilvoll beizulegen, gefiel Richter Michael Geltl. Genauso freute es ihn, dass ihm die Annäherung der beiden erlaubte, den Terminkalender des Gerichts mit einem ordentlich verkürzten Prozess zu entlasten. In einem Gewaltschutzverfahren waren beide Parteien im Vorfeld zu einem Vergleich gelangt, demzufolge man sich künftig gegenseitig mit Anstand ignorieren wolle. Die Damen sagten zu, sich nach Kräften aus dem Wege zu gehen. Die Abstandsverfügung stößt dort an ihre Grenzen, wo es um die zwar vergänglichen, bis dahin aber ziemlich übel riechenden Hinterlassenschaften des Hundes geht. Die Damen äußerten sich zuversichtlich, sich nicht mehr auf die Füße zu treten. Zumindest nicht mit Absicht.

Die Staatsanwaltschaft akzeptierte die von der Verteidigung daraufhin angeregte Sühnemaßnahme. Gegen eine Geldauflage über 700 Euro stellte das Gericht das Verfahren gegen die 51-Jährige ein. Die Angeklagte ist nicht vorbestraft.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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