Im Gespräch mit PI-Chef Ernst Neuner

Furcht ist unbegründet

Freising - Je mehr Asylbewerber aufgenommen werden, um so größer werden bei manchen Bürgern die Ängste: Man sorgt sich um die eigene Sicherheit und die seiner Kinder, man fürchtet Straftaten und Übergriffe. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Polizei-Chef Ernst Neuner schafft Klarheit.

Gab es schon Straftaten, die von Asylbewerbern begangen wurden? Und wenn ja, welche?

Klar gibt es Vorkommnisse. Aber das ist oft sehr subjektiv geprägt. Ein Beispiel: Wir bekommen die Meldung einer Frau, dass sie „angemacht“ wurde. Von Nötigung ist die Rede. Bei Nachfragen ergibt sich dann, dass ihr ein Mann 20 Meter lang gefolgt ist. Wäre das ein Deutscher gewesen, hätte man es uns sicherlich gar nicht mitgeteilt. Aber da sind Ängste da, die durch das Internet oder auch Facebook geschürt werden. Und wenn ein junger männlicher Asylbewerber einer Frau kurz mal an den Arm fasst, dann geht das nicht und überschreitet selbstverständlich eine Grenze, keine Frage, aber das sind eher unbeholfene Versuche junger Männer.

Wie hoch ist denn die Zahl der Straftaten, die von Asylbewerbern begangen werden?

Wir führen keine spezielle Asylbewerberstatistik. Aber bei insgesamt 2500 Straftaten, die wir hier bisher hatten, gehen Straftaten nur im niedrigen zweistelligen Bereich auf das Konto von Asylbewerbern. Selbstverständlich begehen Asylbewerber Straftaten – so wie andere Bevölkerungsgruppen und so wie Deutsche auch.

Aber es gab schon Konflikte unter den Asylbewerbern?

Solche internen Auseinandersetzungen gab es schon, ja. Aber das war alles unkritisch. Und man muss die Situation sehen: In den Turnhallen und Unterkünften ist es eng, die Menschen habe eine lange Reise und Odyssee hinter sich, sind hier ohne ihre Familien. Freilich erfahren wir nicht alle Konflikte, weil die oft schon im Vorfeld von den Betreuern erstickt werden. Und das ist auch gut so.

Manche haben Angst, dass bei den Asylbewerbern Drogen kursieren.

Drogen? Auch da sind Asylbewerber definitiv nicht auffällig. Wenn Drogen im Spiel sind, dann werden die von außen her in die Flüchtlingsunterkünfte gebracht, weil man mit den Flüchtlingen ein neues Geschäft wittert.

-Und wie sieht es mit Übergriffen auf Asylbewerber aus? Gab es da schon welche in Freising?

Nein, noch nicht. Wir hatten bisher zwei Schmierschriften gegen Flüchtlinge. Eine davon hatte einen deutlich rechtsradikalen Hintergrund, war aber an einem Ort, der kaum frequentiert und kaum einsehbar ist. Wir haben die Schmiererei auch gleich entfernen lassen.

Machen zentrale Unterbringungen die Lage schwieriger?

Ich bin zwar ein Anhänger der dezentralen Unterbringung, weil es dann weniger Zündstoff unter den Flüchtlingen untereinander gibt. Aber die zentrale Unterbringung hat zumindest den Vorteil, dass man mit Nachrichten und Mitteilungen mehr Asylbewerber auf einmal erreicht. Das macht die Arbeit etwas leichter.

Bereitet es Ihnen Sorge, wenn immer mehr Flüchtlinge kommen?

Es ist schon die Frage, wann es endet, wie lange die Lage dann noch stabil bleibt und was Freising noch verkraftet. Aber wenn die Lage und die Stimmung so bleiben, wie sie jetzt sind, kann ich mich nicht beschweren.

Gibt es eigentlich für die Polizei vor Ort einen Maulkorb von oben?

Nein. Gar nicht. Es gibt keine Vorgaben des Polizeipräsidiums. Es gelten auch jetzt die allgemeinen Regeln im Umgang mit der Presse und der Öffentlichkeit. Es ist schon klar: Wenn mal etwas Gravierenderes passieren würde, könnte die Stimmung kippen. Was wir wie rausgeben, das entscheiden wir täglich und bei jedem Einzelfall neu. Denn man muss schon aufpassen: Im Internet und Facebook kann eine Kleinigkeit dazu führen, dass die Stimmung kippt. Aber wie gesagt: Es gelten die bisherigen Regeln. Suizide werden nicht mitgeteilt oder wenn etwas aus ermittlungstechnischen Gründen nicht öffentlich werden darf.

Wenn wir als Zeitung zu einem bestimmten Vorfall nachfragen würden, was dann?

Wenn Sie anfragen, werden wir Sie nicht anlügen und nicht mit Informationen hinter dem Berg halten. Selbstverständlich werden wir keine Verdächtigungen aussprechen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt?

Die ist sehr gut, wir sind in ständigem Kontakt, der Austausch läuft bestens. Und auch die ehrenamtlichen Helfer sind sehr wichtig, das erleichtert uns die Arbeit sehr.

Andreas Beschorner

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