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Alte Vorurteile längst beseitigt: Anton-Henneka-Haus in Gelbersdorf feiert 60-jähriges Jubiläum

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Von: Nico Bauer

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Anton-Henneka-Haus in Gelbersdorf
Kleines, grünes Paradies: Die Anlagen und Gebäude des Anton-Henneka-Hauses werden liebevoll gepflegt. © Bauer

Seit 60 Jahren schon betreibt der Katholische Männerfürsorgeverein das Wohnheim in Gelbersdorf. Heute ist die Einrichtung moderner denn je.

Gelbersdorf – Wenn man durch diese wunderschöne, mit Liebe gepflegte Grünanlage mit den Häusern dazwischen läuft, fühlt man sich wie in der Anlage eines Urlaubsresorts. Tatsächlich steht die grüne Oase aber in Gelbersdorf in der Gemeinde Gammelsdorf. Und dort, im Anton-Henneka-Haus, finden obdachlos gewordene Männer eine neue Heimat. Am Donnerstag feierte man mit einem Jahr Corona-Verspätung das 60-jährige Bestehen der Anlage. Die Einrichtung ist heute moderner und wichtiger denn je.

Leiter Tassilo Winhart des Anton-Henneka-Hauses in Gelbersdorf
Leiter Tassilo Winhart: stolz auf die Gemeinschaft. © Bauer

Das Wohnheim Gelbersdorf zählt 46 Mitarbeiter und 62 Bewohner, die nicht nur vor Obdachlosigkeit beschützt werden, sondern auch in den Werkstätten die Gelegenheit zu einem beruflichen Neustart bekommen. Die Gäste beim Jubiläums-Festakt bekamen passenderweise als Präsent kleine Töpfe mit Kräutern, die in Gelbersdorf angebaut werden.

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Tassilo Winhart, der Leiter der Einrichtung, betonte den Stolz auf den Gelbersdorfer Kreislauf: „Es passt zusammen, dass wir hier das essen, was wir ernten.“ Der Chef des Hauses erklärte gegenüber den Gästen des Jubiläumsfests auch, dass dieses nicht selten unverschuldete Abrutschen in die Obdachlosigkeit jeden treffen könne. Gerade jetzt, in den geopolitisch schwierigen Zeiten mit Pandemie, Krieg und Inflation, könne alles noch schneller gehen – was das Anton-Henneka-Haus noch wichtiger mache.

Ehrengäste beim 60. Jubiläum des Anton-Henneka-Hauses in Gelbersdorf
Landrat Helmut Petz dankte dem Katholischen Männerfürsorgeverein für eine Arbeit, die nicht mit Geld aufgerechnet werden könne. © Bauer

Die Gäste zogen verbal ihren Hut vor der Arbeit, die in der kleinen Ortschaft Gelbersdorf geleistet wird. „Menschen brauchen eben mehr als Sachleistungen und Zuwendungen“, sagte Landrat Helmut Petz in seinem Grußwort. Und genau mit dieser Menschlichkeit kümmere man sich um diese Männer. „Die Gründe für das Leben hier sind so unterschiedlich wie die Bewohner selbst“, sagte Angele Jessel, Regionalkoordinatorin Wohnungslosenhilfe, die den Bezirk Oberbayern repräsentierte. In der Gelbersdorfer Einrichtung gehe man auf die Schicksale der Menschen ein und für diese Bedürfnisse könne es kein pauschales Angebot geben.

Bürgermeisterin erinnert an Anfangszeiten voller unbegründeter Vorurteile

Die für ihr sonniges Gemüt bekannte Gammelsdorfer Bürgermeisterin Raimunda Menzel erinnerte sich humorig an die ersten Tage der Anlage in einer ländlichen Gegend, in der man Neues grundsätzlich erst einmal kritisch beäugt: „Damals sagte man in Gammelsdorf noch, dass man sich weit weghalten soll von den Gelbersdorfern...“

Zwei verkleidete Frauen bei einem Sketch
Zwei Mitarbeiterinnen stellten in einem Sketch fest, dass Gelbersdorf viel schöner ist als Bibione. © Bauer

Diese Vorurteile sind längst beseitigt und man ist sich einig, dass dieses Haus eine Bereicherung für die Gemeinde ist. „Sie bieten Therapie und Nachsorge an“, sagte Menzel, „Sie sind der Fels in der Brandung. Und ich bin sehr stolz darauf, dass wir eine solche Einrichtung in unserer Gemeinde haben.“

Mit Manfred Maurer trat dann auch ein Bewohner an das Rednerpult. Er gab der Ortschefin und dem Landrat unter anderem eine Hausaufgabe mit auf den Heimweg: „Vielleicht können wir ja auch einmal über eine kleine Busanbindung für Gelbersdorf diskutieren.“

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