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Die Gemeinde mitgestalten: Rund 60 Gammelsdorfer waren zur Bürgerversammlung gekommen, um mit dem Rathauschef zu diskutieren.

Paul Bauer berichtet aus dem Gemeindejahr

Bürgerversammlung Gammelsdorf: Zwischen Kita-Ausbau und Radweg-Frust

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Von Europa nach Gammelsdorf: Gammelsdorfs Ortschef Paul Bauer sprach bei der Bürgerversammlung viele Themen an.

Gammelsdorf – Der Bogen, den Bürgermeister Paul Bauer bei der Bürgerversammlung in Gammelsdorf am Dienstag spannte, war weit: Er reichte von Europa über die Asylproblematik bis hin zu dem Appell an die Grundstückbesitzer, ihre Hecken und Sträucher zurückzuschneiden. 40 Minuten referierte der Rathauschef im Gasthaus Pichlmeier vor rund 60 interessierten Bürgern.

Sein Vortrag begann mit einem Lob für Europa und der Aufforderung, am 26. Mai zur Wahl zu gehen. Weiter ging der Blick zum Freistaat. „Bayern wird grüner, Bayern wird bunter“, stellte der Bürgermeister fest. Für ihn sei das kein Problem – „solange Bayern nicht populistischer und unberechenbarer wird“. Ein weiterer Appell: Das Sich-Kümmern um die Ängste vor „sozialer Ungerechtigkeit, Überfremdung und vor weiterem Zustrom in unserem Land“ dürfe man nicht den Populisten überlassen. Bauer warnte auch davor, dass Versprechen der Politik nicht allein „am Ende der Kette von den Gemeinden gelöst werden“ müssten.

So schaffte der Rathauschef den Übergang nach Gammelsdorf: Was die finanzielle Lage betreffe, konnte er „ein durchaus positives Resümee“ ziehen. Die Einnahmeseite sei stabil, Ende 2018 habe man den Rücklagenstand um 200.000 Euro auf erfreuliche 1,2 Millionen Euro steigern können. Jedoch habe man für die Investitionen nach Jahren der Schuldenfreiheit wieder zwei Millionen Euro an Krediten aufnehmen müssen.

Laut den Messdaten seien derzeit 1540 Personen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in der Gemeinde gemeldet, davon 726 weiblich. 108 Bürger mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft lebten dort, 22 Nationalitäten seien vertreten. Die im Gemeindegebiet eingerichteten Asylunterkünfte seien zwischenzeitlich vom Landratsamt Freising aufgelöst worden. Bauer dankte allen Ehrenamtlichen für die reibungslose Unterbringung und Betreuung von bis zu 40 Asylsuchenden.

Von Europa nach Gammelsdorf: Bürgermeister Paul Bauer sprach in seinem Vortrag viele Themen an.

Was die Kinderbetreuung angeht, besuchten derzeit 47 Kinder den örtlichen Kindergarten. Für 13 Kinder, die in Einrichtungen außerhalb des Gemeindegebiets betreut würden, müsse die Gemeinde zahlen. Die aktuellen Geburtenzahlen hätten die Kommune nun veranlasst, sich über einen Kindergarten samt Kinderkrippe Gedanken zu machen. An der Friedrichstraße habe man ein Grundstück vorgesehen, ein Freisinger Architekturbüro sei mit der Konzeption beauftragt worden. Drei Kindergarten- und zwei Krippengruppen benötige man. Im jetzigen Kindergarten soll dann eine Hortgruppe untergebracht werden. Die Inbetriebnahme der Kindertagesstätte soll zu Beginn des Kindergartenjahres 2021/2022 erfolgen.

Die auch in Gammelsdorf spürbare Nachfrage nach bezahlbaren Wohnbaugrundstücken habe die Gemeinde veranlasst, an die Ausweisung von Bauland entlang der Friedrichstraße zu gehen – dort, wo auch die Kindertagesstätte entstehen soll. 43 Parzellen stünden zur Verfügung, Anfang Mai werde man mit der Erschließung starten.

Nicht recht weiter komme die Gemeinde dagegen mit dem Vorhaben, einen durchgehenden Radweg bis Reichersdorf zu bauen. „Trotz intensivster Verhandlungen“, so ein leicht frustrierter Bauer, sei es bisher nicht möglich gewesen, alle benötigten Grundstücke zu erwerben. Das erboste in der anschließenden Diskussion einige Bürger. Enteignung wurde sogar gefordert, etwas, das laut Bauer aber für einen Radweg nicht möglich sei – selbst, wenn es um die Verkehrssicherheit gehe.

Und dann noch etwas Positives: 135 Prozent des in der Gemeinde verbrauchten Stroms würden aus erneuerbaren Energien erzeugt – ein Erfolg, der noch größer wird, wenn bei Reith und Gabelsberg weitere Photovoltaikanlagen mit insgesamt über 27 Hektar Modulfläche entstehen. Schon allein deshalb hofft man in Gammelsdorf auf sonnige Zeiten.

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