Uwe Schnee hat den NABA-Verlag gegründet. Das erste erschienene Buch ist „Belbo“.
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Uwe Schnee hat den NABA-Verlag gegründet. Das erste erschienene Buch ist „Belbo“.

Interview

Gammelsdorfer (76) gründet eigenen Verlag - Der erste Titel „Belbo“ ist ein ganz spezielles Kinderbuch

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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Wo andere ihren Ruhestand genießen, ist Uwe Schnee hochaktiv: Der 76-jährige Gammelsdorfer gründete jetzt einen Verlag - und hat damit noch große Pläne.

Gammelsdorf – Den Büchermarkt neu aufmischen: Das ist das Ziel von Uwe Schnee aus Gammelsdorf. Der 76-Jährige hat vor Kurzem seinen eigenen Verlag gegründet. Denn der Ist-Zustand in der Branche hat ihn nicht zufriedengestellt, wie er im Interview erzählt.

Freisinger Tagblatt: Herr Schnee, wo andere es langsam ruhiger angehen lassen, gründen Sie mit 76 Jahren Ihren eigenen Verlag. Wie kam’s dazu?

Uwe Schnee: Meine Tochter Stephanie ist Lehrerin und schreibt seit längerer Zeit hobbymäßig Kinderbücher. Sie hatte sich vor fünf Jahren einem Verlag angeschlossen, der aber überhaupt keine Anstrengungen unternommen hat, die schönen Bücher zu vermarkten. Vor einem Jahr bin ich außerdem von Murnau zu meinen Töchtern nach Gammelsdorf gezogen. Wissen Sie, bevor ich als Ruheständler im Sessel sitze und nach dem Frühstück ans Mittagessen und dann ans Abendessen denke, da mach’ ich lieber was. Und weil ich von der Qualität der Bücher meiner Tochter überzeugt bin, hab’ ich mir gedacht: Jetzt probiere ich es selbst, den Verkauf mit eigenen Mitteln aufzubauen.

Ihre Firma heißt NABA – wofür steht das?

Das ist ein Kunstname, der einfach aus zwei Vokalen und zwei Konsonanten entstanden ist und eine hohe Merkfähigkeit besitzt. Der Name ist nicht etwa bei einem Glas Rotwein entstanden, sondern während fünf Minuten still sitzen auf dem Sofa (lacht).

Wie schwer ist es, einen Verlag aus der Taufe zu heben?

Sehr schwer, weil das Verlagswesen sehr konservativ ist. Ich habe monatelang überlegt: Wie können wir einsteigen und uns etablieren? Für das Konzept habe ich mir viel Zeit gelassen – und ich wurde von einem Verlagsprofi als Coach unterstützt, um Fehler zu vermeiden, mich für das Thema zu sensibilisieren und richtig zu positionieren.

Uwe Schnee wollte sich nicht mit seiner Rolle als Ruheständler abfinden – und betrat Neuland.

Und wie wollen Sie das schaffen?

Ich möchte behutsam und systematisch eine kleine Infrastruktur aufbauen. Alles, was man an externe Dienstleister verteilen kann, wird delegiert. Also beispielsweise die Distribution oder der Druck. Ich muss das Rad nicht neu erfinden, sondern führe nur die Regie, überwache und steuere.

NABA beschränkt sich auf die fünf Kernthemen Bildung/anspruchsvolle Kinderliteratur, ganzheitliche Medizin, Gesundheitsprophylaxe, Kommunikation und Agrarpolitik. Weshalb dieser sehr bunte Mix?

Kinderbücher alleine fand ich nicht ausreichend, als ich den Markt analysiert habe. Ich dachte mir daher: Der Verlag wäre vielleicht auch etwas für mich, um meine Hobbys und Überzeugungen thematisch einfließen zu lassen. Nach meiner Ausbildung in der Agrarpolitik war ich vier Jahrzehnte in leitender Funktion in der Pharmaindustrie tätig. Dazu habe ich mich sehr intensiv mit ganzheitlicher Medizin auseinandergesetzt. Und so ist letztlich das Konzept des Verlags entstanden.

Aber wie passen Kinderbücher und medizinische Sachbücher zusammen?

Sie haben recht, das sind sehr unterschiedliche Themen. Sie laufen zwar unter einem Dach, aber auf verschiedenen Stockwerken. Bei den Kinderbüchern geht es außerdem nicht nur um lustige Lektüre zum Zeitvertreib. Sondern die Bücher enthalten immer übergeordnete Gesichtspunkte – sie sollen den Kindern eine Hilfestellung geben, sich sozial und intellektuell weiterzuentwickeln.

Wo liegt Ihr Ansatz bei Gesundheitsprophylaxe und ganzheitlicher Medizin?

Beides sind ja keine Nischenthemen, sondern sie tangieren die gesamte Gesellschaft. Ich möchte mich hier als Lektor und Herausgeber einbringen und mit fähigen Autoren fundierte Debattenbeiträge liefern. Denn es herrscht ein großes Problem: Es gibt sehr viel analytischen, guten Sachverstand in den unterschiedlichen Bereichen. Aber bislang führt das Wissen niemand zusammen. Ich werde in Kürze eine Preisschrift herausgeben. Dafür habe ich Ärzte und Heilpraktiker mit der Frage angeschrieben, wie aus ihrer Sicht eine ganzheitliche, individuelle Medizin aussehen sollte – und sehr viele Zuschriften bekommen.

Sie suchen aktuell auch noch nach „unbekannten Autoren mit überdurchschnittlichem Potenzial“. Ausdrücklich ausgeschlossen sind Esoterik und Verschwörungstheorien...

Bei der Esoterik handelt es sich ja um Aussagen, die wissenschaftlich nicht abgesichert sind. Was nicht heißt, dass hier nicht auch mal kluge Gedanken geäußert werden. Es werden aber viele Halbwahrheiten als fundiertes Wissen verbreitet. Das würde mich zu viel Zeit, Kraft und Überzeugungsarbeit kosten, da wirklich neue fundierte Ansatzweisen herauszufiltern. Und mit Verschwörungstheorien will ich überhaupt nichts zu tun haben.

Sprechen wir über das Erstlingswerk: „Belbo – Der Hund mit Menschenfüßen“. Was steckt hinter dieser Geschichte?

Es ist als Vorlesebuch oder für Kinder, die bereits selbst lesen können, gedacht. Belbo ist ein Hund, der nicht mit Pfoten, sondern Menschenfüßen zur Welt gekommen ist. Das erregt bei manchen natürlich Entzücken – bei anderen aber totale Ablehnung. Am Ende der Geschichte sind alle derart von diesem Hund, der so anders ist, begeistert, dass er sich darüber freut, anders zu sein. Das Thema ist also Toleranz. Kinder lernen mit diesem Buch, dass anders zu sein ein Vorteil sein kann.

Der erste Titel, der im neu gegründeten NABA-Verlag erschienen ist: „Belbo – Der Hund mit Menschenfüßen“ wurde von Uwe Schnees Tochter Stephanie geschrieben.

Gibt es auch eine Botschaft an die Eltern, die das Buch vorlesen?

Ja, indirekt. Auch sie werden sensibilisiert. Darüber hinaus ist meiner Tochter die sprachliche Qualität ein großes Anliegen. Denn die moderne Kommunikationstechnik führt zum Verkümmern der Sprachqualität. Dabei wird die Kommunikationsfähigkeit ein immer wichtigerer Faktor in unserer Gesellschaft.

Interview: Armin Forster

Infos zum Buch „Belbo - Der Hund mit Menschenfüßen“ von Steffi Schnee

Belbo ist ein süßer Hund, der zur Überraschung aller mit Menschenfüßen geboren wurde. Seine Familie liebt ihn so, wie er ist – doch andere hänseln ihn. Er findet aber schließlich sein Glück als Schuhverkäufer und kann seine Menschen mit dem verdienten Geld sogar unterstützen. Ein Buch, das um Toleranz wirbt und aufzeigt, dass Anderssein auch eine riesige Chance sein kann. Die liebevoll illustrierte Geschichte (44 Seiten, Hardcover, 17,90 Euro) ist geeignet für Kinder ab drei Jahren und im Buchhandel erhältlich. Die ISBN-Nummer lautet 978-3982220208.

Infos zum NABA-Verlag von Uwe Schnee aus Gammelsdorf

In der Gründungsphase des jungen NABA-Verlags werden noch unbekannte Autoren „mit überdurchschnittlichem Potenzial“ gesucht. Weitere Details finden sich unter www.naba-verlag.de.

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