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Nach getaner Arbeit gönnen sich Georg Kastl, Hans Kastl und Aurel Ulrich (v. l.) von den Sempter Böllerschützen eine Erfrischung aus dem Kini-Krug.

Versammlung der Königstreuen

Gammelsdorfer Patriotentreffen: „Kaltes Grausen“ beim Blick nach Berlin

Gammelsdorf - „Heimat gibt Halt“, lautet das Credo von Oberpatriot Stefan Jetz beim Verbandstreffen vor über 200 Königstreuen in Gammelsdorf. In Zeiten von Kriegen, Terror und vielen Wirrungen halten sie die Fahne für die Heimat und das Brauchtum hoch.

Der Weg nach Gammelsdorf am dritten Samstag im Januar ist stets Pflichttermin für Patrioten. Aus Weißenburg in Mittelfranken, Mauerstetten im Allgäu, Kreuzwertheim in Unterfranken, Altötting in Oberbayern und Rohrmünz im Bayerischen Wald starten auch am vergangenen Sonntag Busse und Fahrgemeinschaften Richtung Gammelsdorf – also in jenen Ort, an dem Bayern durch die gewonnene Schlacht im Jahre 1313 einst vor österreichischer Fremdherrschaft bewahrt wurde. Was der Volksschriftsteller Georg Lohmeier in 1973 als „Exclamation von Gammelsdorf“ ins Leben rief, hat auch heute noch Zugkraft bei vielen Verehrern des Hauses Wittelsbach, Königstreuen und Bayernliebhabern.

Kranzniederlegung: Gammelsdorfs Bürgermeister Paul Bauer, Patrioten-Landesvorsitzender Stefan Jetz und Cheforganisator Matthias Bauer (v. l.) sind beim Marsch zum Denkmal mit von der Partie. Dort wird jährlich den Opfern der Schlacht von 1313 gedacht.

Die patriotische Blutzufuhr bekommt der ganze Ort zu spüren. Ab 13.15 Uhr wird nämlich zum Marsch geblasen, was seit Jahrzehnten die Stadtkapelle Moosburg um Max Süßmeier erledigt. „Alles für die Heimat“ und „Mein schönes Vaterland“ heißen die Stücke, die die Vereine mit ihren Fahnen und Standarten hinauf zum Schlachtendenkmal am Ortsrand ziehen lassen. Der Tross mit Teilnehmern in Lederhosen, historischen Uniformen sowie Strick- und Trachtenjacken zieht sich den langgezogenen Berg hinauf, der Blick auf schneebedeckte Felder lässt das pochende Patriotenherz trotz der Eiseskälte erwärmen.

Dann wird es still. Es folgt die symbolische Kranzniederlegung am Denkmal, garniert mit gedämpfter Blasmusik und Schüssen von einem halben Dutzend Böllerschützen. Die Hüte abgenommen, die Fahnen gesenkt, versteht sich von selbst. In kurzen Worten erinnert Stefan Jetz an die damaligen Opfer, ebenso an König Ludwig II.: „Der hasste den Krieg, er hat lieber Schlösser gebaut“.

Zu Ehren der Gefallenen schicken die Böllerschützen im Hintergrund ein Salut in den Himmel. In historischen Uniformen ist auch eine Abordnung des „Schweren Reiter Regiments“ aus Landshut vertreten.

Die Fortsetzung von Jetz’ Gedanken gibt es wenig später im Saal des Gasthauses Pichlmeier. „Der, der weiß, wo er herkommt, hat Zukunft“, sagt Jetz und greift verschiedene Themen auf, vom 500 Jahre alten Reinheitsgebot, das eingeführt wurde, „weil einige wegen des Geldes willen gepantscht haben“, bis hin zur Blutspur der Kriege, die vornehmlich immer die „kleinen Leute“ treffe und getroffen habe.

Applaus brandet auf, als Jetz auf Berlin zu sprechen kommt, wo ihm das „kalte Grausen“ beim Blick auf manchen „oreidigen“ Politiker komme. „Wir sind nicht ausländerfeindlich, wir möchten nur unsere bodenständige Kultur erhalten“, sagt Jetz. Deshalb würden viele Menschen mit den Patrioten sympathisieren: „Weil wir Heimatliebe, Tradition und Offenheit miteinander verbinden“. Der kernigen Rede folgt der kraftvolle Gesang der Bayern-Hymne aus über 200 Kehlen. Fast selbstredend, dass an diesem Tag die Urfassung aus dem Jahr 1860 mit der „Königsstrophe“ gesungen wird: „Gott mit ihm, dem Bayernkönig, Segen über sein Geschlecht“.

Martin Hellerbrand

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