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Blick hinter die Kulissen: In den Werkstätten informierten sich die Besucher über den Alltag der Bewohner.

Tag der offenen Tür im Anton-Henneka-Haus

Im grünen Paradies wieder zu sich finden

Wenn im Leben einiges nicht nach Plan läuft, besteht im „grünen Paradies“ von Gelbersdorf die Chance für einen Neuanfang. Beim Tag der offenen Tür informierten sich Hunderte von Gästen darüber, wie Menschen nach dem Absturz in die Obdachlosigkeit aufgefangen werden.

Gelbersdorf 62 Männer leben derzeit im Anton-Henneka-Haus – und jeder hat seine eigene Schicksalsgeschichte. Im Großraum München mit einem hohen Preisniveau und explodierenden Mieten gibt es viele Menschen, bei denen nichts schiefgehen darf. „Der Verlust von Arbeit kann jedem passieren“, sagt Tassilo Winhart, Leiter der Gelbersdorfer Einrichtung des Katholischen Männerfürsorge-vereins (KMFV). Obdachlose landen schnell ins Gefängnis, weil für eine Haftanordnung schon ein kleiner Diebstahl im Rausch oder Schwarzfahren in öffentlichen Verkehrsmitteln reicht. „Zu uns kommen die Menschen allerdings freiwillig“, betont Winhart.

Bei der Vita der Männer bewertet Winhart die Vorgeschichten individuell – und setzt auch auf die Nachbarschaft in dem Gammelsdorfer Ortsteil. Der Leiter des Anton-Henneka-Hauses freut sich über die guten Beziehungen und war stolz, dass die Nachbarn an dem Tag ebenfalls vorbeischauten. Die Bewohner des Hauses spielten ein Fußballturnier mit Altherrenmannschaften aus der Umgebung und Auswahlteams anderer KMFV-Einrichtungen. Zudem zeigten die Bewohner stolz die Resultate ihre Arbeit.

So werden in Gelbersdorf etwa Trennwände für Bienenstöcke aus Wachs gegossen und individuell zugeschnitten. Viele Imker aus der Region sind treue Kunden des Anton-Henneka-Hauses.

Die Gäste beim Tag der offenen Tür bekamen Führungen durch die Werkstätten, die für viele der Bewohner den ersten Schritt zur Rückkehr in ein eigenständiges Leben bedeuten. „Gerade bei Männern ist es sehr wichtig, mit Erfolgserlebnissen bei der Arbeit neues Selbstbewusstsein aufzubauen“, sagt Tassilo Winhart. Hinter der Wohnanlage gibt es nicht nur einen schönen Fußballplatz, sondern auch ein grünes Paradies mit einem umfangreichen Gemüseanbau. Von den Ernteerträgen werden die Bewohner in den Sommermonaten zu einem großen Teil ernährt. Die Einrichtung des KMFV hat aber auch die Option, Bewohnern das Wohnrecht bis zum Lebensende zuzusprechen. Dafür hat man sogar einen eigenen Friedhof.

Zum Tag der offenen Tür empfahl sich die Einrichtung nicht nur den Bürgern – sondern auch mittelständischen Firmen, für die die Werkstätten ein Partner mit Herz und Flexibilität sein können.

Nico Bauer

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