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Auch nicht die geringste Schwäche leistete sich das Gebirgsmusikkorps in der fast ausverkauften Luitpoldhalle.

Das Gebirgsmusikkorps begeisterte in der Luitpoldhalle

Ein Konzert von seltener Brillanz

Das Benefizkonzert des Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr am Dienstagabend in der fast ausverkauften Luitpoldhalle passte nahtlos in die Reihe der Vorgängerkonzerte: Es war von überragender Qualität.

Freising Die „Stammkundschaft“ weiß hier genau, dass das Bundeswehrorchester extreme musikalische Qualität bietet. Oberstleutnant Karl Kriner, zum wiederholten Mal am Dirigentenpult – einst als Chef des Luftwaffenmusikkorps aus Neubiberg und jetzt im Waffenrock der Gebirgsjäger – präsentierte die von ihm ausgewählten Stücke in bewährter Moderation. Was es dann auf die Ohren des erwartungsfrohen Publikums gab, war wieder konzertant dargebotene Musik, gespielt von Musikern, denen man gerne höchste Qualität an ihren Instrumenten bescheinigen kann.

Mit dem Marsch „Eherne Wehr“ hatte Kriner ein eher unbekannteres Werk von Georg Fürst ausgewählt, das aber zum Auftakt mit wuchtigen Klängen beeindruckte. Die nachfolgende Ouvertüre zur „Leichten Kavallerie“ von Franz von Suppé gehört wohl zu den bekanntesten Werken des österreichischen Komponisten. Ein Stück, das jedes Blasmusiker-Herz höher schlagen lässt. Der schmetternden Fanfare der Blechbläser am Anfang folgt im zweiten Teil die anspruchsvolle Passage für die Holzbläser. Nach Kavalleriemarsch und dem temperamentvollen Czardas gibt’s am Schluss der Ouvertüre nochmal den Kavalleriemarsch, der in einem Finale furiose endet. Die Musiker zeigten, wie auch in den nachfolgenden Stücken, nicht den Hauch einer Schwäche – einfach souverän.

Die „Stammkundschaft“ in der Luitpoldhalle genoss jedes der ausgewählten Stücke.

Mit „Goodspeed“ von Stephen Melillo wurde ein Musikstück der Moderne als Kontrapunkt gesetzt. Energiegeladene Klänge wurden vom stillen Gebet jäh unterbrochen, um am Ende einen triumphalen strahlenden Schluss zu setzen. Der Marsch „An der Rawka“ von Ernst Stieberitz war der Schlacht an dem Fluss Rawka in Polen nahe der Stadt Lowicz 1914/15 gewidmet. Jene Schlacht, bei der die Deutschen erstmals Giftgas einsetzten. In diesem Marsch verarbeitete der Komponist seine Erlebnisse in vielen Schlachten. Vor der Pause gab es das viersätzige Werk „Puszta“ des Belgiers Jan van der Roost zu hören. Durch temperamentvolle Tempi-wechsel gelang es van der Roost, den feurigen Charakter der Zigeunermusik hervorragend zu spiegeln.

Grandios dann der Beginn des zweiten Teils mit dem Marsch „Royal Salute“ von Richard Waterer. Wenn man bei diesem Konzert der Gebirgsjäger überhaupt ein Highlight hervorheben mag, dann war es das Solo von Stabsfeldwebel Michael Luther und seinem Euphonium. Mit den „Bluebells of Scotland“ zeigte der Solist sein musikalisches Feingefühl und ein Höchstmaß an Virtuosität – auch wegen der großen Intervallsprünge bis zu dreieinhalb Oktaven – Luther meisterte diese Sprünge allesamt mit Bravour.

Große Filmmusik von Martin Böttcher erfüllte schließlich die Luitpoldhalle. Dessen mitreißende Klänge kennt jedermann und man konnte glatt Winnetou und seinen Blutsbruder Old Shatterhand über die Prärie reiten sehen. Am Schluss erklang der Taxis Marsch aus der Feder des fränkischen Militärkapellmeisters Christian Anton Kolb. Aber ohne Zugabe wurden die Musiker und Musikerinnen nicht entlassen. Da stand der Bayerische Defiliermarsch auf dem Zettel, in einer Brillanz gespielt, wie man ihn nur selten hört. Schließlich beendete der Marsch der „Soldaten des Robert Bruce“, ein Konzertmarsch, der wunderbar auch als Serenade beim Zapfenstreich zur Geltung kommt, das Konzert in der Luitpoldhalle. Robert Bruce war bis zu seinem Tode im Jahr 1329 König von Schottland und er schlug mit seinen Dudelsackpfeifern den englischen König Edward II und sicherte damit den Schotten die Unabhängigkeit.

Heinz Mettig

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