Hebamme Evelin Altenbeck musste das Moosburger Geburtshaus schließen. Der kleine Vincent ist das letzte Baby, das in diesem Bad auf die Welt kam. Foto: Albrecht

Geburtshaus in Moosburg ist Geschichte

Moosburg - Das Geburtshaus in Moosburg musste seine Pforten schließen. Der Grund: Der Beitrag zur Haftpflichtversicherung für selbstständige Hebammen ist in den vergangenen zehn Jahren um das 20-fache gestiegen.

Als der kleine Vincent am 25. März um 10.40 Uhr das Licht der Welt erblickte, da war das für Hebamme Evelin Altenbeck nicht nur ein Grund zur Freude. „In dem Moment war ich schon nah am Wasser gebaut“, sagt die 42-Jährige. Denn sie wusste: Das war das letzte Kind, das im Geburtshaus in Moosburg zur Welt gekommen ist. Weil die Haftpflichtversicherung für Hebammen, die Geburtshilfe leisten, zum 1. Januar auf rund 3600 Euro im Jahr gestiegen ist, muss Altenbeck aufgeben: „Ich biete jetzt nur noch Kurse sowie Vor- und Nachsorge an.“

Seit eineinhalb Jahren denkt sie nun bereits darüber nach, mit der Geburtshilfe aufzuhören. Denn es sei absehbar gewesen, dass die Versicherungssumme enorm steigen wird. „Vor zirka neun Jahren lag der Jahresbeitrag noch bei 500 Euro“, erzählt die Hebamme. Mittlerweile sind es 3600 Euro. „Da muss man ja fast schon für seinen Beruf bezahlen“, ärgert sich Altenbeck. Denn, so rechnet sie vor, für eine Niederkunft im Geburtshaus bekomme eine Hebamme 445 Euro - für bis zu elf Stunden Arbeit.

Grund für die massive Erhöhung ist laut Altenbeck, dass die Krankenkassen immer öfter vor Gericht ziehen, wenn ein Kind nach der Geburt behindert ist. Denn die dann notwendige hochtechnisierte Intensivmedizin sei extrem teuer. Das Geld holt man sich von den Hebammen zurück. Mit einer Petition habe man sich an den Bundesgesundheitsminister gewandt, „aber Herr Rösler sieht keine Notwendigkeit einzugreifen“. Die 42-Jährige zog die Konsequenzen und kündigte den Mietvertrag für den zweiten Stock ihres Domizils an der Thalbacher Straße. Übrig bleibt die Hebammenpraxis mit Räumen für Kurse wie Babymassage und ähnliches.

Genau damit hatte Altenbeck 1994 auch begonnen. Das Geburtshaus gibt es seit 13 Jahren - und wurde gegen viele Widerstände eingerichtet. „Es war für Frauen gedacht, die nicht in einer Klinik, aber auch nicht daheim entbinden wollten“, erklärt die 42-Jährige. Zunächst habe sie dafür ein Haus von der Stadt anmieten wollen. Doch gerade von Seiten der Ärzte gab es große Bedenken. „Es wurde behauptet, die Stadt als Vermieterin gaukle Sicherheit vor, und wir bekamen es nicht vermietet. Wir wurden sogar als Kindsmörderinnen hingestellt.“ Doch es fanden sich andere Räumlichkeiten.

„Wir hatten zwischen zehn und 30 Geburten pro Jahr bei uns“, sagt Altenbeck. Zusätzlich wurden viele Frauen betreut, die ihre Kinder zu Hause bekommen wollten. Damit ist es jetzt vorbei. „Für den ganzen Landkreis sind nur noch vier Hebammen da, die Hausgeburten übernehmen, drei davon kommen aus der Hebammenpraxis in Taufkirchen.“ Das findet Altenbeck schlimm. Und deshalb will sie das Projekt Hausgeburt auch nicht für immer aufgeben. Die Hebamme hofft weiterhin auf Hilfe von Seiten der Politik: „Ich habe hier nicht für alle Ewigkeit abgeschlossen mit der Geburtshilfe.“

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