Im Gedenken an die Opfer des Stalag VII A

Moosburg - Sie trugen weiße und rote Rosen. Sie gingen den Weg, den Tausende im Zweiten Weltkrieg auch gegangen sind. Doch der Marsch, der damals Kriegsgefangene ins Stalag VII A führte, führte die Gäste der Gedenkfeier anlässlich der Befreiung des Stammlagers vor 70 Jahren zur neu gestalteten Gedenkstätte.

Heute heißt sie Sudetenlandstraße. Bis vor 70 Jahren war sie die Hauptstraße eines der größten Kriegsgefangenenlager in Deutschland: Stalag VII A in Moosburg. Am 29. April 1945 haben amerikanische Soldaten der 14. Panzerdivision die Gefangenen befreit. 70 Jahre später erinnerten nun am Samstag die Stadt Moosburg und der Verein Stalag Moosburg e.V. an dieses Ereignis: eine bewegende, eine würdige Feier, die mit der offiziellen Benennung der Grünfläche am so genannten Franzosenbrunnen als „Stalag-Gedenkplatz“ seinen Höhepunkt fand.

Es war ein eindrucksvolles Bild: Nacheinander legten die Gäste nach dem Marsch über die Sudetenlandstraße weiße und rote Rosen an der neu gestalteten Gedenkstätte nieder. Acht Konsuln aus ganz Europa und der amerikanische Generalkonsul William Moeller waren gekommen, um mit Vertretern der heimischen Politik des Jahrestages der Stalag-Befreiung zu gedenken. Doch auch die Jugend, also die Urenkel-Generation, verlieh dem Tag Würde und Tiefgang: Sieben Schüler der Seminargruppe Stalag VII A des Moosburger Gymnasiums trugen in sieben Sprachen - von Deutsch über Russisch, Englisch und Französisch bis Serbokroatisch, Polnisch und Italienisch - einen kurzen Text vor: „Wir gedenken der Gefangenen in Stalag VII A in Moosburg. Denn nur wenn wir uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen, können wir unsere Zukunft und die eines vereinten und friedlichen Europas mitgestalten.“ Zu Klängen von Beethovens „Ode an die Freude“, also der Europahymne, wurde die Gedenktafel mit dem neuen Namen des Platzes dann von den Schülern und Bürgermeisterin Anita Meinelt enthüllt. Ein wahrlich feierlicher Moment.

Die Erinnerung und das Gedenken an die schrecklichen Ereignisse während der Nazi-Herrschaft als zentrale Voraussetzung für Frieden in Europa - das klang am Samstag bei mehreren Reden und Ansprachen durch. Meinelt: „Wir müssen gemeinsame Wege finden. Wir müssen dabei auch mehr denn je aufpassen, dass uns die Geschichte nicht einholt. Dazu ist es erforderlich, dass wir alle zusammenhalten und zeigen, dass wir alle solidarisch für Frieden und Freiheit eintreten und uns Menschenrechte und Menschwürde etwas wert sind.“ Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer: „Wir dürfen dem Geschenk der Freiheit und des Friedens aber nicht gleichgültig gegenüberstehen, sonst sind wir verdammt, es abermals zu verlieren.“ US-Generalkonsul Moeller ging besonders auf die Rolle der USA ein: Am 29. April 1945 seien die US-Truppen als Sieger und Besatzer gekommen, bald seien sie jedoch zu Freunden und Verbündeten geworden, Bayern sei so auch zur Heimat der Vertriebenen aus dem Osten geworden. Dass die Amerikaner Teil des „beispiellosen Aufstiegs Bayerns“ sein durften, mache ihn und seine Landsleute stolz, gab Moeller zu. Und er lobte die „vorbildliche Erinnerungsarbeit“. Nicht nur in Deutschland. Auch in Moosburg.

Dass die Forschungsarbeit zum Stalag VII A „herausragend“ sei, bescheinigte der Wiener Militärhistoriker Hubert Speckner den Moosburgern in seiner Ansprache. 85 solcher Stammlager habe es im Reichsgebiet gegeben, 2,8 Millionen Kriegsgefangene waren im Juni 1944 interniert - 18 000 davon in Moosburg. Dass 95 Prozent der Gefangenen arbeiten mussten, sei zwar eine „harte Herausforderung“ gewesen, so Speckner, habe aber auch das Überleben gesichert. Trotzdem: Tausende, vor allem Russen, kamen in Moosburg um. Auch an sie erinnert nun der „Stalag-Gedenkplatz“. (zz)

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