Gedenktag: Vor 75 Jahren ging das Kriegsgefangenenlager in Moosburg in Betrieb

Moosburg - Die Zeiten in denen man in Moosburg die Existenz des Kriegsgefangenenlagers „Stalag VII A“ am liebsten verdrängt hätte, sind Geschichte. Zum 75. Jahrestag der Eröffnung setzten Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft in der Gedenkstätte Oberreit jetzt beeindruckende Zeichen.

„Wir sind uns der Bedeutung dieses Erbes bewusst.“ Mit diesen Worten beschrieb Moosburgs 2. Bürgermeister Josef Dollinger den heutigen Umgang mit der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers. „Genau an dieser Stelle, wo wir heute stehen“, am sogenannten „Russenfriedhof“, habe man einst 1000 Kriegsgefangene begraben. Die meisten waren Rotarmisten. Erst 1982, als die Stadt das Gelände erworben habe, sei eine Gedenkstätte in Oberreit entstanden. Als Zeichen für ein endgültiges Umdenken wertete es Dollinger, dass sich der Stadtrat im Juli zu einer umfassenden Restaurierung der Gedenkstätte entschlossen habe. Vor knapp 120 Besuchern würdigte er das Engagement des Stalagvereins, der daran maßgeblichen Anteil habe.

Dessen Vorsitzender Herbert Franz erinnerte daran, dass man die Gebeine der Toten nach dem Krieg wieder ausgegraben und auf diverse Soldatenfriedhöfe umgebettet habe. Oberreit sei daraufhin sogar als landwirtschaftliche Fläche genutzt worden, wie Franz kritisierte. Umso erfreulicher sei es, dass auf Kosten der Stadt nun ein zwischenzeitlich entfernter Gedenkstein für die dort einst Bestatteten restauriert und Infotafeln aufgestellt wurden. In der Neustadt, die sich aus den Überresten des Kriegsgefangenenlagers einst entwickelt hatte, sollen weitere Tafeln entstehen - spätestens bis zur Gedenkfeier anlässlich der Befreiung des Lagers, die im April 2015 geplant ist.

Ulrich Fritz von der „Stiftung Bayerische Gedenkstätten“ zollte dem Stalagverein ebenfalls Respekt. Lager wie das in Moosburg, in dem insgesamt 150 000 Kriegsgefangenen untergebracht gewesen sein sollen, seien weniger erforscht als die Konzentrationslager. Meist sei es lokalen Akteuren zu verdanken, wenn Licht ins Dunkel komme, betonte Fritz.

Die Gedenkfeier wurde von einem Klagelied der Liedertafel, einem Präludium des Saxophonisten Georg Reindl und einem polnischen Soldatenlied musikalisch umrahmt. Franz und Bürgermeisterin Anita Meinelt enthüllten den restaurierten Gedenkstein. Kirchenvertreter pflanzten einen Friedensbaum.

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