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Bericht aus dem Gericht

Geldstrafe für gewalttätigen Ehemann

Seit mehr als einem Jahr darf der Afghane (30) die Flüchtlingsunterkunft in Hohenkammer nicht betreten. Im Oktober 2016 soll der 30-Jährige seine Frau (31) brutal misshandelt haben. Die Kinder drohte er nach Afghanistan zu verschleppen. Im Juni dieses Jahres kehrte er trotz Hausverbot in die Container am Königsholz zurück.

Hohenkammer– Vor dem Amtsgericht Freising musste sich der 30-Jährige unter anderem wegen Körperverletzung und Bedrohung verantworten. Drei Tage nach dem Vorfall vom 10. Juni 2017 war gegen ihn ein Gewaltschutzverfahren eingeleitet worden.

Dem Angeklagten ging es um seine beiden sieben- und achtjährigen Kinder, die bei der Mutter in der Unterkunft leben. Über seinen Dolmetscher ließ er erklären, durchaus gewusst zu haben, „dass ich Hausverbot hatte“. Einen Antrag, die Kinder zu besuchen und den nachfolgenden Schriftverkehr nahm er als Beleg, die Kinder zu sehen. Als seine Frau ihm den Zutritt verwehrte, rief er selbst die Polizei. Die eintreffenden Beamten klärten ihn auf, dass von einer Besuchserlaubnis in den behördlichen Schreiben keine Rede sei. Der Mann bestritt, seine Frau beleidigt und mit dem Tode bedroht zu haben. Er habe auch nicht angekündigt, ihr die Kinder wegzunehmen.

Vor allem der Vorfall vom 24. Oktober 2016 steckt der 31-Jährigen, die sich im Übrigen ziemlich gut auf Deutsch verständigen konnte, noch in den Knochen. In der Küche der Unterkunft hatte die gebürtige Iranerin Tee mit einem gemeinsamen Freund getrunken. Ihr damals noch in der Einrichtung wohnende Ehemann habe sie einer Affäre beschuldigt. „Sonst hättest Du doch keinen Tee für ihn gekocht.“ Als sie sich weigerte, seiner Aufforderung zu folgen, in ihr Zimmer zurückzukehren, brach er ihr mit einem Fausthieb die Nase. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seiner Frau anschließend einen Stuhl auf den Kopf geschlagen, ihren Kopf zwei Mal gegen die Wand geschleudert zu haben.

Eine Asyl-Helferin und der Freund des Ehepaares, ein 23-jähriger Afghane, berichteten von wiederholten Übergriffen des Angeklagten bereits in der Vergangenheit. „Die ganze Unterkunft war informiert“, sagte der 23-Jährige. „Sie war total verweint“, bestätigte die damalige Leiterin des Helferkreises Asyl. Zusätzlich in Rage dürfte den 30-Jährigen gebracht haben, dass seine Frau in der Küche kein Kopftuch trug.

Aus Sorge um ihr Wohl brachte die Polizei die 31-Jährige und ihre beiden Kinder vorübergehend in einem Frauenhaus unter. Man habe erfahren, dass ihr Ehemann die Kinder nach Afghanistan entführen wollte. Nach Aussage eines Polizisten (24) verprügelte der Angeklagte seine Frau weiter, nachdem die Beamten die Unterkunft verlassen hatten. Mit dem 30-Jährigen sei daraufhin eine Gefährderansprache durchgeführt worden, während der man ihn über seine Optionen in Kenntnis setzte.

Der Angeklagte räumte ein, seine Frau mit der Faust geschlagen zu haben. Er habe Respekt vor dem Gesetz und bitte seine Frau um Verzeihung. Für die Tätlichkeiten vom Oktober 2016 verurteilte das Gericht den Afghanen zu einer Geldstrafe in Höhe von 720 Euro (90 Tagessätze zu 8 Euro). Erst ab 91 Tagessätzen gilt ein Verurteilter als vorbestraft. Die Staatsanwaltschaft hatte 110 Tagessätze gefordert.

Weil dem Angeklagten der Schlag mit dem Stuhl vor Gericht nicht nachzuweisen war, beließ es das Gericht bei einer Anklage wegen einfacher Körperverletzung. Als so genanntes gefährliches Werkzeug hätte der Stuhl als Tatwerkzeug eine Mindeststrafe von sechs Monaten zur Folge gehabt.

Andreas Sachse

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